Pinneberg
16.01.13

Schüler machen Zeitung

Leben mit Rheuma: "Jeden Tag habe ich Schmerzen"

Lisa, 14, ist seit ihrem dritten Lebensjahr an Rheuma erkrankt. Sie versucht, trotz ihrer Krankheit ein ganz normales Leben zu führen.

Von Lisa Schroettke
Foto: Kinder-Rheumastiftung
Die Massage mit dem Igelball soll Verspannungen in der Muskulatur lösen und die Schmerzen von Rheumapatienten lindern
Die Massage mit dem Igelball soll Verspannungen in der Muskulatur lösen und die Schmerzen von Rheumapatienten lindern

Der Wecker klingelt. Es ist 6 Uhr. Ich stehe auf. Meine Knie tun weh, aber ich kann es noch aushalten. Ich wasche mich und ziehe mich an. Beim Treppensteigen tun meine Knie ein bisschen mehr weh. Ich nehme den täglichen Medikamentencocktail ein, darunter Schmerzmittel in einer sehr hohen Dosis.

Ich heiße Lisa Schroettke und bin 14 Jahre alt. Seit meinem dritten Lebensjahr bin ich an Rheuma erkrankt. Meine Knie und meine Augen sind betroffen. Beim Fahrradfahren werden die Schmerzen stärker. In der Schule angekommen, nehme ich meinen Rucksack und meine Sporttasche. In der ersten Doppelstunde ist der Sportunterricht. Mein Rucksack ist nicht so schwer wie der meiner Mitschüler. Ich habe die Schulbücher doppelt, zum Beispiel ein Englischbuch in der Schule und eins Zuhause, damit ich nicht so viel schleppen muss und das Gewicht nicht so auf meine Knie drückt.

Beim Sportunterricht kann ich nur eine halbe Stunde mitmachen. Auch wenn die Schmerzmittel ein bisschen helfen, muss ich aufhören.

Für meine Klassenkameraden und mich ist es schon Normalität, dass ich nicht die ganze Sportstunde mitmachen kann. Ich versuche trotzdem jedes Mal, die Tränen zu unterdrücken, wenn ich meinen Freunden beim Sport zusehen muss. Es ist einfach ungerecht, dass ich die Einzige aus meinem Jahrgang bin, die keinen Sport machen kann. Jeden Tag habe ich Schmerzen, auch die ganze Nacht. Viele fragen mich immer, ob ich die Schmerzen beschreiben kann. Manchmal versuche ich es, aber ein Außenstehender kann es sich nicht vorstellen. Ich hasse es, immer eine Extrawurst zu brauchen. Früher haben mich meine Klassenkameraden damit aufgezogen, aber jetzt akzeptieren sie mich so wie ich bin. An manchen Tagen bin ich ganz fröhlich und manchmal könnte ich den ganzen Tag lang weinen. In diesen Momenten frage ich mich: Warum ich? Warum kann nicht jemand anderes diese Schmerzen haben? Ich weiß nicht, was ich ohne meine Freunde und meine Mutter machen würde, weil sie mich immer wieder aufbauen.

Der Sportunterricht ist vorbei. Den Rest des Schultages muss ich nur sitzen und meine Schmerzen sind "normal" geworden. Bei Schulschluss fahre ich wieder mit dem Fahrrad nach Hause. Am Nachmittag muss ich zum Arzt. Meine Freunde haben sich bereits in der Schule verabredet und treffen sich gerade während ich beim Arzt sitze und warte. Sie können alle Sportarten machen und ausprobieren, die sie möchten, nur ich nicht. Ich habe mir vorgenommen, wenn ich ohne Schmerzen bin, dann will ich wieder anfangen zu reiten, Hip Hop zu tanzen und Squash zu spielen.

Nachdem bei mir Rheuma diagnostiziert wurde und ich sofort die richtigen Medikamente bekam, gingen die Schmerzen zunächst schnell weg. Meine Mutter engagiert sich seitdem in der Hamburger Elterninitiative rheumakranker Kinder e.V. und ist Mitglied im Vorstand. Sechs bis sieben Jahre hatte ich keine Knieschmerzen. Am Ende der vierten Klasse fingen sie aber wieder an. In den vergangenen drei Jahren hatte ich etliche Arztbesuche bei meinem Kinderrheumatologen. Leider hat er dieses Mal das Rheuma nicht erkannt. Es folgten unter anderem eine Schmerz-Diät (ich durfte zum Beispiel nichts Süßes, nur Zartbitterschokolade, essen.), etliche Schmerzmittelspritzen in die Knie und zwei Krankenhausaufenthalte. Meine Schmerzen wurden immer stärker. Nach drei Jahren wechselte ich den Rheumatologen. Jetzt ging alles sehr schnell. Der Neue stellte fest, dass ich nicht nur Rheuma in den Knien, sondern auch im Kiefer und ganz schlimm in den Füßen habe. Wo ich, Gott sei Dank, bisher keine Schmerzen spüre.

Ich muss mir Medikamente spritzen, die jetzt auch schon ein bisschen angeschlagen haben. Bei einer Operation wurde mein linkes Knie gespiegelt. Dafür werden zwei Löcher unterhalb der Kniescheibe gemacht und in das erste wird eine Kamera und in das zweite das Werkzeug herein geschoben. Bei mir fanden sie hinter der Kniescheibe Schleimhaut, die sich durch die jahrelange Entzündung gebildet hatte. Sie hat Nerven und kann die Schmerzen verursacht haben.

Jetzt muss ich sechs bis acht Wochen darauf warten, dass es besser wird. Wenn ich links dann keine Schmerzen mehr habe, wird das rechte Knie auch noch gespiegelt. Hoffentlich habe ich dann eines Tages gar keine Schmerzen mehr.

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