Prozessbeginn Tödliches Zugunglück: Landwirt bedauert "tragischen Unfall"

Foto: dpa

Der Mann war für die Rinderherde verantwortlich, die Anfang des Jahres einen Zug der NOB zum Entgleisen brachte. Ein Mensch starb.

Niebüll. Zehn Monate nach dem Zugunglück von Bargum mit einem Toten hat vor dem Niebüller Amtsgericht die Aufarbeitung des tragischen Geschehens begonnen. Verantworten muss sich ein 61 Jahre alter Landwirt, der für eine Rinderherde verantwortlich war, die Anfang Januar einen Zug der Nord-Ostsee-Bahn zum Entgleisen brachte. Er ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Zum Prozessauftakt am Donnerstag bezeichnete er die Ereignisse als "sehr sehr tragisch". Ein Fahrgast wurde aus dem Zug geschleudert und starb noch an der Unfallstelle.

Zum Beginn seiner Aussage rang der Landwirt um Worte. "Es tut uns leid, dass das so passiert ist", sagte er schließlich. "Wir wissen nicht, weshalb und warum." Der Stall sei regelmäßig von der Berufsgenossenschaft überprüft worden. Nie sei etwas beanstandet worden. Kurz vor dem Unglück sei noch alles in Ordnung gewesen.

Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass der 61-Jährigedie Rinderherde nicht ausreichend sicher untergebracht hat. Aus diesem Grund hätten die Tiere auf die nur 70 Meter entfernten Bahngleise gelangen können. Dort raste mit 125 Stundenkilometern der NOB-Zug heran. Am Tag des Unglücks seien die Fressgitter und auch die Stalltür offen gewesen. Der Eigentümer der Herde hatte die 28 Jungrinder laut Staatsanwaltschaft bei dem 61-Jährigen zur Pflege und Versorgung gegen Entgelt abgegeben.

Der Schließmechanismus der Fressgitter sei vor etwa 20 Jahren von einem Schlosser gebaut worden, sagte der Angeklagte. In einem Gutachten sei allerdings von nachträglichen Veränderungen "Marke Eigenbau" die Rede, sagte der Staatsanwalt. Demnach habe es keine feste Verbindung zwischen Pfosten und Fressgitter gegeben. Der 61-Jährige beteuerte, bis auf eine Erneuerung der Gitter vor etwa 15 Jahren seien ihm keine Veränderungen bekannt.

Der Landwirt steht nicht nur in diesem Prozess unter Druck: Wie sein Verteidiger sagte, gebe es Forderungen in Höhe von etwa drei Millionen Euro gegen den 61-Jährigen, unter anderem wegen des zerstörten Zuges und der Gleis- und Bergungsarbeiten. "Die Versicherung deckt die Schadenshöhe bei Weitem nicht ab. Das ist für ihn eine ganz existenzielle Frage." Im weiteren Verhandlungsverlauf sollen Zeugen wie der Halter der Herde gehört werden. Mit einem Termin wird nicht vor Februar gerechnet.