Pinneberg
08.01.13

Kreis Pinneberg

Seit Jahresbeginn läuft der Kampf um den Schornstein

Das Kehrmonopol ist seit dem 1. Januar abgeschafft. Den Männern in Schwarz droht jetzt unliebsame Konkurrenz, die den Preis drücken könnte.

Von Arne Kolarczyk
Foto: pa/dpa Themendie/dpa Themendienst
Schornsteinfeger bei der Arbeit
Wer einem auf das Dach steigt und den Kamin kehrt, können Hauseigentümer seit Jahresbeginn selbst entscheiden

Kreis Pinneberg. Seit Beginn des neuen Jahres sind Schornsteinfeger keine Monopolisten mehr. Laut einer Neuregelung der Europäischen Union haben Hauseigentümer das Recht, ihren Schornsteinfeger frei zu wählen. Ein Wettbewerb in diesem Bereich soll zu einer Senkung der Gebühren führen.

Die Neuregelung besagt allerdings auch, dass der bisherige Bezirksschornsteinfeger - er heißt künftig bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger - weiterhin für die so genannten hoheitlichen Aufgaben zuständig bleibt. Ihm obliegt es, die regelmäßige Feuerstättenschau zu übernehmen und den Feuerstättenbescheid zu erstellen. Einen derartigen Bescheid sollten alle Haushalte im Kreis bis zum Jahresende 2012 erhalten haben.

Die Kehr- und Überprüfungsarbeiten wie etwa die Messung der Abgaswerte können seit 1. Januar auch andere erledigen - etwa freie Schornsteinfeger ohne Kehrbezirk, Kollegen aus anderen Kehrbezirken oder aus EU-Mitgliedsstaaten. Auch Heizungsfirmen können, sofern sie über dafür qualifiziertes Personal verfügen, derartige Dienstleistungen mit übernehmen.

Ist eine Überprüfung durch einen Fremdanbieter erfolgt, ist dies dem bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger zu melden. Er ist für den Eintrag in den Feuerstättenbescheid zuständig. Aus diesem ergibt sich auch, welche Kehrintervalle einzuhalten sind.

Klar, dass die einstigen Monopolisten weiterhin alle Tätigkeiten übernehmen möchten. "Natürlich will ich meine Kunden behalten. Ich möchte ja auch meinen Mitarbeiter weiter beschäftigen können", sagt Carsten Hansen aus Kölln-Reisiek, der unter anderem in Elmshorn einen Kehrbezirk betreut.

Laut der neuen Rechtslage ist der Hauseigentümer verpflichtet, sich selbst darum zu kümmern, dass die vorgeschriebenen Prüfintervalle für seine Feuerstätten und Abgasanlagen eingehalten werden. Kommt er dem nicht nach, kann das teuer werden. Es drohen Bußgelder bis zu 100 Euro.

Bisher kam der "Monopol-Schornsteinfeger" automatisch. Hansen behält dieses System in seinem Kehrbezirk bei und hofft, seine bisherigen Kunden auf diese Weise weiterhin an sich zu binden. "Wenn eine Überprüfung ansteht, melde ich mich wie immer an. Wenn der Kunde jemand anders haben will, dann gehe ich wieder." Hansens erstes Fazit: "Bisher bin ich noch nirgends weggeschickt worden."

Mit der Liberalisierung können Hausbesitzer künftig die Gebühren für die frei zu vergebenden Leistungen mit dem Kaminkehrer ihrer Wahl aushandeln. Bisher galt eine festgelegte Gebührenordnung. "Die Gebühren sind seit 2009 nicht mehr erhöht worden", so Hansen weiter. Einmal fegen kostete zuletzt 20 Euro plus Mehrwertsteuer. Die Kalkulation fußte darauf, dass der Schornsteinfeger von Haus zu Haus geht, die Kamine kehrt und die Heizungsanlagen überprüft. "Wir versuchen das auch heute noch so zu legen, es klappt aber immer weniger", sagt Hansen. Immer mehr Menschen seien tagsüber nicht mehr Zuhause, müssten separate Termine ausmachen. Das kostet den Schornsteinfegern Zeit und Geld. Und es dämpft den freien Wettbewerb.

"Kein Schornsteinfeger wird von Norderstedt nach Elmshorn fahren, um dort einen Kehrauftrag wahrzunehmen", sagt Guido Bumann, Vorsitzender von Haus & Grund in Elmshorn. Der Chef des Haus- und Grundeigentümervereins geht davon aus, dass der größte Teil der Hausbesitzer bei ihrem bisherigen Schornsteinfeger bleibt. "Ich vermute aber, dass die doppelte Überprüfung der Abgaswerte durch Heizungsbauer und Schornsteinfeger langfristig wegfällt." Diese Leistung könnten die Heizungs- und Sanitärfirmen übernehmen. Bumann: "Bisher gibt es aber kaum Firmen, die die dafür die notwendige Qualifikation aufweisen."

Bumann begrüßt die Neuregelung, weil die Eigentümer dadurch Entscheidungsspielräume gewinnen. "Aber es ergibt sich gleichzeitig ein hoher Grad an Verantwortung. Wer die Prüfintervalle nicht einhält, läuft Gefahr, im Falle eines Brandes haftungs- und versicherungstechnisch Probleme zu bekommen." Laut Bumann wissen viele Eigentümer noch zu wenig über die Neuregelung. Bumann: "Auch ist die Verunsicherung häufig noch groß." Der Haus- und Grundeigentümerverein habe alles getan, um seine Mitglieder aufzuklären. "In Elmshorn hatten wir vor einigen Wochen eine Informationsveranstaltung, zu der weit mehr als 100 Eigentümer gekommen sind."

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