Pinneberg
29.11.12

Pinneberg

Wedeler Kraftwerksgegner drohen mit Klage

Im Streit um die geplante Anlage in Wedel wehren sich Anwohner gegen beschleunigtes Verfahren. Sie fühlen sich verraten und verkauft.

Von Katy Krause
Foto: Katy Krause
Bürgerinitiativen aus Wedel und Hamburg wehren sich gegen das Projekt
Bürgerinitiativen aus Wedel und Hamburg wehren sich gegen das Projekt

Wedel. Eines machte Hanns-Christian Fricke gleich zu Beginn ganz deutlich: Wenn das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume dem von Vattenfall geplanten Gaskraftwerk seinen Segen gibt, dann wird geklagt. Der Jurist vertrat beim offiziellen Erörterungstermin die Bürgerinitiative "Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel", die nach eigenen Angaben etwa 200 Mitglieder umfasst. Viele von ihnen strömten gestern ins Vereinsheim des Wedeler Turn- und Sportvereins. Dorthin hatte die Genehmigungsbehörde mit Sitz in Flintbek die Kontrahenten im Streit um den geplanten Bau geladen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Kritik und ihre Anliegen vorzubringen.

Dabei waren nicht nur die Kraftwerksgegner gut vertreten, auch das Unternehmen Vattenfall hatte gleich 20 Vertreter entsandt, darunter Anwälte, Gutachter, Projektleiter und Ingenieure. Zusammen bemühten sie sich darum, die zahlreichen Kritiker von den Vorteilen des neuen Gaskraftwerks zu überzeugen. Moderner, effizienter und leiser sei die geplante Innovationsanlage am Tinsdaler Weg, die das in die Jahre gekommene Steinkohlekraftwerk ersetzen soll, versprach Karl Lüder. Der Ingenieur und bei Vattenfall zuständig für Genehmigungen erläuterte zu Beginn ausführlich das Projekt.

Das Unternehmen plant, bis Mitte 2016 in Wedel ein Gas- und Dampfturbinenheizkraftwerk zu errichten. Die Anlage soll das Ende der 50er-Jahre erbaute Steinkohlekraftwerk ersetzen und rund 180 000 Hamburger Haushalte mit Fernwärme versorgen. Zudem wird es zwischen 350 bis 470 Megawatt Strom erzeugen. Vattenfall würde bis zu 500 Millionen Euro in den Bau investieren. Lüders versprach den Gegnern: "Im Kern entspricht die neue Anlage der jetzigen. Das wird kein Megakraftwerk."

Die Kraftwerksgegner konnte er damit nicht überzeugen. Sie halten das Projekt für völlig konzeptlos und übers Knie gebrochen. Sie befürchten durch die Bauphase langjährige Lärm- sowie Staubbelastungen, und sie bemängelten zahlreiche Verfahrensfehler und eine schlechte Informationspolitik. Besonders die Wedeler Anwohner fühlen sich verraten und verkauft. Sauer stößt ihnen die Rolle der Stadt in dem Verfahren auf. Dabei geht es ihnen um den Bebauungsplan für das Areal an der Elbe. Es sei kein förmliches Bebauungsverfahren für das gesamte Gebiet eingeleitet worden, kritisierte Jurist Fricke im Namen seiner zahlreichen Mandanten. "Die Stadt hat Vattenfall damit einen Freifahrtschein gegeben", sagt Kerstin Lueckow, Anwohnerin und Mitglied in der Bürgerinitiative.

Aber es sind nicht nur Wedeler, die sich gegen den Kraftwerksbau vehement wehren. Auch auf Hamburger Seite wächst der Unmut. Unter den etwa 250 Besuchern des gestrigen Erörterungstermins waren auch viele Rissener. Zum Beispiel Ancke Witthoefft. Zornig wandte sie sich an die Genehmigungsbehörde (das schleswig-holsteinische Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume): "Höchstens zwei Prozent der Bewohner in Rissen wissen von den Kraftwerksplänen. Die Bürger wurden hier überhaupt nicht informiert. Das ist ein Unding."

Das Problem: Ab Ende August lagen die Unterlagen für das Genehmigungsverfahren für den Bau des Gaskraftwerks in Wedel aus. Allerdings nicht im benachbarten Bezirksamt Altona - obwohl nur einige hundert Meter vom Kraftwerksareal entfernt die Landesgrenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein verläuft. Bis zum 10. Oktober hatten Kritiker Zeit, ihre Einwände schriftlich einzubringen. Etwa 1600 Betroffene nutzen diese Möglichkeit. Es wären noch viel mehr gewesen, wenn auch die Hamburger Seite von den Plänen gewusst hätte, so der harte Vorwurf von Witthoefft. In Rissen werden die Anwohner nun in einer Informationsveranstaltung im Januar über die Pläne in Wedel informiert. Das Genehmigungsverfahren wird allerdings nicht neu aufgerollt, wie gestern deutlich wurde.

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