Pinneberg
Pinneberg

Ein tierisch interessanter Reiseführer

Neugierig beobachtet das Walross in Hagenbecks Tierpark Dugong-Handpuppe Dilhan und Inga Marie Ramcke

Foto: Wolfgang Klietz

Neugierig beobachtet das Walross in Hagenbecks Tierpark Dugong-Handpuppe Dilhan und Inga Marie Ramcke

Autorin Inga Marie Ramcke und Illustratorin Tonia Wiatrowski haben einen "Reiseführer für Tiere" geschrieben. Lesung in Pinneberg.

Pinneberg.  Dilhan hat viele prominente Fans. Der Publizist Henryk M. Broder gehört dazu, TV-Moderatorin Enie van de Meiklokjes und der österreichische Kanzleramtsminister Josef Ostermayer. Die graue Handpuppe mit der Form eines Dugongs – andere sagen Gabelschwanzseekuh oder gar Seeschwein – ist inzwischen auch bei Facebook mit einer eigenen Seite vertreten und macht als Maskottchen munter Werbung für ein neues Kinderbuch, das vor wenigen Wochen erschienen ist. Dilhans Stimme ist Inga Marie Ramcke, die als Autorin gemeinsam mit Illustratorin Tonia Wiatrowski einen "Reiseführer für Tiere" publiziert hat.

"Tiere unterwegs – von Ameise bis Zugvogel"

"Handpuppen kommen gut an", sagt die in Appen aufgewachsene und mittlerweile in Hamburg lebende 35-Jährige, die zurzeit an ihrer Promotion arbeitet. "Vermittlungsmöglichkeiten von Inhalten im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung durch Handpuppen an Grundschüler", heißt der Titel der Arbeit. Doktorvater Olav Hohmeyer, Professor für Energie- und Ressourcenwirtschaft in Flensburg, gehörte 2007 als einziger Deutscher dem UN-Klimarat an, der den Friedensnobelpreis erhielt.

"Tiere unterwegs – von Ameise bis Zugvogel" lautet der etwas weniger komplexe Untertitel von Ramckes Buch, das mit liebevoll gestalteten Zeichnungen, anschaulichen Grafiken und wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Reisen von Tieren erzählt und auch als Vorlesebuch geeignet ist. Dilhan und zahlreiche reisende Freunde schmücken das Coverbild. Jedes Tier sagt dem Leser in seiner "Landessprache" Hallo. Küstenseeschwalbe Naja grüßt von Grönland mit einem herzlichen Aluu. Olà sagt der Regenbogentukan aus Mexiko.

Die Fachfrau für den pädagogischen Einsatz von Handpuppen und die Buchillustratorin hatten sich vor einem Jahr auf einer Feier kennengelernt und waren sich schnell einig, gemeinsam an einem Konzept zu arbeiten. Mit Biologie und Tourismus kennt sich Inga Marie Ramcke aus. "Das sprach alles für einen Reiseführer", sagt sie.

Routen, Sprache, Klima – alles ist im Buch zu finden

In ihrem Buch gehen die Tiere auf Reisen mit allen Informationen, die dazu gehören: Routen, Sprachen, Klima, landestypische Kost und Reisewarnungen. Wer als Wanderlibelle von Indien nach Madagaskar fliegt, sollte sich zum Beispiel vor Blauracken in acht nehmen. Die Vögel fressen gern Insekten.

Die Tiere vergeben auch Sternchen für besonderen Komfort. Dugong Dilhan freut sich im Meer sehr über Ankerleinen, die er zum Rückenkratzen und als Zahnseide benutzen kann. Dafür gibt es fünf Sterne. Und nebenbei erfahren die jungen Leser außerdem, dass Dilhans Heimat, die Kokosinseln, mit ihren 550 Einwohnern zu Australien gehören.

Inga Marie Ramcke hat jedes Detail penibel recherchiert. Vermutlich gehört ihr Kinderbuch zu denen mit den meisten Literaturhinweisen. 25 Wissenschaftler aus Japan, Dänemark, den USA und diversen anderen Ländern hat sie für die Recherchen angeschrieben, 140 Biologieartikel und Doktorarbeiten gelesen und sich intensiv um Fotos gekümmert. Um an ein Foto vom Dugong am Ankertau zu kommen, hat sich die Autorin von der australischen Regierung über den Gebietsgouverneur bis zu einer Biologin durchgefragt, die auch als Unterwasserfotografin arbeitet. Fotos von Pandababys, die ein bisschen wie Hamster aussehen, kamen direkt aus China. Das Bild von der Frucht Croton, die bei Elefanten beliebt ist, trieb die Autorin in Sambia auf. Bei manchen Details musste Illustratorin Tonia Wiatrowski mit ihren Zeichenutensilien aushelfen. Fotos vom Samenkäfer waren einfach nicht zu bekommen.

Verlag antwortete drei Stunden nach Bewerbung

"Der Rechercheaufwand für das Buch war sehr groß", berichtet Inga Marie Ramcke. Einen Verlag zu finden, war für die beiden Buchmacherinnen kein Problem. Der österreichische Folio-Verlag sagte blitzschnell nach der Anfrage zu. "Das ist das beste Konzept, das ich in 20 Jahren bekommen habe", sagte der Verlagsleiter, der das Buch pünktlich zur Frankfurter Buchmesse präsentierte. Seitdem ist es im deutschen Buchhandel für 19,90 Euro erhältlich.

Damit sich das 128 Seiten starke Werk gut verkauft, ist Maskottchen Dilhan ständig unterwegs. Vor Kurzem war er mit Inga Marie Ramcke in Hagenbecks Tierpark zu Gast. Demnächst wird er die Autorin bei mehreren Lesungen begleiten.

Entstanden ist die Handpuppe bei den Profis der Fabula-Filmpuppen in Idstedt bei Flensburg. Dort kamen bereits Uli von Bödefeld aus der Sesamstraße und einige Freunde von "Bernd, das Brot" zur Welt. Während ihres Praktikums hat Inga Marie Ramcke den Dugong selbst hergestellt. Wer über Handpuppen promoviert, sollte alles über ihr Innenleben wissen.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.