Norderstedt
Tennis

George von Massows hartes Leben auf der Profi-Tour

George von Massow vom TC Rot-Weiss Wahlstedt hat sich die Top 100 der Weltrangliste als  Ziel gesetzt

Foto: Thomas Maibom

George von Massow vom TC Rot-Weiss Wahlstedt hat sich die Top 100 der Weltrangliste als Ziel gesetzt

Nur wenigen Tennisspielern ist der Eintritt in die internationale Spitzenklasse vergönnt. Der26-Jährige will diesen Schritt schaffen.

Wahlstedt.  George von Massow sitzt in der Innenstadt von Helsinki in einem kleinen Café. Draußen herrscht grausiges Wetter, es regnet Bindfäden. Dabei soll schon knapp zwei Stunden später sein Erstrundenmatch beim Internationalen Tennis Grand Prix in Finnlands Hauptstadt beginnen. An Massows Seite steht in diesen Stunden sein Trainer Maik Schürbesmann, der ihm taktische Tipps gibt vor dem Einstieg in das mit 10.000 Euro dotierte Meeting, das vergleichbar mit dem Future-Nord-Preisgeldturnier in Kaltenkirchen ist. Sein Gegner auf der Anlage des finnischen Tennisverbandes mit 30 Hallenplätzen ist am Nachmittag der Schwede Jonathan Mridha (das Ergebnis lag bei Redaktionsschluss nicht vor).

Von Massow wurde im 36 Spieler umfassenden Feld an Nummer zwei gesetzt und ist in der Szene deshalb keine unbekannte Größe. Der 560. der ATP-Weltrangliste hat sich durch das Erreichen des Hauptfeldes beim ATP-Challenger im niederländischen Scheveningen um 30 Plätze verbessert.

Die Hague Open waren nur eine der vielen Stationen auf der Profitour, die der 26 Jahre alte Spitzenspieler des TC Rot-Weiss Wahlstedt seit 2011 beschreitet. Der frühere Spitzenmann des HTV Hannover kam im Januar 2015 nach Hamburg-Harvestehude, schloss sich wenig später dem TC Rot-Weiss Wahlstedt an und hat inzwischen vor allem diesen einen Wunsch: Er möchte sich in der Weltrangliste unter die Top 100 kämpfen und dem deutschen Jung-Star Alexander Zverev sportlich nacheifern.

Es ist ein langer, beschwerlicher Weg dorthin, das weiß George von Massow genau. Der amtierende Landesmeister von Schleswig-Holstein hat in seiner Laufbahn einige beachtliche Erfolge vorzuweisen, "aber es muss noch mehr kommen, damit ich mit der Zeit meinen eigenen Anspruch befriedige und zufrieden weiterdenke".

Rund 30.000 Euro Preisgeld hat George von Massow in seiner Laufbahn schon erkämpft. Diese Summe ist ein Grundstock dafür, dass die Aktivitäten auf der Profischiene nicht zum Zusatzgeschäft werden.

Armverletzung verhindert weiteren Start in Finnland

So muss der Regionalligaspieler (seine Mannschaft stieg in diesem Sommer in die Nordliga ab) auch mit der Tatsache leben, dass er unlängst nicht – wie ursprünglich geplant – am ersten von drei hochkarätig besetzten internationalen Tennisevents in Helsinki teilnehmen konnte. Unmittelbar vor dem Abflug nach Finnland sagte er ab, denn er verspürte heftige Schmerzen im Arm und ließ sich von einer Physiotherapeutin in Hamburg erfolgreich behandeln.

Von Massow: "Die Dauerbelastung nach sieben Wochen Turniertennis und zahllosen Trainingseinheiten hat sich negativ ausgewirkt." Beim zweiten Wettbewerb in der finnischen Hauptstadt war er wieder fit, schied aber früh aus.

Der 1,96 Meter große Angriffsspieler bestreitet über 30 Turniere pro Jahr, er ist ungefähr 35 Wochen im In- und Ausland in Sachen Tennis unterwegs. "Das stresst manchmal schon. Aber Tennis ist ein Sport, der mich von frühen Jugendjahren an fasziniert und für den ich auch heute bereit bin, alles zu geben."

Im Klartext: George von Massow muss seinen gesamten Alltag entsprechend ausrichten. In den fünf Jahren, in denen er inzwischen auf der Tour beschäftigt ist – er bereist Turniere im gesamten europäischen Raum, aber auch in Marokko und Ägypten – sind vor allem persönliche Verhaltensweisen ein Thema. Ambitionierte Tenniscracks würden sich sich niemals hängenlassen. "Ein gesunder Lebenswandel ist der Schlüssel zum Erfolg", sagt er.

Pommes, Pizza und Süßigkeiten sind gestrichen

"Wenn ich dem Körper zu viel zumute, bekomme ich Probleme", so George von Massow, der gleich nach der Schule begann, sich auf die Tenniskarriere zu konzentrieren. "Ganz wichtig ist ausreichender und entspannter Schlaf."

Und die Ernährung? Wie immer eigentlich bei Sportlern. "Pommes, Pizza und Süßigkeiten, auch wenn es manchmal schwerfällt, sind bei mir absolut gestrichen", so der Wahlstedter.

Stattdessen kredenzt sich der auf Disziplin bedachte Tennis-Aufsteiger lieber einen Salat. Außerdem achtet er darauf, zu welcher Zeit er diese oder jene Mahlzeit zu sich nimmt. Sollte es mit seinen Mannschaftskameraden in Wahlstedt jedoch etwas zu feiern geben, macht er schon mal eine Ausnahme.

Sollte es künftig keine größeren Probleme mit Muskeln, Sehnen oder Knochen geben, scheint für den vom langjährigen Landestrainer Herbi Horst entdeckten und geförderten von Massow auch in Zukunft einiges möglich und zu erwarten zu sein. Sein zweiter Trainer, Tobias Hinzmann vom Club an der Alster in Hamburg, hält große Stücke auf ihn. "Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie motiviert und diszipliniert George an seine Aufgaben herangeht", so Hinzmann.

Den Umzug in den Norden hat George von Massow zu keinem Zeitpunkt bereut. Bis zu den Übungseinheiten auf der Anlage des Clubs an der Alster sind es von seiner Wohnung aus nur knapp zehn Minuten mit dem Rad. Und die Fahrten zu den Punktspielen nach Wahlstedt machen ihm absolut nichts aus.

Warum auch? Schließlich lernte erim dort seine Freundin Amelie Intert kennen. Die sieht er allerdings eher selten, zurzeit spielt Amelie bei einem Turnier in den Niederlanden.

Sollte ihr Freund in Helsinki weit kommen, wird sich an diesem Umstand wohl nichts ändern. Dann nämlich fliegt George von Massow direkt von Helsinki an den Bodensee. Nach Überlingen, zum nächsten ITF-Turnier...

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