Nord-Ostsee-Kanal

Sperren sollen Ausbreitung des Ölfilms verhindern

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Nach dem Zusammenstoß der Frachter "Siderfly" und "Coral Ivory" bleibt der Nord-Ostsee-Kanal bis auf weiteres gesperrt. Schiff wird mit Ankern stabilisiert.

Kiel/Brunsbüttel. Nach der Kollision zweier Düngemittel-Frachter auf dem Nord-Ostsee-Kanal bleibt die Wasserstraße weiter voll gesperrt. Wann die 100 Meter lange "Siderfly" geborgen werden könne, sei bislang nicht abzuschätzen, sagte eine Sprecherin des Havariekommandos Cuxhaven am frühen Dienstagmorgen. Die Unfallursache stand ebenfalls noch nicht fest. Noch am Montagabend hätten etwa zehn Schiffe auf ihre Weiterfahrt warten müssen, fügte die Sprecherin hinzu.

Die "Siderfly" war nach der Kollision am Montagmorgen Leck geschlagen und mit Schlagseite auf Grund gelaufen. Schlepper mussten eingesetzt werden, damit das 100 Meter lange Schiff nicht kentert. Das zweite an der Kollision beteiligte Schiff, die 116 Meter lange "Coral Ivory" konnte unweit der Unglücksstelle festmachen. Menschen wurden bei der Kollision nicht verletzt. Der Nord-Ostsee-Kanal musste für den Schiffsverkehr gesperrt werden.

Das Unglück ereignete sich bei Dunkelheit gegen 3 Uhr unterhalb der Brunsbüttler Hochbrücke. Dabei wurde die unter der Flagge von St. Vincent und den Grenadinen fahrende "Siderfly" so stark beschädigt, dass sie zu sinken drohte. Zwei Schlepper drückten den Frachter auf die Kanalböschung und hielten ihn dort. Das Schiff wurde mit an Land ausgebrachten Ankern stabilisiert. "Das Schiff liegt mit 45 Grad Schlagseite an der Böschung", sagte Ulrike Windhövel vom Havariekommando in Cuxhaven. Es habe drei bis fünf Meter große Löcher im Rumpf, über die Wasser eindringe.

Die "Siderfly", bei der neben dem Kapitän neun Besatzungsmitglieder an Bord waren, war auf dem Weg von Brunsbüttel nach Antwerpen. Sie hatte das organische Düngemittel Urea geladen – auf Deutsch "Harnstoff": weiße, ungiftige Kristalle, die wegen ihres hohen Stickstoffgehaltes weltweit als Stickstoffdüngemittel genutzt werden. Im Bereich der Laderäume schlug die "Siderfly" leck.

Der unter der Flagge der Niederlande fahrende Flüssiggasfrachter "Coral Ivory", dort waren ein Kapitän und 18 Besatzungsmitglieder an Bord, wurde ebenfalls beschädigt, ein Leck aber entstand nicht. Das Schiff sollte 4030 Tonnen Ammoniak nach Finnland bringen. Seine Laderäume blieben bei der Kollision unbeschädigt. Es machte in Brunsbüttel fest.

Nach der Havarie sei Dieselöl ausgetreten, jedoch kein Schweröl, sagte Windhövel. Ölsperren seien ausgebracht worden, um eine Ausbreitung des Ölfilms zu verhindern.

Jetzt haben die Ermittlungen begonnen. Zunächst war die Ursache der Kollision nicht bekannt. Ermittler der Wasserschutzpolizei Brunsbüttel haben Radarbilder und Aufzeichnungen des Funkverkehrs sichergestellt. Die Brücke der "Siderfly" konnten die Beamten am Montag zunächst nicht betreten.

Ende der Sperrung nicht absehbar

Der Nord-Ostsee-Kanal wurde nach der Kollision bis auf Weiteres voll gesperrt, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. "Ein Ende der Sperrung ist nicht absehbar." Dadurch mussten vier Schiffe auf die Ausfahrt in die Elbe warten. Auf der anderen Seite der Schleusenanlage bei Kiel lagen mehrere Schiffe auf der Reede und warteten auf die Aufhebung der Sperrung.

Neben der Kollision wurde aber auch der heftige Sturm als Grund für die Sperrung genannt. Laut Windhövel hätten Schiffe den Havaristen zwar passieren können. Das aber nur bei sehr langsamer Fahrt. Dann seien Schiffe allerdings besonders anfällig für Windböen und könnten nicht so gut manövrieren. Das Risiko eines weiteren Unfalls wollte man aber nicht eingehen.

Wie es auf dem Nord-Ostsee-Kanal weitergehen wird, stellt sich am heutigen Mittwoch heraus. Der Eigner der "Siderfly" hat bereits ein Bergungsunternehmen beauftragt. Experten werden sich den Havaristen vor Ort anschauen. Erst dann wird entschieden, wann und wie genau die "Siderfly" geborgen wird.

Trotz neuester Technik, strikter Regeln und lückenloser Radarüberwachung kommt es im Nord-Ostsee-Kanal immer wieder zu Schiffskollisionen. Im April 2011 starben ein Lotse und ein Besatzungsmitglied, als der 150 Meter lange britische Containerfrachter "OOCL Finnland" und der unter der Flagge der Russischen Föderation fahrende Frachter "Tyumen-2", bei dichtem Nebel nahe der Grünentaler Hochbrücke bei der Ortschaft Beldorf im Kreis Dithmarschen kollidierten.

Zwei weitere Besatzungsmitglieder wurden schwer verletzt. Nach dem Zusammenstoß mussten ein drittes Schiff nahe der Unfallstelle und ein viertes Schiff einige Kilometer entfernt in die Böschung fahren, weil sie nicht stoppen konnten. Im Oktober 2010 kollidierte der 102 Meter lange Frachter "Patria" in der Dunkelheit mit dem Tanker "San Benedetto".

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