Pinneberg
Wedel

Wie Künstler Jorge Rando die Passion sieht

Jorge Rando, 64, hat auch Bilder aus seinem Passionszyklus mit nach Wedel gebracht

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Jorge Rando, 64, hat auch Bilder aus seinem Passionszyklus mit nach Wedel gebracht

Spaniens führender Neoexpressionist stellt seine Werke von Sonntag, 13. März, an im Ernst Barlach Museum in Wedel aus.

Wedel.  Den guten Kontakten der Ausstellungsmacher des Ernst Barlach Museums ist es zu verdanken, dass Jorge Rando ab Sonntag, 13. März, seine Werke in Wedel ausstellt. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des spanischen Neoexpressionismus. Professor Robert Lucander von der Universität der Künste Berlin habe den Kontakt hergestellt, sagt Museums-Geschäftsführerin Heike Stockhaus. Damit kann die Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg den Dialog mit internationalen Künstlern fortsetzen. Die Schau "Jorge Rando Passion" wird um 17 Uhr mit einer Vernissage eröffnet.

120 Ölgemälde und Aquarelle sind zu sehen. Neben großformatigen Gemälden werden zu Gruppen zusammengefasste kleinere Bilder präsentiert. Bei der Entstehung arbeitet Rando konträr zu vielen anderen Künstlern. Erst entstehen bei ihm die großformatigen Werke. Dann nutzt er die kleinen Formate, um Details herauszuarbeiten.

Stillleben und Landschaften gehören zu den bevorzugten Motiven Randos. Für Heike Stockhaus lassen "die Blumen das Licht der Welt leuchten", und die Landschaften zeichnet eine starke Figürlichkeit aus. Etwas Besonderes stellen seine sogenannten vertikalen Bilder dar. Sie zeigen, so Heike Stockhaus, dass es für Rando einen Schöpfer der Welt gibt.

Seine Religiosität spiegelt sich auch in den Passionsbildern wider. In einem Zyklus hat er sich dem Leiden Jesu künstlerisch gewidmet. Von Interesse war für ihn nicht die Religion, sondern der Mensch. Ursprünglich wollte Heike Stockhaus die Passionsbilder gar nicht ausstellen. Doch der Künstler drang darauf, und die Bilder passten auch zum bevorstehenden Osterfest. Zudem sieht die Kuratorin einen Bezug zur aktuellen Flüchtlingsdiskussion. Die ist auch in den Bildern zu finden, die sich im Raum neben dem Passionszyklus befindet. Sie entstanden bereits in den 80er-Jahren als Reaktionen auf Reisen nach Afrika. Krieg, Gewalt und Flucht werden darin ebenso thematisiert wie die Ausbeutung der Natur.

Einen weiteren Schwerpunkt der Wedeler Ausstellung bildet Randos Zyklus über Prostitution. Seltsam deformierte Frauenkörper hat er gemalt, die jedoch Würde ausstrahlen. Ein Video rundet die Ausstellung ab, das den Künstler bei einer ungewöhnlichen Arbeit zeigt: Bilder aus dem Prostitutionszyklus sollten in New York gezeigt werden. Die hingen jedoch im Zoll fest, und es war klar, dass sie nicht rechtzeitig zur Vernissage zur Verfügung stehen würden. Kurzerhand malte Rando sie noch einmal, und zwar auf die Wände der Ausstellungsräume.

Der politische und gesellschaftliche Weg Spaniens findet auch in der Kunst Niederschlag. Juden, Christen und Moslems haben das Land geprägt. In den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts galt Spanien als "Labor" für linke und anarchistische Ideen. Das Franco-Regime beendete diese Blütezeit und trieb Intellektuelle und Künstler ins Exil. Folge: In Spanien kam der Expressionismus kaum an. Die Entwicklung der Moderne verläuft gebrochen.

Der 1941 geborene Rando sorgt mit seinen Arbeiten für eine Revitalisierung des Expressionsismus in Spanien. Dabei bezieht er sich auf Klassiker der Malerei seines Landes wie El Greco und Goya. Beeinflusst ist Rando auch von den deutschen Expressionisten, etwa Emil Nolde. Die hat er in deren Heimat studieren können. Ursprünglich wollte Rando nach seiner Universitätsausbildung in Hamburg sesshaft werden. Allerdings fuhr der Zug über Köln. Dort stieg er aus, besichtigte den Dom – und beschloss, nicht weiterzufahren. Allerdings hat der Künstler seine alte Idee mittlerweile wieder aufgenommen. Er lebt in Malaga, unterhält aber in Hamburg Wohnung und Atelier.

Die Vernissage am Sonntag wird mit der Vergabe des Ernst-Barlach-Preises an Jorge Rando verbunden. Die Laudatio hält Professor Lucander.

Das Barlach Museum, Mühlenstraße 1, in Wedel ist montags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Die Rando-Ausstellung endet am 19. Juni.

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