Norderstedt
Kreis Segeberg

Kaltenkirchen: Bürgermeister wollen S-Bahn-Anbindung

Ab 2020 soll die S-Bahn auf der elektrifizierten AKN-Strecke über Henstedt-Ulzburg nach Kaltenkirchen fahren

Foto: Bartlomiej Banaszak / Deutsche Bahn AG

Ab 2020 soll die S-Bahn auf der elektrifizierten AKN-Strecke über Henstedt-Ulzburg nach Kaltenkirchen fahren

Städte und Gemeinden im Kreis Segeberg fürchten nach Äußerungen des Verkehrsstaatssekretärs einen Kurswechsel der Landesregierung.

Kreis Segeberg.  Die Reaktionen reichen von Verwunderung bis zu Empörung. Mit seinen Äußerungen zur geplanten S-Bahn von Hamburg nach Kaltenkirchen hat der Staatssekretär des Kieler Verkehrsministeriums, Frank Nägele (SPD), Zweifel geweckt, ob die Landesregierung an dem Projekt S 21 festhalten will. "Herr Nägele stellt sich gegen Entscheidungen des Landtages", sagt Kaltenkirchens Bürgermeister Hanno Krause. Er will jetzt einen Brief an die Landesregierung schreiben und um eine Klärung bitten.

Wie berichtet, hatte Nägele bei einer öffentlichen Veranstaltung in Quickborn gesagt, er sei "kein glühender Verfechter des S-21-Projekts". Das Kosten-Nutzen-Verhältnis des für 2020 terminierten Bahnprojektes falle so knapp aus, dass Planungsveränderungen noch möglich seien. Zudem könnte auch nur ein Teilstück realisiert werden.

Umsteigefreie Verbindung bis Hauptbahnhof

Für die S-Bahn soll die bestehende AKN-Strecke elektrifiziert werden. Mit Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro wollen die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein mit Unterstützung des Bundes eine leistungsfähige und umsteigefreie Verbindung bis zum Hamburger Hauptbahnhof schaffen.

"Ich habe mich sehr gewundert", sagte Krause. Die Region wachse zusammen und brauche die S 21, weil immer mehr Menschen auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Die AKN-Züge seien schon jetzt zeitweise überfüllt.

Wenn es Probleme bei der Realisierung wie in Ellerau gebe, sei es die Aufgabe der Landesregierung, diese zu lösen, sagte Krause. In Ellerau wehren sich, wie berichtet, zahlreiche Grundstücksbesitzer gegen den zweigleisigen Ausbau. Außerdem fürchten viele Bewohner der Gemeinde noch längere Staus am Bahnübergang. "Dafür muss man eine Lösung finden", sagt Krause. "Hamburg schafft es ja auch, Tunnel für ganze Autobahnen zu bauen." Nägele habe Sinn und Zweck der S 21 offenbar nicht verstanden, sagt Krause.

Warnung vor "Rolle rückwärts"

"Damit weicht Herr Nägele von der bisherigen Position des Ministeriums ab", sagt auch Bramstedts Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach. Er warnt vor einer "Rolle rückwärts" bei den Planung und hofft weiterhin, dass die S 21 nach Kaltenkirchen für eine bessere Schienenanbindung der Kurstadt mit mehr Komfort und einem dichteren Fahrplantakt sorge. Werde das Projekt realisiert, könnte die AKN als Zubringer dienen: zur S 21 in Kaltenkirchen, zur Fernbahn in Neumünster oder mit einer durchgehenden Verbindung zur U-Bahn nach Norderstedt.

"Die Aussagen von Herrn Nägele stoßen bei der Gemeinde Henstedt-Ulzburg auf völliges Unverständnis", sagte Bürgermeister Stefan Bauer. Verkehrsminister Meyer habe bisher immer hinter dem S-21-Projekt gestanden. Es stelle sich die Frage, inwiefern die Aussagen des Staatssekretärs mit seinem Minister abgestimmt sind und von ihm geteilt werden. "Die Äußerungen des Staatssekretärs erwecken den Eindruck, als wenn das Ministerium nicht mehr voll hinter dem Projekt steht", sagte Elleraus Bürgermeister Eckart Urban. Er will bei Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) nachfragen – der Minister ist auf Wahlkampftour und macht am heutigen Freitag um 15.30 Uhr Station vor dem Edeka-Markt in Ellerau.

Bau der Oberleitung stößt auf Widerstand

"Anstatt Äußerungen oder Interpretationen von anderer Seite zu bewerten, verlasse ich mich lieber auf Aussagen, die ich selbst gehört habe. Ich bin mir absolut sicher, dass der Staatssekretär das Projekt voll unterstützt", betonte Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl. Auch Haslohs Bürgermeister Bernhard Brummund geht davon aus, dass das Projekt trotz Nägeles Äußerungen wie geplant realisiert wird.

Sein Kollege Peter Liske aus Bönningstedt war beim Infoabend dabei und bestätigt die relativierenden Aussagen des Staatssekretärs. Unter den Zuhörern seien auch viele Projektgegner gewesen, und die habe Nägele offensichtlich nicht vor den Kopf stoßen wollen. Liske selbst sieht das Projekt kritisch: "Die Planung ist sehr stark auf nur eine Lösung fokussiert." Besonders der Bau der Oberleitungen stoße bei vielen Bürgern auf Widerstand. Liske wünscht sich eine offene Diskussion.

Das Planfeststellungsverfahren für die S 21 liege im Zeitplan, hieß es bei der AKN. Schriftliche Einwendungen von Anliegern und Institutionen würden geprüft. Nägele ist im Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Staatssekretär habe in Quickborn ein klares Bekenntnis zur S 21 abgegeben, sagte ein Ministeriumssprecher.

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