Pinneberg
90 Tonnen Granaten am Meeresgrund?

Giftgas vor Helgoland: Behörden schweigen

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Der Munitionsaltlasten-Experte Dr. Stefan Nehring hat brisante Dokumente entdeckt, die laut dem Bundestagsabgeordneten Rainder Steenblock (Grüne) "zweifelsfrei belegen", dass am Meeresboden vor Helgoland 90 Tonnen Giftgasgranaten mit Tabun, einem Nervengift und Kampfstoff aus dem Dritten Reich, lagern.

Helgoland. Verheimlichen Bundes- und Landesbehörden die wahre Gefahrenlage der vor Helgoland vermuteten 90 Tonnen Giftgasgranaten? Diesen Vorwurf erhebt der Bundestagsabgeordnete Rainder Steenblock (Grüne). Es müssten endlich klare Zuständigkeiten benannt und die von den Altlasten ausgehenden Gefahren aufgeklärt werden. Im vorigen Jahr habe der Meeresbiologe und Munitionsaltlasten-Experte Dr. Stefan Nehring in Archiven brisante Dokumente entdeckt, die laut Steenblock "zweifelsfrei belegen", dass am Meeresboden vor Helgoland 90 Tonnen Giftgasgranaten mit Tabun, einem Nervengift und Kampfstoff aus dem Dritten Reich, lagern. Zwar habe das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) im Januar 2009 die vermuteten Fundstellen vor Helgoland untersucht und tatsächlich "mehrere große Haufen" entdeckt, so der Abgeordnete.

Dennoch seien die Ergebnisse der Untersuchungen des BSH bisher nicht öffentlich. Auch die Kieler Behörden hüllten sich weiter in Schweigen. Experten warnten davor, so Steenblock, dass die von der alten Munition ausgehende Gefahr durch steigende Rostungsgrade weiter zunehme. Die Gefahren für Fischerei, Schifffahrt und für Bewohner und Besucher Helgolands seien immens. Im Rahmen der Sendereihe "Abenteuer Wissen" berichtet das ZDF heute Abend ab 22.20 Uhr in einem Beitrag von den Giftgasgranaten vor Helgoland.

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