Pinneberg
Rallyesport

Für den guten Zweck: Im Ford Transit geht's nach Gambia

Birgit Bartsch (l., 49) aus Tornesch und die Lutzhornerin Svea Gustafsen (57) bilden das Rallyeteam "Der echte Norden" und sind mitten in der Planung für ihren Start bei der Charitiy-Rallye Dresden-Dakar-Banjul. Diese soll sie über 7000 Kilometer in die westafrikanische Hauptstadt Banjul führen...

Foto: Der echte Norden

Birgit Bartsch (l., 49) aus Tornesch und die Lutzhornerin Svea Gustafsen (57) bilden das Rallyeteam "Der echte Norden" und sind mitten in der Planung für ihren Start bei der Charitiy-Rallye Dresden-Dakar-Banjul. Diese soll sie über 7000 Kilometer in die westafrikanische Hauptstadt Banjul führen...

Svea Gustafsen und Birgit Bartsch starten als "Der echte Norden" bei Benefiz-Rallye von Dresden nach Westafrika.

Lutzhorn/Tornesch.  Kurz vor dem Jahreswechsel 2016 kam es zu einer schicksalhaften Begegnung. Beim Abend­essen, zu dem eine gemeinsame Freundin eingeladen hatte, lernten sich Svea Gustafsen (57) aus Lutzhorn und die Tornescherin Birgit Bartsch (49) kennen. Gustafsen hatte Berichte über die Charity-Rallye Dresden-Banjul gelesen, wollte mitfahren und suchte noch eine Beifahrerin. Die Chemie stimmte sofort, Bartsch sagte zu. "Ein echter Glücksfall. Ich wollte gern eine Frau dabei haben. Mit Männern kann es schon komplizierter werden und auch mal Machtspielchen geben", sagt die freischaffende Künstlerin und lacht.

Am 3. März 2017 startet für die Reisefans ihr bislang größtes Abenteuer. Los geht es von Barmstedt aus – der Startort Dresden ist kein Muss. Fred Freyermuth (51), Leiter der Stadtwerke Barmstedt, hat die etwa 7000 Kilometer lange Strecke 2011 und im März 2016 hinter sich gebracht. Nun stellt er den Rallye-Neulingen einen Ford Transit aus dem eigenen Fuhrpark zur Verfügung. "Der Transporter ist 15 Jahre alt, hat gut 200.000 Kilometer runter und war bis zuletzt zuverlässig bei uns im Einsatz. Die hier ausrangierten Autos helfen dort, ganze Existenzen zu sichern", erklärt er. Schließlich werden die Fahrzeuge der Rallye-Teilnehmer in der gambischen Hauptstadt Banjul versteigert. Die Erlöse – insgesamt sind es in zwei durchgeführten Rallyes pro Jahr über 150.000 Euro – kommen Hilfsorganisationen vor Ort zu Gute. Gerade große Gefährte sind beliebt, da sie zum Beispiel als Taxi benutzt werden können.

Bei der Veranstaltung zählen nicht Geschwindigkeit und Zeit, es geht um den guten Zweck und das Kennenlernen von Ländern und Kulturen. "Aber fahrerisches Können ist gefordert. Wir wollen ja nicht im Sand steckenbleiben", sagt Svea Gustafsen. Sponsoren können Werbung auf dem Auto platzieren, teilweise transportieren die Fahrer auch Hilfsgüter direkt in eines der bedürftigsten Länder der Welt – 60 Prozent der Bevölkerung Gambias werden als arm eingestuft. Die Meierei Horst spendet Geld, um ein Milchkuh-Projekt in Gambia zu realisieren. Die Suche nach weiteren Sponsoren läuft fürs Team "Der echte Norden" auf Hochtouren.

Auf die beiden Damen aus dem Kreis Pinneberg warten jede Menge Staub und in den 20 Tagen teilweise extreme klimatische Verhältnisse. "Vor allen Dingen körperlich ist die Tour sehr anstrengend, auch, weil man meist im Auto schläft", sagt Freyermuth.

Am 8. März gibt es das erste Pflichttreffen der Fahrer in Algeciras (Spanien), bevor es dann auf marrokanischem Gebiet weitergeht. Beide wechseln sich am Steuer ab. Die bessere Autofahrerin ist bislang nicht ermittelt. "Generell kümmere ich mich mehr um Sachen am Auto, bin quasi die ,Auto-Tante' – Svea kann gut navigieren und hält die Eindrücke der Tour in Bild und Wort fest", sagt Bartsch. Über Marokko geht es nach Mauretanien.

"In der Sahara sollte man den Reifendruck auf 0,5 bar einstellen. Dann ist die Gefahr von Reifenschäden etwas geringer. Aber so zwei Ersatzreifen muss man schon mitnehmen", sagt der rallye-erprobte Fred Freyermuth. Wüsten-Guides helfen, die richtigen Wege einzuschlagen. Über den Senegal erreichen Bartsch und Gustafsen schließlich am 23. März 2017 die gambische Hauptstadt. "Natürlich haben wir Respekt vor der Aufgabe. Aber keine Angst. Generell finde ich, dass gerade Frauen mehr Mut haben sollten, zu solchen Abenteuern aufzubrechen", sagt Gustafsen.

Schon 1980 durchquerte sie mit dem Auto die Sahara, die Sehnsucht nach dem afrikanischen Kontinent blieb. Bartsch, ausgebildete Krankenschwester und nun arbeitsmedizinische Assistentin, plante einst, in afrikanischen Entwicklungsländern zu arbeiten, konnte dieses Vorhaben jedoch nie umsetzen. Nun wird die Hilfe eben in 20 Tagen nach Gambia transportiert...

www.rallyeteam-der-echte-norden.de

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