Pinneberg
Denkmalpflege

Kreis Pinneberg bekommt neue Denkmäler

Die neue Kreisdenkmalpflegerin Antje Metzner vor der Jugendbildungsstätte in Barmstedt

Foto: Kreis Pinneberg / HA

Die neue Kreisdenkmalpflegerin Antje Metzner vor der Jugendbildungsstätte in Barmstedt

469 Objekte sind in der engeren Wahl – darunter auch die 1914 erbaute Jugendbildungsstätte in der Stadt Barmstedt.

Kreis Pinneberg.  Es war eine Sisyphusarbeit: Drei Jahre lang haben sieben Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege gebraucht, um die 1100 einfachen Kulturdenkmäler im Kreis Pinneberg zu sichten und zu bewerten. Jetzt muss entschieden werden, ob sie künftig als schützenswerte Objekte gelten und damit den gleichen Status wie die 530 besonderen Kulturdenkmäler erhalten sollen.

Hintergrund ist eine Änderung des Denkmalschutzgesetzes, die zum
30. Januar 2015 in Kraft trat und einen einheitlichen Denkmalbegriff zum Ziel hat. Als Folge fällt der Begriff "Einfaches Kulturdenkmal" weg. 16.000 Objekte fielen landesweit unter diese Kategorie, darunter 1100 im Kreis Pinneberg. "Nur einen Teil davon haben wir bei der Überprüfung noch vorgefunden", sagt Landeskonservator Michael Paarmann. Die anderen seien entweder abgerissen oder derart baulich verändert worden, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen waren.

Ein Schwund von mehr als 50 Prozent – dieser war auch landesweit zu beklagen und schon zu Beginn des Inventarisierungsprojektes prognostiziert worden. Paarmann bezeichnet ihn als schmerzlich, weil "gerade die weniger spektakulären, aber besonders landschafts- und ortstypischen Gebäude und Ensembles von diesem Verlust stark betroffen sind."

Von den im Kreis Pinneberg noch vorgefundenen Objekten sind laut dem Landesamt 469 in die engere Wahl gekommen. Dabei handele es sich sowohl um Einzelhäuser, Höfe und Ensembles, Industrie- und auch Gartenanlagen. "Jetzt wird es die nächsten Monate darum gehen, die Objekte mit besonderem Wert herauszufiltern", erläutert Paarmann.

Die Kreisverwaltung hat bereits Kenntnis davon erhalten, dass die von 1914 bis 1916 erbaute Jugendbildungsstätte in Barmstedt in die engere Wahl zum besonderen Kulturdenkmal gekommen ist. Bisher war die Anlage als einfaches Denkmal gelistet. 1916 eröffnete in den Räumen ein Krankenhaus, das bis Juli 1983 betrieben wurde – zuletzt unter der Regie des Kreises Pinneberg.

Nach fünfjähriger Umbauzeit wurde im März 1989 aus dem ehemaligen Krankenhaus der Grafschaft Rantzau die Jugendbildungsstätte, die zuletzt 2011 für 2,5 Millionen Euro renoviert wurde. Die neue Kreisdenkmalpflegerin Antje Metzner begrüßt die Aufwertung des Victor-Andersen-Hauses – die Jugendbildungsstätte ist nach dem Uetersener Sozialdemokraten benannt, der 1947 den Kreisjugendring (KJR) ins Leben rief –, was den Denkmalschutzstatus angeht. Gleichzeitig bedauert Metzner, die am 1. Juli 2016 die Nachfolge der langjährigen Denkmalpflegerin Annelie Fesser angetreten hat, dass so viele einfache Kulturdenkmäler in den vergangenen Jahrzehnten vernichtet worden sind. "Ich gehe davon aus, dass viele der sogenannten einfachen Denkmäler in der neuen Liste nicht mehr enthalten sein werden. Ich vertraue aber völlig dem Fachwissen und der jahrzehntelangen Erfahrung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und erwarte gespannt die abschließende Bewertung aus Kiel."

Die wird noch ein wenig auf sich warten lassen. Das Landesamt für Denkmalpflege hat dazu ein neues, auf drei Jahre angelegtes Projekt unter dem Titel "Denkmalliste Schleswig-Holstein" ins Leben gerufen. Es soll die Bewertung der Inventarisierungsergebnisse abschließen und die Denkmaleigentümer über die neue Bewertung ihres Eigentums in Kenntnis setzen. Am Ende soll dann eine für alle Bürger verbindliche Denkmalliste im Internet verfügbar sein, die regelmäßig aktualisiert wird.

Aus Sicht des Landesamtes hat sich das neue Denkmalschutzgesetz bewährt und Transparenz sowie Klarheit gebracht. In der Kieler Behörde sind die Mitarbeiter stolz darauf, dass es in den vergangenen zweieinhalb Jahren zu keinem Klageverfahren aufgrund einer Neubenachrichtigung gekommen ist. Paarmann: "Das ist sicher auf die umfassenden Informationen zurückzuführen, die auch zukünftig jedem Benachrichtigungsschreiben hinzugefügt werden sollen."

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