05.01.13

Stade

Mit Feuer, Luft und Farbe ist er in seinem Element

Glasbläser Christian Bernschein betreibt ein seltenes Handwerk als Allrounder. Er ist der einzige Glasbläser im Großraum Stade.

Von Kerstin Lorenz
Foto: Kerstin Lorenz
Glasbläser Christian Bernschein arbeitet in Stade. In seiner Werkstatt entstehen zarte Kunstwerke in vollendeten Farben und Formen
Glasbläser Christian Bernschein arbeitet in Stade. In seiner Werkstatt entstehen zarte Kunstwerke in vollendeten Farben und Formen

Stade. Filigrane Kugeln oder farbige Vögel, Kerzenhalter, Kelche, zarte Glöckchen und zauberhafte Elfen, Dekorationsstücke und Gebrauchsobjekte - alles aus Glas, in meisterlicher Handwerkskunst geschaffen, fern der Glasbläserhochburgen Thüringen oder Schwarzwald. Vor der Glasbläserei von Christian Bernschein in der Stader Altstadt bleiben immer wieder Menschen stehen, mit staunendem Blick auf seine durchsichtigen Kunstwerke im Schaufenster und zugleich in die Werkstatt, wo man deren Entstehen mitverfolgen kann.

Christian Bernschein ist der einzige seiner Zunft im Großraum Stade und hat das Traditionshandwerk von seinem Vater erlernt, der vor 30 Jahren, 1983, das kleine feine Glasgeschäft, Bei der Börne 1, eröffnete. Bernschein sagt, es sei Fluch und Segen zugleich gewesen, den Vater als Lehrmeister zu haben, aber am Ende der strengen Schule habe die Kreativität immer neue Möglichkeiten geboten, Dinge zu schaffen, die den Menschen gefallen und Freude bringen. Jedes Glasobjekt, das Bernschein mit dem Mund und seinen Händen entstehen lässt, ist ein Unikat.

Es ist warm im kleinen Arbeitsraum des historischen Fachwerkhauses neben dem Hahnentor. Das Geräusch von Glasbläserlampen erfüllt den Raum, in dem Bernschein mit Feuer, Luft und präziser Handarbeit Glaskunst zaubert. Seine Hände sind in ständiger Bewegung, damit genau im richtigen Moment der honigförmige Zustand des erhitzten Glasteils abgepasst werden kann, es in die gewünschte Form zu bringen. Unablässig dreht der Glasbläser den Rohling mit seinen Fingern und zieht unter sensibler Zugabe seiner Atemluft den Werkstoff zu einem durchsichtigen Kunstwerk.

Sein Ausgangsmaterial sind etwa 1,5 Meter lange Glasröhren mit unterschiedlichem Durchmesser. Je nachdem, was daraus entstehen soll, wählt Bernschein aus zwei verschiedenen Gläsern das passende. Das sogenannte Natronglas ist weicher als Silikatglas und wird meist für dekorative Kunstobjekte verwendet. Das festere Silikatglas eignet sich besser für Präzisionsgeräte, die beispielsweise als Kolben oder Reagenzgläser in Laboren, der chemischen Industrie, im Chemieunterricht an Schulen oder in Krankenhäusern Verwendung finden.

"Während das weichere Natronglas bei Temperaturen um 950 Grad Celsius verarbeitet wird, bekommt das harte Silikatglas seine Formen bei Arbeitstemperaturen um 1100 Grad", sagt Christian Bernschein. Er verwendet deshalb zwei Flammenformen an seiner Glasbläserlampe. Eine mit Erdgas betriebene für Objekte aus Natronglas und eine leisere, mit Sauerstoff betriebene für feuerfeste Laborgläser.

Bernschein, der seine Lehre als Apparateglasbläser 1969 an der Universität Greifswald abschloss, ist ein Allrounder seines Faches und hat sich sowohl auf Reparaturen kostbarer Glasgeräte wie auf Sonderanfertigungen spezialisiert. "Ich habe den Vorteil, dass ich wirklich alles in diesem Fach gelernt und angewendet habe. Ob Thermometer, Schliffe oder Aggregatehähne aus Glas, alles ist für mich machbar", sagt der Glasexperte.

Neben den Präzisionsgläsern fertigt Bernschein aber auch nach Kundenwünschen einzigartige, schöne Stücke. "Wenn es technisch machbar ist, lassen sich sehr persönliche, einmalige Geschenke herstellen, die immer eine neue Herausforderung sind", sagt Bernschein. Gefragt ist auch Dekoratives, je nach aktueller Mode, vom Kerzenhalter bis zur Orchideenvase, Raumschmuck zu allen Festen oder originelle Preziosen und Miniaturen. Zu seinem Repertoire gehören auch Vögel, glasklar oder farbig. Dazu verwendet Bernschein Farbglasgranulate, die mit Metalloxiden eingefärbt wurden und nach dem Bearbeiten mit Luft und Feuer den gewünschten Farbglascharakter bekommen. Geschickt, mit gekonnten Handbewegungen, lässt der Glasbläser alle Ausgangsstoffe durch Drehen und Schwenken vor der Erdgasflamme, mit dosiertem Blasen zu Farbstruktur und Formdesign verschmelzen. Um dem Glasvogel Standfestigkeit zu geben, bringt Bernschein einen so genannten "Auftreiber" zum Einsatz. Diese hitzebeständige Graphitkohleplatte mit Handgriff gibt zum Abschluss dem noch formbaren Glas genau dort die Formvollendung, wo der Glasbläser sie wünscht. Am Ende modelliert Bernschein Schwanz und Schnabel der Vögel, die derzeit als Frühlingsboten der Renner in seinem Laden sind.

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