Düdenbüttel: Bürgerinitiative macht vor Ratssitzung mobil

Mastanlage für 6250 Schweine

Anwohner laufen Sturm gegen die Ausbaupläne eines Landwirts aus dem Ort. Sie fürchten mehr Gestank.

Düdenbüttel. Den Düdenbüttlern stinkt es. Sie fühlen sich durch den Geruch von 5605 Schweinen und Ferkeln in ihrem Dorf belästigt. Knapp sechs Schweine kommen jetzt schon auf jeden Einwohner. Und diese Quote droht sich zu verdoppeln. Denn Landwirt Jürgen Wilkens hat Pläne, eine Mastanlage für weitere 6250 Schweine neben seine derzeitigen Ställe "Auf dem Bleek 2" zu bauen. Damit zieht er den Zorn vieler Düdenbüttler auf sich.

"Bereits jetzt stinkt es im Dorf nach Schweinemist", sagt Astrid Schult. Wäsche könne sie nicht zum Trocknen nach draußen hängen, und das Haus zu lüften sei unangenehm. "Als Hausbesitzerin kann ich aber eben nicht einfach wegziehen", sagt die 47-Jährige frustriert. Sie sei dem Gestank schutzlos ausgesetzt.

Der Geruch sei allerdings das kleinere Übel, sagt Wilhelm Buuck. Der 54-Jährige engagiert sich in der "Nachbarschaftsinitiative Düdenbüttel/Heinbockel Anti Schweinmaststall"(NIDHAS), die gegen die Planungen des Landwirtes kämpft. "Die Ammoniakbelastung ist das Gefährliche, denn die Gase kann man nicht riechen und sind gesundheitsgefährdend", sagt der Düdenbüttler. Vor allem die Atemwege würden leiden.

Außerdem spielt der Wind eine entscheidende Rolle. Die Hauptwindrichtung in Düdenbüttel sei Südwest, so Buuck. "Dann ziehen alle Gase direkt ins Dorf", sagt er. Und über einen Kindergarten hinweg, der in Zuglinie des Ammoniaks liege. Nach Buucks Auffassung verhält sich Bauer Wilkens verantwortungslos. Der angegriffene Landwirt wollte sich zu den Vorwürfen und seinen Motiven für die Schweinemastanlage auf Abendblatt-Anfrage allerdings nicht äußern.

Ob die Schweinemastanlage noch verhindert werden kann, weiß Buuck nicht. "Erst mal müssen wir die morgige Vorstellung im Ortsrat abwarten", sagt er. Ab 19.30 Uhr werden die geänderten Bauplanungsunterlagen des Stalls im Düdenbüttler Rat vorgestellt.

Dann müsse der Rat bis zum 15. Februar eine Stellungnahme abgegeben, erklärt Düdenbüttels Bürgermeister Heinz Mügge (Wählergemeinschaft). "Wir entscheiden aber nicht für oder gegen eine Anlage, sondern können nur weitere Informationen einfordern", sagt Mügge. Obwohl sich die Ratsmitglieder geschlossen gegen den Schweinestall aussprechen, seien ihnen die Hände gebunden.

Matthias Tiedemann, der in Düdenbüttel einen kleinen Laden betreibt, wirft der Gemeinde vor, sich taktisch falsch verhalten zu haben. "Die hätten Grundstücke als Sonderflächen für den Stall ausweisen sollen, bei denen von vornherein klar war, dass sie nicht zum Verkauf stehen", sagt der 46-Jährige. Mit diesem Trick wäre die Angelegenheit erledigt gewesen.

Nun befürchtet Tiedemann, dass der Stall gebaut wird. Und das trotz der enorm hohen Tierdichte in seinem Dorf. "Wir haben die höchste Quote an Tieren pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzungsfläche in ganz Niedersachsen", sagt er. Niedersachsenweit beträgt der Durchschnitt 1,21 Tiere pro Hektar. In Düdenbüttel sind es bereits jetzt 3,75 Tiere. Mit der neuen Mastanlage wären es 4,34 Tiere pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzungsfläche.

Trotz dieser Zahlen geht Jan Hauschildt vom Kreisbauernverband Stade davon aus, dass Landwirt Wilkens seine Mastställe bauen darf. "Er wird sehr strikte Auflagen bekommen und diese erfüllen. Also darf er auch bauen", sagt Hauschildt. So muss eine hochmoderne Abluftreinigungsanlage eingesetzt werden, wie es das Bundesimmissionsschutzgesetz vorsieht.

Dadurch seien selbst in unmittelbarer Nähe der Ställe kaum Gerüche oder Ammoniakgase feststellbar. "Dieser Maststall wird sicherlich bessere Werte als viele herkömmlichen Schweinställe aufweisen", sagt Hauschildt. Lediglich die Größe verunsichere die Anwohner, doch in anderen Regionen, wie in den neuen Bundesländern, seien Ställe mit bis zu 15 000 Mastschweinen üblich. Betriebswirtschaftlich kann er die Planungen von Landwirt Wilkens nachvollziehen.

Doch selbst wenn Wilkens alle Auflagen erfüllt, ist noch nicht sicher, ob der Stall wirklich gebaut wird. Die NIDHAS setzt zumindest auf Verzögerung und will gegen den Bauantrag Beschwerde einlegen.

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