30.11.12

Lübeck Blankensee

Defizitärer Flughafen verkauft – doch Grüne weiter skeptisch

Die Lübecker Bürgerschaft hat dem Verkauf des Flughafens zugestimmt. Doch in den Jubel mischen sich auch kritische Töne.

Foto: pa/dpa
Flughafen Lübeck
Der Namenszug des Flughafens Lübeck am Terminalgebäude

Lübeck. Einen Tag nach dem Beschluss zum Verkauf des Lübecker Flughafens an den Geschäftsmann Mohamad Amar ist die Freude in der Hansestadt groß. Die Zukunft für den Flughafen und seine Beschäftigten sei jetzt gesichert, sagte Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) am Freitag nach der Entscheidung. Der Geschäftsführer des Flughafens, Jürgen Friedel, sprach von einer Riesenerleichterung nach Monaten der Ungewissheit. Die Grünen dagegen bleiben skeptisch. Sie sehen in dem Angebot auch Risiken für die Stadt. Die Bürgerschaft der Hansestadt hatte am Donnerstagabend mit großer Mehrheit den Verkauf beschlossen, gegen die Stimmen der Grünen.

Mit der Entscheidung folgte die Bürgerschaftsmehrheit Saxes Empfehlung. "Das Angebot von Herrn Amar ist wohl am stärksten von allen am Ausbau orientiert – auch das ist für uns ein Punkt gewesen. Wir wollen dauerhaft einen florierenden und wachsenden Flughafen. Für einen Tourismusstandort wie wir einer sind, ist das von großer Bedeutung", sagte Saxe der NDR 1 Welle Nord.

"Wir sind noch immer ganz euphorisiert, dass wir den Zuschlag bekommen haben", sagte der Berater Amars, Siegmar Weegen, am Freitag. Zum 1. Januar soll die von Amar bereits gegründete Yasmina Flughafen-Management GmbH den Betrieb des Flughafens übernehmen. Dazu müssen unter anderem die Beschäftigten erklären, ob sie zur neuen Betriebsgesellschaft wechseln wollen. "Ich gehe davon aus, dass die große Mehrheit das will", sagte Friedel. Auch er selbst habe Amar bereits signalisiert, dass er weiter als Geschäftsführer zur Verfügung stehe.

Der Kaufpreis beträgt einen symbolischen Euro. Für notwendige Infrastrukturmaßnahmen, wie die Erneuerung der Entwässerung, erhält Amar von der Stadt 5,5 Millionen Euro. Das Geld fließt jedoch nur, wenn er tatsächlich ausbaut. Amar seinerseits will in den nächsten fünf Jahren 20 Millionen Euro in den Flughafen investieren.

Der Ägypter mit deutschem Pass will in Lübeck neue Fluglinien etablieren, unter anderem sind wöchentlich drei Flüge nach Hurghada und Sharm el Scheich in Ägypten geplant. Diese Verbindung sei für deutsche Urlauber, aber auch für Geschäftsleute und Gesundheitstouristen interessant, die sich an der Lübecker Universitätsklinik behandeln lassen wollten, sagte Amar am Freitag der dpa. Auch eine Verbindung in die marokkanische Hafenstadt Casablanca mit zwei Flügen pro Woche sei in Planung.

Aus der Landespolitik gab es unterschiedliche Reaktionen. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) zollte der Bürgerschaft Respekt für die Entscheidung in der Sache und auch für das gewählte Verfahren. "Ich wünsche der Hansestadt, dass der Investor die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen und den Flughafen in eine sichere Zukunft führen wird", sagte der Minister.

Der verkehrspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Andreas Tietze, dagegen gibt dem Flughafen auch unter dem neuen Besitzer kaum eine Chance zum wirtschaftlichen Überleben. "Mir ist schleierhaft, woher die Umsätze für eine Kostendeckung bis 2017 kommen sollen. Das laufende Beihilfe-Verfahren der EU-Kommission hängt wie ein Damokles-Schwert über dem Flughafen. Wenn die EU-Kommission feststellen sollte, dass europarechtswidrige Subventionen geflossen sind, dann müssten Ryanair und die Flughafengesellschaft sämtliche Fördermittel zurückzahlen."

Der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm, Gerhard Haase, nannte den Verkauf gar sittenwidrig. "Hier werden Grundstücke weit unter Verkehrswert zum Spottpreis praktisch verschenkt", wetterte er. Nach Angaben Saxes sieht der Vertragsentwurf vor, dass Amar das eigentliche Flughafengelände von der Stadt pachtet, die Wirtschaftsgüter der alten Flughafengesellschaft dagegen kauft. Dazu gehören auch Flächen für weitere Parkplätze und 87 Hektar Ausgleichsflächen. Beides braucht Amar für die Umsetzung des Planfeststellungsbeschlusses

Ein Porträt: Mohamad Rady Amar

Auf die Frage, was ihm wichtig sei, antwortet der deutsch-ägyptische Geschäftsmann Mohamad Rady Amar: "Wir führen Unternehmen von den roten in die schwarzen Zahlen." Zum 1. Januar wird die in Frankfurt ansässige Firma 3Y Logistik und Projektbetreuung GmbH, deren angestellter Geschäftsführer Amar ist, den defizitären Lübecker Flughafen von der Hansestadt übernehmen. In spätestens fünf Jahren, so ist er überzeugt, wird der Lübecker Flughafen wieder Gewinn machen.

Der 59-Jährige ist in Ägypten geboren und hat in Kairo, wie er am Freitag der Deutschen Presse-Agentur sagte, Schiffbau studiert. "Dort habe ich auch meinen Professoren-Titel erworben." Erstmals 1972 kam er nach Deutschland – als Tourist, wegen der Olympischen Spiele in München. Schon während des Ingenieurstudiums sei er auf Deutschland fixiert gewesen. So lernte er am Goethe-Institut in Kairo Deutsch. Immer wieder pendelte er geschäftlich zwischen Ägypten und Deutschland.

Seit 1998 lebt die Familie in Deutschland, alle haben die deutsche Staatsangehörigkeit: "Wir sind stolz darauf", sagte Amar. Seine Frau ist Apothekerin. Zwei Kinder studieren Elektrotechnik beziehungsweise Chemie, die beiden jüngeren gehen zur Schule. Die Yasmina Flughafenmanagement GmbH, benannt nach der jüngsten Tochter, wird den Lübecker Flughafen betreiben.

Werke zur Papierherstellung, Betonmischanlagen, ein Werk zur Herstellung von Energiesparlampen sind nur einige Projekte, die Amar mit umgesetzt hat. 1996 gründete er die Firma 3Y Logistic und Projektbetreuung. Sie vermittelt und betreut solche Anlagen. "Wir machen im Jahr rund 60 Millionen Euro Jahresumsatz, ein Tochterunternehmen in Österreich noch einmal so viel."

Besonders stolz ist der Geschäftsführer darauf, den maroden Kleinflugzeughersteller Aquila wieder in die Gewinnzone gebracht und die Mitarbeiterzahl auf rund 90 verdreifacht zu haben. Im brandenburgischen Trebbin rund 35 Kilometer südlich von Berlin wird bisher produziert, eine weitere Produktionsanlage möchte Amar in Lübeck errichten. Dort soll auch das nicht mehr hergestellte Schweizer Trainingsflugzeug FFA Bravo, für das Amar nach eigenen Angaben alle Lizenzen erworben hat, wiederaufleben.

(dpa)
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