Kooperation Schleswig-Holstein und Süddänemark planen Europa-Uni

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Eine Europa-Universität und mehr Kulturaustausch: Schleswig-Holstein und die Region Süddänemark wollen ihre Kooperation ausbauen.

Kiel. Schleswig-Holstein und die Region Süddänemark wollen ihre grenzüberschreitende Zusammenarbeit vertiefen. So sei eine Europa-Universität geplant, die sich aus der Kooperation der Hochschulen in Flensburg und Sonderburg entwickeln könnte, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) am Montag in Kiel nach dem Antrittsbesuch des Vorsitzenden der Region Süddänemark, Carl Holst. Holst kündigte für Januar eine Konferenz aller Beteiligten an, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Hochschulen noch weiter voranzutreiben – bei den Studiengängen sei man schon weiter als die meisten anderen Universitäten.

Neun Projekte seien besprochen worden, "wir sind auf einem sehr guten Weg", zog Albig eine positive Bilanz des Gesprächs über die Zusammenarbeit in den nächsten beiden Jahren.

Für die Gründung des schon vorher angedachten deutsch-dänischen Fraunhofer-Projektzentrums wurde eine Projektgruppe gebildet. Die Forschungseinrichtung, die ihren Sitz in Südjütland haben solle, werde sich mit Leistungselektronik befassen, sagte Albig. Dieser Bereich kann zum Beispiel Innovationen für die Luftfahrt und die Automobilindustrie – Stichwort Elektroauto – entwickeln. "Das Projekt wird Strahlkraft für gesamte Region haben", sagte Albig.

Noch als Vision bezeichneten beide Politiker die Idee einer deutsch-dänischen Gesundheitskarte. "Deutsche Bürger sollen eines Tages in Dänemark zum Arzt gehen können und umgekehrt", sagte Holst. "Es solle jeder den besten medizinischen Spezialisten in der Grenzregion aufsuchen können, also der gemeinsame Lebensraum noch besser genutzt werden, ergänzte Albig. Das könne auch für Touristen von Nutzen sein.

Die für Kultur und Europa zuständige Landesministerin Anke Spoorendonk (SSW) nahm ebenfalls an dem Treffen mit Holst teil. Sie will die deutsch-dänische Kulturvereinbarung mit Leben füllen. In den nächsten vier Jahren stehen dafür jährlich 25 000 Euro Landesmittel bereit, die dänische Seite steuere deutlich mehr zu, sagte Spoorendonk. "Wir wollen ein Signal senden und europäisch Vorbildhaftes schaffen." Außerdem hofft Spoorendonk auf EU-Fördermittel in der neuen Förderperiode ab 2014.

Zum 150. Jahrestag der Schlacht bei den Düppeler Schanzen im April 1864 sei eine große Gedenkfeier mit Bundespräsident Joachim Gauck und der dänischen Königin Margrethe II. vorgesehen, kündigte Spoorendonk an. Bei Düppeln hatte Dänemark gegen Österreich/Preußen eine Niederlage erlitten und die schleswig-holsteinischen Gebiete verloren. Die Erinnerung an die konfliktträchtige gemeinsame Geschichte solle zukunftsweisend verknüpft werden, sagte Spoorendonk. So sei ein gemeinsames Jugendparlament mit Schleswig-Holsteinern und Süddänen geplant, um die gemeinsame Identität zu stärken.