Pinneberg

Elmshorn Wer auf der Straße radelt, braucht Mut

Foto: Eike Pawelko

Eine Umfrage zeigt, dass nur wenige Radfahrer in der Region ihr Fahrbahnrecht auch nutzen. Den meisten ist der Gehsteig wohl doch sicherer.

Elmshorn/Schenefeld. Die Szene wirkt wie bestellt. Kaum hat der Schenefelder Radfahrer und Grünen-Politiker Mathias Schmitz einige Meter auf der Friedrich-Ebert-Allee zurückgelegt, da hupt ihn auch schon der erste Autofahrer von hinten an. Dabei verhält Schmitz sich absolut regelkonform. Er radelt am rechten Fahrbahnrand einer Straße, auf der die Autos 50 Kilometer pro Stunde schnell fahren dürfen. Kein blaues Gebotsschild verweist Radler auf den Bürgersteig. Im Gegenteil: Am Beginn der Ebert-Allee, direkt an der Kreuzung mit dem Kiebitzweg, der Lornsenstraße und der Lindenallee, weist ein weißes Schild mit der Aufschrift "Fahrräder frei" ausdrücklich darauf hin, dass Radler die freie Wahl haben zwischen dem schmalen Angebotsradweg auf dem Bürgersteig und der Fahrbahn.

+++ "Radfahrer gehören auf die Straße" +++

Das wissen aber offenkundig weder die vielen Radfahrer, die sich auf den engen Bürgersteigen drängen, noch die Autofahrer. "Als Radfahrer auf der Friedrich-Ebert-Allee werden Sie garantiert von Autofahrern angehupt oder sogar bepöbelt", sagt Schmitz. Dabei belegen sämtliche Unfallstatistiken, dass ein Radfahrer im Sichtfeld der Autofahrer direkt auf der Fahrbahn sicherer unterwegs ist als auf Gehwegen.

"Woran es mangelt, sind Kommunikation und Kommunalpolitiker, die nicht beim ersten Windhauch verschreckt umfallen", sagt Schmitz, Vorsitzender der Schenefelder Grünen. Das Fahrrad sei das in vieler Hinsicht leistungsfähigste und gesündeste Verkehrsmittel auf den innerörtlichen Kurzstrecken.

An Straßen wie der Friedrich-Ebert-Allee lässt sich täglich beobachten, was viele Verkehrsexperten beklagen: Die Fakten sind bei den wenigsten Bürgern angekommen. Das belegt auch eine stichprobenartige Umfrage unter zufällig ausgewählten Radfahrern in Elmshorn. Dort hat die Stadtverwaltung moderne Verkehrskonzepte umgesetzt, indem sie an der Kreuzung Wedenkamp und Gerberstraße eine Radfahrerspur auf der Fahrbahn platzierte. Wer diese Schleuse nutzt, fährt als Linksabbieger mit den Autos deutlich zügiger über die Kreuzung, als wenn er mit den Fußgängern zwei Ampelphasen abwarten muss.

Was auf den ersten Blick sehr radfahrerfreundlich aussieht, empfinden viele Elmshorner Bürger jedoch als zu gefährlich. Bernd Schaller, 42, fährt täglich mit dem Fahrrad und sagt: "Seitdem mir ein Lkw-Fahrer einmal sehr dicht aufgefahren ist, bleibe ich lieber auf dem Bürgersteig. Ich nutze den Radweg auf der Fahrbahn nicht."

Auch Vielfahrerin Barbara Grundt, 42, meidet das Fahren auf der Straße. "In Hamburg ist es vielleicht sinnvoll, dass Auto- und Radfahrer dieselbe Fahrbahn nutzen. Doch in Elmshorn sind die Straßen oft so schmal, dass einfach nicht genug Platz ist. Außerdem sind Autofahrer oft sehr unachtsam", sagt Grundt.

Die Schülerin Monja Kairies hat seit kurzer Zeit einen Führerschein. "Als Autofahrerin achte ich mehr auf den Kraftverkehr als auf die Fahrradfahrer, auch wenn sie dieselbe Fahrbahn benutzen wie ich", sagt sie.

Der Fahrradhändler Torsten Okunick vermutet, dass die Elmshorner sich erst einmal an das neue System gewöhnen müssen. Trotzdem wartet auch er lieber etwas länger an der Ampel, als den Radweg auf der Straße zu nutzen. "Das Stärkenverhältnis zwischen Auto- und Radfahrer ist einfach zu groß. Gerade unsichere Fahrradfahrer können schnell ins Schlingern geraten und von einem Auto erfasst werden." Er selbst benutzt im verkehrsberuhigten Bereich zwar die Fahrbahn, hält ein ausdrückliches Verbot, dort auf dem Gehweg zu fahren, aber für übertrieben.

Schaller sieht das noch grundsätzlicher als Okunick. Ihn interessiere es nicht, dass in Tempo-30-Zonen ein generelles Fahrverbot für Fahrradfahrer auf dem Bürgersteig gilt. "Ich fahre immer auf dem Bürgersteig, auch in der Tempo-30-Zone. Da rauschen die Autofahrer doch auch einfach so durch."