Norderstedt
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Unfallgefahr durch abgeschaltete Ampeln?

Die Fußgängerampel an der Ecke Ulzburger/Quickborner Straße war ausgeschaltet, eine Fußgängerin starb, als sie die Straße überqueren wollte

Foto: Michael Schick

Die Fußgängerampel an der Ecke Ulzburger/Quickborner Straße war ausgeschaltet, eine Fußgängerin starb, als sie die Straße überqueren wollte

Zwei Menschen starben in diesem Jahr bereits bei Unfällen. 97 von 113 Anlagen bleiben in Norderstedt nachts außer Betrieb.

Norderstedt.  Zwei Menschen starben, in beiden Fällen waren die Ampeln nachts abgeschaltet. Am Sonnabend wollte eine 51-Jährige gemeinsam mit zwei anderen Fußgängern an der Ecke Quickborner/Ulzburger Straße die Straße queren, um zur Feuerwehrwache zu kommen, wo Hunderte bei der Ü30-Party der Feuerwehr feierten. Ein 20 Jahre alter Ellerauer, der mit seinem VW Golf Richtung Norden fuhr, erkannte die Gruppe offenbar zu spät. Er wich zwei Fußgängern aus, erfasste jedoch die 51 Jahre alte Norderstedterin, die noch am Unfallort starb.

Signalanlage nach Unfall wieder aktiviert

Am 4. April kam eine 50 Jahre alte Quickbornerin bei einer Kollision an der Kreuzung Oadby-and-Wigston- und Waldstraße ums Leben. Das wirft Fragen auf: Dürfen diese und weitere Ampeln in Norderstedt nachts ausgeschaltet sein? Gibt es Signalanlagen, die während der Dunkelheit unbedingt in Betrieb bleiben müssen? Zu diesem Thema hat die SPD eine Anfrage an die Verwaltung gestellt – schon vor den beiden tödlichen Unfällen.

"Uns wurde immer wieder von brenzligen Situationen und Beinah-Unfällen an der Ecke Waldstraße/Ulzburger Straße berichtet", sagt SPD-Fraktionschef Nicolai Steinhau-Kühl. In der Tempo-30-Zone sollen die Radler zwar auf der Straße fahren, doch die wenigsten halten sich an das Gebot, bleiben vor allem nachts lieber auf dem Gehweg, radeln auf der falschen Seite und werden von den Autofahrern, die in die Ulzburger Straße einbiegen, übersehen. Damit zeige sich, so Steinhau-Kühl, leider wieder die Unfallgefahr, die vor dem Um- und Ausbau der Kreuzung bestand. "Wir haben reagiert, und die Ampel dort nachts wieder eingeschaltet", sagt Bau- und Verkehrsdezernent Thomas Bosse.

"Nach dem schweren Verkehrsunfall an der Kreuzung Oadby-and-Wigston- und Waldstraße, bei dem die Fahrerin zwar noch lebend gerettet wurde, dann aber starb, wurde die Ampelanlage wieder eingeschaltet", sagt Kai Hädicke-Schories, Verkehrsexperte der Norderstedter Polizei. Laut Bosse sollen weitere Ampeln aber während der Nachtstunden nicht in Betrieb genommen werden, trotz des bedauerlichen Unfalls an der Feuerwache Friedrichsgabe. Das sieht auch Polizeisprecher Kai Hädicke-Schories so: "Das ist nach unseren Erkenntnissen kein Gefahrenpunkt."

Die Polizei prüfe die Ampelschaltungen in jedem einzelnen Fall. Das gelte auch für Veranstaltungen wie die Ü30-Party der Feuerwehr. Zum einen ist, so Hädicke-Schories, das Verkehrsaufkommen entscheidend. Sind viele Fahrzeuge unterwegs, handelt es sich um einen stark frequentierten Fuß- oder Überweg? Wie hat sich die Situation in den vergangenen Jahren dargestellt? Anhand dieser Kriterien entscheiden die Beamten, wie die Verkehrssicherheit gewährleistet wird. "Bei den Feiern in den letzten Jahren hat es dort keine Unfälle oder Auffälligkeiten gegeben, sodass wir gemeinsam mit der Stadt auch diesmal entschieden haben, die Ampel nachts auszuschalten", sagt der Polizeisprecher.

Zudem sei weder der Polizei noch der Verwaltung bekannt gewesen, dass gleichzeitig in der Rockbar auf der gegenüberliegenden Seit der Ulzburger Straße gefeiert wurde. Möglicherweise wollten die Frau und die beiden Männer von dort zur Feuerwache, um dort weiterzufeiern. Es sei auch nicht auszuschließen, dass es durch Fehlverhalten des Autofahrers zu dem schweren Unfall mit tödlichem Ende gekommen ist. Neue Erkenntnisse zur Ursache gibt es noch nicht, die Ermittlungen laufen. Zurzeit würden die Zeugen befragt, teilte eine Polizeisprecherin auf Nachfrage mit.

Insgesamt gibt es in Norderstedt 113 Ampelanlagen. 54 seien reine Fußgängerampeln, der Rest komplette Anlagen, in die zum Teil die Signale für Fußgänger integriert sind. Die elektronischen Verkehrsregler werden nach einem ausgeklügelten System individuell und mit unterschiedlich langen Grünphasen gesteuert.

Stadt will Autofahrer nicht warten lassen

97 Ampeln bleiben nachts dunkel. Nur an den großen Straßen, wichtigen Einmündungen und Kreuzungen müssen die Autofahrer bei rotem Licht stoppen. Dazu zählen die Kreuzungen Niendorfer Straße/Ohechaussee, Alter Kirchenweg, Rathausallee und Ulzburger Straße, Poppenbütteler Straße und Schleswig-Holstein-Straße. "Natürlich sparen wir Strom und Geld, wenn wir den Großteil der Ampeln nachts abschalten", sagt Bosse. Doch das sei nicht der Hauptgrund: "Wir können und wollen die Autofahrer nicht vor den Kopf stoßen. Wenn die vor einer roten Ampel warten müssen und weit und breit ist nichts zu sehen, sind sie verärgert und ignorieren vielleicht irgendwann das Stoppsignal. Und dann kann es richtig gefährlich werden."

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