08.11.12

Prozessbeginn

Tödliches Zugunglück: Landwirt bedauert "tragischen Unfall"

Der Mann war für die Rinderherde verantwortlich, die Anfang des Jahres einen Zug der NOB zum Entgleisen brachte. Ein Mensch starb.

Foto: dpa
Prozessbeginn nach Zugunglück in Nordfriesland
Durch die Rinderherde des Landwirts ist die Nord-Ostsee-Bahn auf der Strecke zwischen Sylt und Hamburg entgleist. Der Mann steht nun vor Gericht

Niebüll. Zehn Monate nach dem Zugunglück von Bargum mit einem Toten hat vor dem Niebüller Amtsgericht die Aufarbeitung des tragischen Geschehens begonnen. Verantworten muss sich ein 61 Jahre alter Landwirt, der für eine Rinderherde verantwortlich war, die Anfang Januar einen Zug der Nord-Ostsee-Bahn zum Entgleisen brachte. Er ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Zum Prozessauftakt am Donnerstag bezeichnete er die Ereignisse als "sehr sehr tragisch". Ein Fahrgast wurde aus dem Zug geschleudert und starb noch an der Unfallstelle.

Zum Beginn seiner Aussage rang der Landwirt um Worte. "Es tut uns leid, dass das so passiert ist", sagte er schließlich. "Wir wissen nicht, weshalb und warum." Der Stall sei regelmäßig von der Berufsgenossenschaft überprüft worden. Nie sei etwas beanstandet worden. Kurz vor dem Unglück sei noch alles in Ordnung gewesen.

Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass der 61-Jährigedie Rinderherde nicht ausreichend sicher untergebracht hat. Aus diesem Grund hätten die Tiere auf die nur 70 Meter entfernten Bahngleise gelangen können. Dort raste mit 125 Stundenkilometern der NOB-Zug heran. Am Tag des Unglücks seien die Fressgitter und auch die Stalltür offen gewesen. Der Eigentümer der Herde hatte die 28 Jungrinder laut Staatsanwaltschaft bei dem 61-Jährigen zur Pflege und Versorgung gegen Entgelt abgegeben.

Der Schließmechanismus der Fressgitter sei vor etwa 20 Jahren von einem Schlosser gebaut worden, sagte der Angeklagte. In einem Gutachten sei allerdings von nachträglichen Veränderungen "Marke Eigenbau" die Rede, sagte der Staatsanwalt. Demnach habe es keine feste Verbindung zwischen Pfosten und Fressgitter gegeben. Der 61-Jährige beteuerte, bis auf eine Erneuerung der Gitter vor etwa 15 Jahren seien ihm keine Veränderungen bekannt.

Der Landwirt steht nicht nur in diesem Prozess unter Druck: Wie sein Verteidiger sagte, gebe es Forderungen in Höhe von etwa drei Millionen Euro gegen den 61-Jährigen, unter anderem wegen des zerstörten Zuges und der Gleis- und Bergungsarbeiten. "Die Versicherung deckt die Schadenshöhe bei Weitem nicht ab. Das ist für ihn eine ganz existenzielle Frage." Im weiteren Verhandlungsverlauf sollen Zeugen wie der Halter der Herde gehört werden. Mit einem Termin wird nicht vor Februar gerechnet.

dpa
Multimedia

Januar 2012: NOB-Zug verünglückt

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. AuslandNato-KonfrontationRaketen, Jets, Radarstationen – wie Moskau aufrüstet
  2. 2. DeutschlandVerkehrsabgabeDie Pkw-Maut kommt – aber ganz anders als gedacht
  3. 3. WirtschaftUntreue-ProzessTop-Manager Middelhoff droht jetzt der Knast
  4. 4. KommentareIslamismusMuslime, distanziert Euch endlich vom IS!
  5. 5. AuslandKampf gegen ISPeschmerga-Einheiten verstärken Kobani-Verteidiger
Top Video Alle Videos
Britta ErnstBrightcove Videos

Die Sozialdemokratin Britta Ernst ist neue Bildungsministerin in Schleswig-Holstein. Die Ehefrau des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz tritt damit die Nachfolge von Waltraud Wende an. Diese war Aufgru…mehr »

Top Bildergalerien mehr
DFB-Pokal

HSV-Fan attackiert Franck Ribéry

Hamburger Sprayer

Diese "Oz"-Bilder sind noch zu verkaufen

Architektur

Das sind Hamburgs "Bauwerke des Jahres"

Winterhude

Stanislawski und Laas eröffnen Supermarkt

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr