08.11.12

Schleswig-Holstein

Ärger um Grippeimpfstoff soll Konsequenzen haben

Verfahren zur Ausschreibung für Lieferanten soll überprüft werden. Hersteller Novartis hatte zu spät und zu wenig Grippeimpfstoff geliefert.

Foto: getty
Eine Frau wird geimpft
Eine Frau wird geimpft (Archivfoto)

Kiel. Der Ärger über den fehlenden Grippeimpfstoff im Norden soll Konsequenzen haben. "Das diesjährige Verfahren mit dem Hersteller Novartis ist mehr als unbefriedigend", sagte die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Langner, am Donnerstag in Kiel. Das Ministerium stehe im Austausch mit den verantwortlichen Akteuren, um notwendige Konsequenzen zu beraten, sagte sie. Der Sozialausschuss des Kieler Landtags hatte zuvor über das Thema diskutiert. Dass Novartis dabei fehlte, wurde als "Affront" gewertet.

"Was in diesem Jahr bei der Grippeschutzimpfung passiert ist, darf sich nicht wiederholen", mahnte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Marret Bohn. "Wir fordern ein neues Verfahren." Die Landesregierung von SPD, Grünen und SSW solle sich auf Bundesebene für eine Überprüfung der aktuellen Praxis zur Beschaffung von saisonalen Impfstoffen einsetzen.

In Schleswig-Holstein hatte man – wie in anderen Ländern – nach einer gesetzlichen Neuregelung für 2012 erstmals eine Ausschreibung für Lieferanten gestartet. Im Norden lief dies unter Federführung der AOK, im Namen aller gesetzlichen Kassen. Den Zuschlag erhielt Novartis. Die Kassenärztliche Vereinigung des Landes sprach von einem "missglückten Experiment". Es sei zu befürchten, dass "nahezu ausschließlich ökonomische Fragen eine Rolle spielten, nicht aber medizinische". Die neue Regel habe den Praxistest nicht bestanden. Ärzte müssten wieder die Verantwortung für die Bestellung erhalten.

Novartis hatte unter anderem zu spät und zu wenig Grippeimpfstoff geliefert. Schließlich wurden noch Tausende Impfdosen vorsichtshalber zurückgerufen. Im Norden entstand dem Apothekerverband zufolge eine Versorgungslücke: Bisher seien rund 240 000 Dosen verteilt worden. Im vergangenen Herbst habe man rund 410 000 Dosen verimpft. Nach Angaben der AOK sollen in den kommenden Wochen von anderen Herstellern rund 150 000 Impfdosen nach Schleswig-Holstein geliefert werden. Zudem sei Impfstoff von Versandapotheken zu erwarten. "Dann kommen wir auch ohne Novartis auf den erforderlichen Bedarf", sagte ein AOK-Sprecher.

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