Pinneberg
05.11.12

Kreis Pinneberg

So könnte Wedels neues Wohnzimmer aussehen

Die Politik treibt den Umbau des Schulauer Hafens trotz leerer Stadtkasse voran. Baubeginn ist bereits für das kommende Frühjahr geplant.

Von Katy Krause
Foto: wes&partner
So könnte die Ostpromenade des neuen Schulauer Hafens nach dem geplanten Umbau einmal aussehen
So könnte die Ostpromenade des neuen Schulauer Hafens nach dem geplanten Umbau einmal aussehen

Wedel. Zu teuer und völlig überzogen, sagen die Kritiker. Ein Schnäppchen dank der zahlreich fließenden Fördermittel und ein wichtiges Signal für die Stadt, halten Befürworter dagegen. So lebhaft die Diskussion um den Sinn oder Unsinn des Wedeler Prestigeprojekts Maritime Meile ist, so wenig hat sich in den vergangenen Monaten am Schulauer Hafen getan. Ein paar Bäume sind verschwunden. Dafür wuchert das Unkraut. Graue Tristesse. Dabei sollten hier, wenn es nach Politikern und Rathausmitarbeitern vor Ort gehen würde, bereits längst die Bagger rollen und den Weg zu "Wedels neuem Wohnzimmer" - wie es die Landschaftsplaner einst anpriesen - bereiten.

Nach langem Ringen um Zuständigkeiten und Genehmigungen kommt jetzt endlich Bewegung in die Sache. Noch im November soll der dringend benötigte Förderbescheid aus dem Kieler Innenministerium ins Wedeler Rathaus flattern. Wenn er auf dem Tisch liegt, können die Ausschreibungen auf den Weg gebracht, der Investorenwettbewerb für den Hafenkopf eingeläutet und die Suche nach einem späteren Hafenbetreiber in die Wege geleitet werden. Die Rathausmitarbeiter stehen schon in den Startlöchern, denn die Zeit drängt. Bis Ende 2015 muss das Projekt fertig sein, das verlangen die Förderichtlinien. Ein enger Zeitplan. Immerhin plant Wedel aus dem derzeit traurigen Hafenbecken einen Blickfang und Publikumsmagnet zu machen.

Die Flutschutzwand an der Schulauer Straße, die bislang vorbeikommenden Auto- und Radfahrern den Blick auf die Elbe versperrte, kommt weg. Das Hafenbecken wird vom Schlick befreit, ein Bereich aufgeschüttet. Dadurch entstehen etwa 5600 Quadratmeter am Strandbaddamm, die die Stadt an einen Investor verkaufen will. Die Komplexe mit bis zu siebengeschossiger Bebauung sind als Gewerbeflächen geplant.

Unter anderem soll hier auch ein Hotel einziehen, so der Wunsch. Am Ufer entsteht ähnlich den Landungsbrücken eine breite Promenade. Die Parkplätze in der Stichstraße Hakendamm müssen den Plänen weichen. Als Ersatz wird der Parkplatz parallel zur Deichstraße um 200 Stellflächen erweitert. Die Kosten von bis lang geschätzten 380 000 Euro sollen durch eine Parkraumbewirtschaftung wieder reingeholt werden.

Was Wedel in dieses große Umbauprojekt an der Elbe stecken muss, ist noch ungewiss. Klar ist aber, dass Wedel mindestens 50 Prozent mit Fördermitteln unter anderem von der EU finanzieren kann. Ob es noch mehr wird, stellt sich heraus, wenn der ersehnte Förderbescheid da ist. Die aktuelle Kostenschätzung liegt bei 16 Millionen Euro für eine von den ursprünglichen Plänen bereits abgespeckte Hafensanierung. Mitte 2011 rechnete die Verwaltung noch mit Gesamtkosten von 12,8 Millionen Euro.

Doch dann deckte beispielsweise ein Gutachten auf, dass der Boden, der für die Verbreiterung des Hafenbeckens abgetragen werden muss, kontaminiert ist. Die Entsorgung verschlingt zwei Millionen Euro mehr.

Genau solche Überraschungen bereiten Kritikern wie den Linken Kopfschmerzen. Sie fürchten, dass das nicht die letzte Kostenkorrektur nach oben war. Ratsherr Stephan Krüger: "Projekte dieser Art sind ein Fass ohne Boden. Alle bisherigen Bauten Wedels von Ponton bis Badebucht haben gezeigt, dass es am Ende immer viel teurer wurde." Eine Kostensteigerung in Millionenhöhe könne sich Wedel angesichts der finanziell angespannten Haushaltlage durch weggebrochene Gewerbesteuern nicht leisten, warnen die Linken. Deshalb stellten sie im Planungsausschuss den Antrag, das Projekt sofort zu stoppen. "Wir müssen jetzt finanziellen Schaden von der Stadt abwenden", so Krüger.

Doch mit ihrem Vorstoß standen die Linken allein da. Zwar hinterfragten auch die anderen Ratsfraktionen die Kosten für den Schulauer Hafen, aber sie ließen sich von den präsentierten Zahlen aus dem Wedeler Rathaus überzeugen. Die zeigen, dass ein Baustopp die Stadt derzeit mehr kosten würde als die Weiterführung. Das Problem: Es sind bereits Fördermittel in Höhe von drei Millionen Euro zum Beispiel in den Umbau des Anlegers und in den Elbwanderweg geflossen. Die müsste die Stadt laut Bürgermeister Niels Schmidt zurückzahlen. Das und die Aussicht, dass Wedel so schnell nicht wieder von der EU als förderungswürdig eingestuft wird, war für die politische Mehrheit ausschlaggebend. Sie gaben trotz des Finanzdesasters grünes Licht. "Wedels neues Wohnzimmer" kann kommen.

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