Norderstedt
25.02.13

Bad Bramstedt

Feuer frei gegen Lärm und Vogeldreck

In Bad Bramstedt vertreiben Hotels und Kliniken erfolgreich Saatkrähenkolonien. Krach und Dreck im Kurgebiet waren kaum noch erträglich.

Von Wolfgang Klietz
Foto: Wolfgang Klietz
Um die Krähen in den Baumwipfeln zu vertreiben, greift Dirk-Uwe Schörner das erste Mal in seinem Leben zu einer Waffe
Um die Krähen in den Baumwipfeln zu vertreiben, greift Dirk-Uwe Schörner das erste Mal in seinem Leben zu einer Waffe

Bad Bramstedt . In diesem Winter war es zum ersten Mal in seinem Leben soweit: Dirk-Uwe Schörner nahm eine Waffe in die Hand und drückte ab. Zweimal knallte es heftig in den Baumwipfeln über ihm. Oben war die Aufregung groß: Die Krähen flogen aufgescheucht davon - Mission erfüllt.

Der Direktor des Bramstedter Hotels Köhlerhof gehört in diesen Wochen zu den Bramstedtern, die mit Erlaubnis der Stadt Vogelschreckmunition abfeuern dürfen, um die schwarzen Vögel zu vertreiben, die sich in dem Kurort seit Jahrzehnten so stark vermehrt haben, dass Krach und Dreck im Kurgebiet, beim Köhlerhof und auf dem Waldgelände Herrenholz kaum noch erträglich waren.

Bad Bramstedt ist die einzige Stadt im Kreis Segeberg, die dermaßen von der Plage betroffen ist und deshalb seit acht Jahren zum Ende des Winters Saatkrähenkolonien "vergrämt", wie es in der Fachsprache heißt. Geschossen wird auf dem Gelände der Schön-Klinik, der Hotels Gutsmann und Mercure-Köhlerhof sowie im vorderen Teil des Herrenholzes, wo sich das Altenheim befindet.

Drei- bis viermal pro Tag wird gefeuert, aber nie zu denselben Uhrzeiten

Die Stadt hat die Waffen und die Munition ausgegeben. Der zweifache laute Knall schadet den geschützten Tieren nicht, soll sie aber vom Nestbau abhalten und in die Waldgebiete vertreiben, wo sie niemanden stören. Wer schießt, sollte genau die Regeln beachten. Drei- bis viermal pro Tag sollte in die Luft gefeuert werden, aber nie zu denselben Uhrzeiten und immer von wechselnden Positionen. Nur so kann die Vergrämung gelingen.

Schörner schießt nur am Wochenende, in der Woche greift sein Haustechniker zur Waffe. "Es wirkt", sagt er. Schörner erinnert sich gut daran, dass es noch vor wenigen Jahren kaum möglich war, ohne Verschmutzung vom Parkplatz ins Hotel zu gehen. Viele Gäste hätten sich über ihr verdrecktes Auto beschwert und seien nicht wiedergekommen. "Das ist jetzt vorbei", sagt Schörner. "Besonders unsere langjährigen Gäste finden die Aktion toll." Nur noch wenige Krähen tummeln sich am Köhlerhof.

"Früher war es laut und dreckig", sagt Klinik-Sprecherin Astrid Reining

Auf dem Gelände der Schön-Klinik haben nicht nur die lautstarke Munition, sondern auch umfangreiche Bauarbeiten dazu geführt, dass die Tiere sich ein ruhigeres Quartier gesucht haben. Zahlreiche Bäume sind der Erweiterung des medizinisch-psychosomatischen Krankenhauses zum Opfer gefallen, sodass sich die Probleme entschärft haben und nur noch unregelmäßig geschossen werden muss.

"Früher war es laut und dreckig", sagt Klinik-Sprecherin Astrid Reining. Die Autos der Patienten, die sich in der Regel mehrere Wochen in der Klinik aufhalten, seien stark von Vogelkot verschmutzt gewesen.

"Die Naturschützer haben sich mit der Vergrämung arrangiert", sagt Erich Dorow von der Bramstedter Stadtverwaltung. Die Entscheidung, die geschützten Tiere akustisch zu vertreiben, sei vor acht Jahren an einem runden Tisch gefallen, an dem auch Umweltbehörden und die Vertreter anderer Kommunen saßen, die sich gegen die Vogelplage zur Wehr gesetzt hatten.

"Nur Kontinuität verspricht Erfolg", sagt Dorow. Die Belastungen seien bereits zurückgegangen und müssten jetzt Stück für Stück weiter reduziert werden.

Die Erfolge sind auch auf dem Gelände des Klinikums Bad Bramstedt erkennbar, das in diesem Jahr auf die Vergrämung verzichtet. "Die Situation hat sich entspannt", sagt Klinikum-Sprecherin Petra Otto. Schon lange hätten sich keine Patienten mehr beschwert. Sie vermutet, dass auch beim Klinikum die Kombination aus Vogelschreckmunition und Bauarbeiten zum Erfolg geführt haben. Auch auf dem Klinikumgelände entstehen neue Gebäude, bestehende werden saniert.

Ein schlechtes Gewissen hat Dirk-Uwe Schörner nicht, wenn er gen Baumwipfel schießt. "Wir töten die Tiere ja nicht - wir erschrecken sie nur."

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