07.12.12

Großbrand in Kiel

Erneut Feuer in Kieler Zoohandlung ausgebrochen

Knapp 24 Stunden nach dem Großbrand brach in der Zoohandlung Knutzen in Kiel am Freitagabend zum zweiten Mal ein Feuer aus.

Foto: rtn/radio tele nord

Feuerwehrleute bringen leere Käfige aus dem ausgebrannten Zoo-Geschäft

19 Bilder

Kiel. In der in der Nacht zum Freitag abgebrannten Kieler Zoohandlung Knutzen ist am Abend erneut ein Feuer ausgebrochen. Mehrere Glutnester seien auf einer Fläche von 100 Quadratmetern entfacht, sagte ein Polizeisprecher. Die Feuerwehr habe die Flammen nach etwa 90 Minuten gelöscht.

In der Nacht waren fast 300 Feuerwehrleute und Polizisten im Einsatz gewesen, um eines der eines größten Feuer seit Jahren in der Kieler Innenstadt unter Kontrolle zu bekommen.

Noch am Morgen nach dem Großbrand stieg Rauch aus den Trümmern der völlig zerstörten Kieler Zoohandlung Knutzen. Glutnester mussten gelöscht werden auf dem verwinkelten Arreal mit Verkaufsräumen, Lagerhallen und Büros – umgeben von Wohngebäuden. Aus Wasserschläuchen der Feuerwehr floss Wasser, teils bildeten sich bizarre Eiszapfen bei den Minustemperaturen. Fast 300 Feuerwehrleute und Polizisten waren im Einsatz, um nach mehreren Stunden und immer wieder neuem Aufflammen von Brandherden eines der größten Feuer der vergangenen Jahre in der Kieler Innenstadt freitagfrüh unter Kontrolle zu bekommen.

Den Großbrand der Kieler Zoohandlung Knutzen haben nach Angaben des Geschäftsführers Dirk Bruhn praktisch alle Säugetiere und Vögel überlebt. Vermutlich umgekommen seien dagegen die Tiere in der Aquaristik und Terraristik, sagte Bruhn am Freitag der NDR 1 Welle Nord. Zuvor hatte ein Feuerwehrsprecher erklärt, die meisten Tiere seien verbrannt. Er habe selber viele Säugetiere mit Schutzanzug und Brandschutzbrille aus der Zoohandlung gerettet, sagte Bruhn. Die Tiere wurden ins Kieler Tierheim gebracht. Nach Angaben einer Tierheim-Mitarbeiterin handelt es sich um 250 Tiere – darunter Wellensittiche, Nymphensittiche, Zwergwachteln, Kaninchen, Hamster und viele Mäuse. Der Zoo-Geschäftsführer und Feuerwehrleute hatten aus den Brandruinen die Tiere gerettet und zunächst in die Waschhalle einer direkt benachbarten Tankstelle gebracht.

Die 1905 gegründete Tierhandlung Knutzen bezeichnet sich auf ihrer Homepage als "Schleswig-Holsteins größter Zoo- und Angelfachmarkt". Koi-Fische, Schildkröten, Leguane, Vogelspinnen, Schlangen und verschiedene Froscharten gehören zum "tierischen Angebot".

Bis auf eine Anwohnerin, die wegen einer Rauchgasvergiftung ambulant im Krankenhaus behandelt wurde, kamen Menschen nicht zu Schaden. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf Wohnungen direkt über den Verkaufsräumen, angrenzende Wohngebäude und eine auf der anderen Straßenseite liegende Tankstelle verhindern. Die Wohnungen über der Zoohandlung mussten aber geräumt werden. "Die Anwohner kamen ins Hotel oder bei Verwandten und Freunden unter", sagte Norbert Grave von der Leitstelle der Kieler Feuerwehr.

Ein Teil der Bewohner eines angrenzenden Altenheims für betreutes Wohnen musste vorsorglich das Gebäude verlassen und wurde für anderthalb Stunden in einem bereitgestellten Bus der Kieler Verkehrsbetriebe betreut, ehe die Menschen wieder zurück in ihr Heim durften.

Um 20.00 am Donnerstag hatte die Feuerwehr die ersten Notrufe erreicht. Bald schon schlugen bis zu acht Meter hohe Flammen aus den Lagerhallen mit Pflanzen und Tieren.

"Wir dachten anfangs, draußen wird der Schnee geräumt", sagte die Anwohnerin Aiste Fischer (26) über die scharrenden, metallenen Geräusche, die sie in der Wohnung hörte. "Dann kamen schon die ersten Anrufe, dass es brennt." Draußen habe sie die hohen Flammen durch die Dächer der Lagerhallen und Gewächshäuser schlagen sehen. Immer wieder habe es explosionsartige Geräusche gegeben – "das hörte sich an wie Silvesterkracher". Die angrenzende Tankstelle war anfangs durch Brandhitze in Gefahr, "aber das hatten wir schnell unter Kontrolle", sagte Grave.

Die Kripo konnte ihre Ermittlungen bis zum Löschen der letzten Glutnester am Freitag nicht aufnehmen. "Zur Brandursache lässt sich jetzt noch nichts sagen", erklärte Polizeisprecher Matthias Ahrens.

Wegen der Örtlichkeiten gestalteten sich die Löscharbeiten äußerst schwierig. Alle zehn Freiwilligen Feuerwehren in Kiel und die Freiwillige Feuerwehr Kronshagen wurden durch die Leitstelle nachalarmiert. Dienstfreie Beamte der Berufsfeuerwehr wurden ebenfalls angefordert. Zeitweise ließ die Einsatzleitung das Feuer auch über drei Drehleitern und mehreren Trupps unter Atemschutz löschen. Wegen des Großeinsatzes musste der Schützenwall, der in die Stadt beziehungsweise zur Autobahn führt, bis zum Morgen gesperrt werden.

(Video: rtn)

(mit Material von dpa)
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