Pinneberg
07.11.12

Pinneberg

7,5 Millionen Euro für Privatschulen

Das Kieler Bildungsministerium erhöht die finanzielle Förderung. Elmshorner Schulleiter will Lehrer künftig besser bezahlen.

Von Arne Kolarczyk und Burkhard Fuchs
Foto: Burkhard Fuchs
Die privat betriebene Johanniterschule in Quickborn zählt inzwischen 70 Schüler in drei Klassenstufen
Die privat betriebene Johanniterschule in Quickborn zählt inzwischen 70 Schüler in drei Klassenstufen

Kreis Pinneberg. Für Schulen in freier Trägerschaft gibt es mehr Geld. Die neue Kieler Landesregierung hat beschlossen, die Zuschüsse für diese Bildungseinrichtungen um 7,5 Millionen Euro bis 2017 aufzustocken. "Die Summe wird jedes Jahr ansteigen", sagt Ines Strehlau, die Landtagsabgeordnete der Grünen aus Halstenbek.

1,5 Millionen Euro sollen bereits von 2013 an zusätzlich fließen. 27 private Schulen kommen landesweit in den Genuss dieser Förderung, darunter die Johanniterschule in Quickborn, die Schüler-Schule in Pinneberg sowie die Leibnitz-Schule und die Waldorfschule in Elmshorn. Die christliche Schule in Elmshorn wird erst vom Schuljahr 2014/15 an gefördert.

Bei den hiesigen Privatschulen löst diese Nachricht Freude aus, so etwa in der Elmshorner Waldorfschule. "Die Landeszuschüsse stagnieren seit Jahren, es ist nicht einmal ein Inflationsausgleich erfolgt", sagt Schulgeschäftsführer Nils Holthusen. Die Elmshorner Waldorfschule lebe von den Landeszuschüssen und den Elternbeiträgen. Holthusen: "Wir sind ja laut Schulgesetz gezwungen, Elternbeiträge zu nehmen." Derzeit betragen die reinen Schulkosten 268 Euro im Monat, wobei in Härtefällen eine Ermäßigung möglich ist.

Auch bei der Johanniterschule in Quickborn, die sich noch im Aufbau befindet und zurzeit 70 Schüler in drei Klassenstufen unterrichtet, kommt diese Neuigkeit aus Kiel gut an. "Wir freuen uns über diese Entwicklung", sagt Berenike Matern vom Landesverband der Johanniter. "Das ist ein gutes Signal für alle alternativen Schulformen in Schleswig-Holstein." Zurzeit bekommt ihre Schule 3246,28 Euro Zuschuss je Schüler pro Jahr vom Land. Dies entspricht 80 Prozent der Förderung der öffentlichen Schulen im Land. Die neue Landesregierung hatte im Koalitionsvertrag verabredet, diesen Betrag auf 85 Prozent anzuheben, was rund 200 Euro je Schüler und Jahr mehr bedeuten würde. Wie das zusätzliche Geld aus Kiel verwendet werden soll, sei noch nicht geklärt, sagte Berenike Matern. Möglicherweise kommt es den Elternbeiträgen zugute, die zurzeit 164 Euro für einen Vormittags- und 270 Euro für einen Ganztagsbetreuungsplatz plus 60 Euro Essensgeld im Monat in Quickborn bezahlen müssen.

In Elmshorn besuchen 438 Schüler die Waldorfschule, die von 34 Lehrern unterrichtet werden. Kein Geheimnis ist, dass die Pädagogen schlechter verdienen als an staatlichen Schulen. "Unsere Kollegen sind von Idealismus geprägt, wir haben seit vielen Jahren einen festen Stamm, der sich mit dieser Einrichtung identifiziert", sagt Geschäftsführer Nils Holthusen.

Allerdings beobachte er, dass es "zunehmend schwieriger wird, junge Lehrer zu finden". Zusätzliche Mittel von Landesseite sollten daher seiner Meinung nach zuerst dazu dienen, die Gehälter der Pädagogen aufzubessern. Holthusen: "Das muss aber natürlich erst einmal der Vorstand beschließen." Investitionen in neue Gebäude sind in der Waldorfschule derzeit nicht notwendig. Die Schule, die alle Abschlüsse bis hin zum Abitur anbietet, hat 1990 ihr Quartier am Adenauerdamm bezogen und sich sukzessive erweitert. Zuletzt kamen das Speisehaus und die Sporthalle dazu.

Welche zusätzlichen Mittel die Elmshorner Waldorfschule 2013 vom Land erhält, weiß der Geschäftsführer noch nicht. "Ich kalkuliere erst einmal mit dem, was wir 2012 erhalten haben. Für alles, was wir mehr bekommen, bin ich natürlich sehr dankbar." In diesem Jahr, so erinnert sich Holthusen, seien die konkreten Zahlen auch erst im Januar bei der Schule angekommen. Der Etat der Waldorfschule ist siebenstellig. Zwei gemeinnützige Vereine, einer für die Gebäude, einer für den Schulbetrieb, sind Träger der Einrichtung. Holthusen: "Im Prinzip sind wir so etwas wie ein Wirtschaftsunternehmen."

Die Verbesserung der finanziellen Situation von Schulen in freier Trägerschaft sind von der Landesregierung aus SPD, Grünen und SSW bereits im Koalitionsvertrag vereinbart worden. Dort ist nachzulesen, dass Schulen in freier Trägerschaft einen wichtigen Bestandteil der Schullandschaft darstellen. "Von ihnen gehen viele wertvolle Impulse für das Bildungswesen aus", sagt Beate Raudies, die SPD-Landtagsabgeordnete aus Elmshorn.

Raudies ist stellvertretende Vorsitzende im Landesbildungsausschuss. Dieser hat in einer seiner jüngsten Sitzungen die Kieler Landesregierung mehrheitlich aufgefordert, "im Rahmen der beabsichtigten Schulgesetzänderung einen Gesetzentwurf vorzulegen, der eine schrittweise Verbesserung der Förderung der Schulen in freier Trägerschaft beinhaltet. Grundlage soll eine dynamisierte, faire und transparente Berechnung sein".

Nach Auskunft des Bildungsministeriums ist eine Arbeitsgruppe installiert worden, die in den kommenden Monaten eine Neuregelung der Bezuschussung von Schulen in freier Trägerschaft ausarbeiten soll. Derzeit ist die Berechnungsgrundlage äußerst kompliziert. Bisher werden diesen Einrichtungen 80 Prozent ihrer Material- und Personalkosten vom Land erstattet. Künftig steigt dieser Anteil für die nichtdänischen Privatschulen auf 85 Prozent. Die 46 dänischen Schulen werden vom kommenden Jahr an bereits wieder zu 100 Prozent gefördert.

Landesweit gibt es 77 private allgemeinbildende Schulen einschließlich der vier Förderzentren für geistig behinderte Kinder. Diese haben dieses Jahr zusammen knapp 70 Millionen Euro Fördergeld bekommen. Sie werden derzeit von etwa 14 000 Schülern im ganzen Land besucht.

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