Pinneberg
12.01.13

Pinneberg

Das Brandhaus von Rellingen wird saniert

Die Gemeinde kündigt Konsequenzen an. Eine Silvesterrakete setzte das Reetdach eines Rellinger Mehrfamilienhauses in Brand.

Von Arne Kolarczyk
Foto: Arne Kolarczyk
Feuer Rellingen
Niels, Gudrun und Hans-Günther Reinke (v.l.), Kai Buerhoop, Bürgermeisterin Anja Radtke und Wehrführer Jürgen Timm vor dem beschädigten Gebäude

Rellingen. Die Rakete setzte in der Silvesternacht das Reetdach in Brand und machte in Rellingen sechs Bewohner eines Mehrfamilienhauses obdachlos. Ein Vorfall, der nicht hätte passieren dürfen: In einem 200-Meter-Radius rund um das betroffene Gebäude an der Dorfstraße herrscht ein Abbrennverbot für Feuerwerkskörper.

Zwölf Tage nach dem Vorfall kündigt Bürgermeisterin Anja Radtke Konsequenzen an. "Die Gemeinde muss sich besser aufstellen, wir müssen die Bürger stärker über die bestehenden Verbote informieren." Die Verwaltung hat inzwischen die Standorte aller Reetdachgebäude im Ort abgeglichen.

"Im Prinzip darf in ganz Rellingen-Ort keine einzige Rakete aufsteigen", sagt die Verwaltungschefin. Dieses Ausmaß habe auch sie überrascht, so Radtke weiter. Eine Verschärfung der Verbote sei daher nicht erforderlich. Sie kündigt an, in diesem Jahr rechtzeitig vor Silvester Postwurfsendungen an alle Haushalte zu versenden, in deren Umfeld ein entsprechendes Verbot besteht. "Viele wissen nicht, dass auch sie betroffen sind. Ich appelliere an die Vernunft der Rellinger Bürger, sich in diesem Jahr an das Verbot zu halten."

Darauf hofft auch Hans-Günther Reinke, der Eigentümer des Gebäudes an der Dorfstraße. "Mein Elternhaus wird genauso wieder aufgebaut - und zwar mit Reetdach", sagt er. Der Baumschuler hat bereits eine auf Brandsanierungen spezialisierte Firma beauftragt. "Mehrere Container voll Schutt sind schon entsorgt." Während das Haus äußerlich kaum beschädigt wirkt, sieht es im Innern anders aus. "Es muss total entkernt und neu aufgebaut werden." Auch ein Großteil des Dachs ist erneuerungsbedürftig. Reinke schätzt, dass eine Rückkehr seiner Mieter erst im letzten Quartal 2013 möglich sein wird.

Keine gute Nachricht für Kai Buerhoop. Er war mit seiner Lebensgefährtin erst im Februar 2012 in das Erdgeschoss des fast 200 Jahre alten Hauses gezogen. "Ich stand draußen im Garten und habe mir das Feuerwerk angeschaut." Der Neu-Rellinger ist technisch-wissenschaftlicher Berater für Flugsicherung - und Berufspessimist, wie er selbst sagt. "Ich beschäftige mich beruflich mit Risikoanalyse. Und als Bewohner eines Reetdachhauses hatte ich entschieden, sicherheitshalber vorher die Koffer zu packen." Auf diese Weise rettete er die wichtigsten Wertsachen aus Privat- und Berufsleben. "Trotzdem ist es schwer, nicht verbittert zu sein."

Seit der Brandnacht wohnen der Rellinger und seine Lebensgefährtin in einem Hotel. "Ob wir dort bleiben oder uns vorübergehend eine andere Wohnung suchen, ist noch nicht entschieden." Buerhoop will nach der Sanierung wieder in das Gebäude an der Dorfstraße einziehen. Und er hofft, zumindest Teile seines Hausrates wie etwa Geschirr und Kleidung weiter nutzen zu können. "Die Möbel standen kniehoch im Löschwasser, die sind alle hin."

Noch größerer Schaden ist in der Wohnung einer vierköpfigen Familie entstanden, die im Obergeschoss lebte. Die Eltern und die beiden kleinen Kinder wohnen erst einmal in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Rellingen, die ebenfalls Hans-Günther Reinke gehört. "Zum Glück ist die Wohnung gerade zum 1. Januar freigeworden", sagt Reinke. Ein Maler, der über ein Büro im Erdgeschoss des Brandhauses verfügte, suche noch ein Übergangsdomizil.

Reinke schätzt, dass die Sanierung seines Elternhauses deutlich mehr als eine halbe Million Euro kosten wird. Den Schaden reguliert die Gebäudeversicherung, die Mieter können ihre Hausratversicherung in Anspruch nehmen. "Ich bin so was von fertig, habe seit Silvester keine Nacht mehr geschlafen", sagt Reinke.

Er bedankt sich bei Rellingens Gemeindewehrführer Jürgen Timm für die Arbeit der ehrenamtlichen Kräfte von vier Ortswehren. "Ohne das schnelle Eingreifen der Feuerwehr wäre das Haus nicht mehr zu retten gewesen." Der Baumschuler lobt auch die Nachbarn, die in der Brandnacht die obdachlosen Bewohner aufnahmen und die Einsatzkräfte mit Essen und Trinken versorgten.

"Wir gehen weiterhin davon aus, dass eine Silvesterrakete das Feuer verursacht hat und ermitteln wegen fahrlässiger Brandstiftung", sagt Polizeisprecherin Sandra Mohr. Eine Spur zum Verursacher gebe es bisher nicht. Sollte der ermittelt werden, droht ihm ein Bußgeld in erheblicher Höhe. Außerdem müsste er für den angerichteten Schaden aufkommen.

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