Pinneberg
12.11.12

Arbeitsmarkt

Konkurrenzkampf um Azubis in Pinneberg

Das Verhältnis von Bewerbern und Stellen auf dem Ausbildungsmarkt ändert sich in Pinneberg und Segeberg zugunsten der Jugendlichen.

Von Christine Weiser
Foto: Bernd-Olaf Struppek
Hardy Tempelmann (re.), Juniorchef der Pinneberger Firma Tempelmann, mit den Azubis Max Broscheit (li.) und Benjamin Schachtebeck
Hardy Tempelmann (re.), Juniorchef der Pinneberger Firma Tempelmann, mit den Azubis Max Broscheit (li.) und Benjamin Schachtebeck

Kreis Pinneberg. Für Jugendliche in der Region gibt es eine gute Nachricht. Ihre Chancen auf eine Lehrstelle in der Region sind hervorragend. Das geht aus dem Ausbildungsmarktbericht der Agentur für Arbeit Elmshorn hervor. Das Verhältnis von Bewerbern und Plätzen ist im Agenturbezirk, der die Kreise Segeberg und Pinneberg umfasst, nahezu ausgeglichen: 3330 junge Frauen und Männer bewarben sich 2011 um 3120 Ausbildungsplätze. Im Kreis Pinneberg kamen 1596 Bewerber auf 1582 Lehrstellen.

Was auf den ersten Blick auf eine recht gute Besetzungsquote schließen lässt, sieht auf den zweiten Blick ganz anders aus. Woran liegt es, dass zu Beginn des Ausbildungsjahres Plätze unbesetzt geblieben sind und Jugendliche ohne Lehrstelle dastehen? Nur 1643 Jugendliche begannen im September im Agenturbezirk eine reguläre Ausbildung, die nicht durch zusätzliche Unterstützungsangebote der Agentur für Arbeit gefördert wird. Mehr als 700 Schulabgänger entschieden sich nach der Berufsberatung dafür, ihre Schulkarriere fortzusetzen oder ein Studium aufzunehmen. Mehr als 500 weitere Jugendliche in speziellen Maßnahmen, wie Praktika und Einstiegsqualifizierung auf den Weg ins Berufsleben vorbereitet.

Im neuen Ausbildungsjahr blieben 179 Ausbildungsstellen unbesetzt. Nach Angaben der IHK Kiel verzeichnet knapp ein Fünftel der Betriebe in Schleswig-Holstein offene Ausbildungsstellen. "Von Arbeitgebern ist immer wieder zu hören, dass es den Bewerbern nicht nur an grundlegenden Kenntnissen in Deutsch und Mathematik fehlt, sondern auch Disziplin und Leistungsbereitschaft zu wünschen übrig lassen", sagt Gerold Melson, Sprecher der Agentur für Arbeit Elmshorn

Diese Erfahrung hat auch schon Petra Federmann gemacht, die seit zweieinhalb Jahren mit ihrem Mann den Lavastein-Grill in der Pinneberger Innenstadt betreibt. "Wir mussten uns von einem Auszubildenden trennen, weil es nicht geklappt hat", sagt die Imbiss-Chefin. Das nachlässige Verhalten des jungen Mannes, der häufiger zu spät kam oder ohne Erklärung fern blieb, sollte aber anderen nicht den Einstieg ins Berufsleben verbauen. "Wir müssen junge Leute unterstützen, auf eigenen Beinen zu stehen. Dafür brauchen sie eine Ausbildung", sagt Petra Federmann. Seit September ist Anna Ellerbrock Auszubildende zur Fachkraft im Gastgewerbe, wie es ganz korrekt heißt. Für die Elmshornerin war die Zusage ein Glücksfall. Eineinhalb Jahre hat die 18-Jährige einen Ausbildungsplatz gesucht. "Plötzlich ging es ganz schnell. Ich bekam einen Anruf von der Agentur für Arbeit, dann habe ich Frau Federmann angerufen. Am selben Tag trafen wir uns zum Vorstellungsgespräch", sagt Anna Ellerbrock.

Nicht immer passen Berufswünsche und Qualifikationsprofil der Bewerber mit den Anforderungen der Ausbildungsbetriebe zusammen. "Bestimmte Ausbildungsberufe sind offenbar nicht mehr attraktiv für Jugendliche", sagt Paul Raab, Leiter der IHK-Zweigstelle Elmshorn. In Zeiten, in denen es sich die Schulabgänger in höherem Maße als bisher die Wahl zwischen verschiedenen Ausbildungsplätzen haben, fallen geringe Bezahlung, unattraktive Arbeitszeiten und geringe Aufstiegschancen stärker ins Gewicht. Baumschulen, das Gastronomiegewerbe, kleine Handwerksbetriebe und der Lebensmitteleinzelhandel haben es in der Region besonders schwer, offene Lehrstellen zu besetzen. Die Konkurrenz der Betriebe um Nachwuchs wächst.

Die Zahl derjenigen die beim Sprung ins Berufsleben Hilfe brauchen, stagniert dagegen. Die Betriebe reagieren auf die veränderte Situation. Hardy Tempelmann zum Beispiel, bietet in seinem Metallverarbeitungsbetrieb Tage der offenen Tür an. Schüler mit Eltern und Freunden sind eingeladen, die Fertigungshalle des Familienunternehmens in Pinneberg bei einer Führung kennen zu lernen. "Damit haben wir mehr Erfolg als mit einem Messestand. Die Jugendlichen können genau sehen was wir machen und Fragen stellen", sagt der Geschäftsführer. Inzwischen kommen häufiger schwächere Bewerber kommen zum Zuge. Bei Bedarf erhalten sie Nachhilfe während der Ausbildung. "59 Prozent der Ausbildungsbetriebe engagieren sich mit Nachhilfe", sagt Paul Raab. Aus seiner Sicht hat sich auch das Modell Einstiegsqualifizierung bewährt, in dem Jugendliche in einem Unternehmen praktische Erfahrungen sammeln. 70 Prozent der Teilnehmer bekommen eine Lehrstelle.

Für 104 Jugendliche im Agenturbezirk (44 im Kreis Pinneberg) gibt es derzeit kein Angebot. Landesweit stehen momentan 1022 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, Praktikum oder Qualifizierungsmaßnahme da. Im Vorjahr waren es noch 726. Die Schnittstelle zwischen Schule und Beruf ist aus Sicht von Bildungsstaatssekretär Dirk Lossack noch immer für zu viele Schüler eine Klippe. "Es muss selbstverständlich sein, dass Jugendliche nach der Schule ausbildungsfähig sind", sagt Lossack. Deshalb solle die Berufsorientierung in der Schule weiter intensiviert werden.

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