Norderstedt
23.02.13

Kreis Segeberg

Großeinsatz gegen Einbrecher - erste Fahndungserfolge

Nach einem dramatischen Anstieg der Fälle 2011 und 2012 meldet die Polizei erste Fahndungserfolge. Segeberg und Ratzburg stark betroffen.

Von Wolfgang Klietz
Foto: ddp images/dapd/Lukas Barth
Wohnungseinbruch in der Dämmerung
Im Hamburger Umland schlagen Einbrecher besonders häufig zu. Zu den Schwerpunkten zählt Norderstedt

Kreis Segeberg. Die Täter kommen meistens in der Dämmerung. Schnell kundschaften sie die Häuser aus, in denen kein Licht brennt und wo der Carport leer steht. Dann setzen sie die Schraubendreher an, hebeln Fenster oder Terrassentüren auf und lassen Schmuck und Bargeld mitgehen. Die Zahl dieser Einbrüche ist in den vergangenen zwei Jahren in Schleswig-Holstein sprunghaft angestiegen, ein Drittel der Fälle registriert die Polizei im Hamburger Umland. Besonders die Direktionen Segeberg und Ratzburg sind stark betroffen", sagt ein Beamter des Landeskriminalamtes.

Nachdem die Zahl der Fälle in den vergangenen zwei Jahren auf bis zu 1000 pro Monat nach oben geschnellt ist, hat die Polizei mit einem neuen Fahndungskonzept reagiert und konnte am Freitag erste Erfolge vermelden. Seit wenigen Tagen sitzen vier Männer in Haft, bei denen 700 gestohlene hochwertige Schmuckstücke, Uhren und Bargeld gefunden wurden. Um vor Ort die Qualität der Beute zu kontrollieren, hatten sie sogar einen Diamantenprüfer dabei. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass bei manchen Einbrüchen der Schaden in die Zehntausende geht.

In der Woche verprassten sie ihre Beute auf der Reeperbahn

Der 64 Jahre alte Haupttäter traf sich mit seinen beiden Söhnen und einem Freund der Familie immer freitags, sonnabends und sonntags. Mit dem Auto fuhren sie von Hamburg über die Autobahn 7 und suchten sich Tatorte auf dem Land. In der Woche verprassten sie ihre Beute auf der Reeperbahn oder verspielten sie. Die vier festgenommenen Männer sind jedoch nicht die Einzigen, die seit dem Start des neuen Konzepts im Oktober 2012 ins Visier der Polizei geraten sind.

Landesweit ermitteln die Beamten gegen 16 Banden mit 51 Mitgliedern. 22 Männer wurden bislang festgenommen. Hinzu kommen weitere Einbrecher, die keiner Gruppierung angehören, sondern als lokale Einzeltäter ertappt wurden. Die A 7 gehört zu den beliebtesten Routen der Einbrecherbanden. Die Täter steuern bevorzugt Tatorte in der Nähe der Autobahn an, die sie nach der Tat als schnellen Fluchtweg nutzen. Norderstedt gehört zu den Orten mit den meisten Fällen: 2011 schlugen Einbrecher 203-mal zu, im Kreis Segeberg zählte die Kripo 644 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei 7,6 Prozent.

Der Leiter des Polizeilagezentrums, Joachim Gutt, ist sicher, dass in Kürze weitere Festnahmen folgen werden. Er bezeichnete die Täter als gefährlich. Die vier Männer trugen Messer und Pfefferspray bei sich, sie wurden von einem Spezialeinsatzkommando gestoppt.

Zu einem Zwischenfall kam es in dieser Woche in Pinneberg, als ein Einbrecher auf der Flucht versuchte, einen Polizisten zu überfahren. Der Beamte wurde über die Motorhaube gegen die Windschutzscheibe geschleudert, überstand den Zwischenfall jedoch unverletzt. Die Polizei warnt die Bevölkerung dringend davor, einen Täter selbst zu stellen. Gutt: "Es ist kein falscher Mut angesagt."

"Viele Opfer sind traumatisiert", sagt Oberstaatsanwältin Birgit Heß

Gutt, ehemaliger Polizeichef im Kreis Segeberg, spricht von einem "Massenphänomen" und einer erheblichen Unruhe in der Bevölkerung, die durch die Einbrüche entstanden sei. "Viele Opfer sind traumatisiert", sagt Oberstaatsanwältin Birgit Heß. Ein Einbruch bedeute einen massiven Eingriff in die Privatsphäre, der für viele Menschen nur schwer zu verkraften sei. Außerdem hat Heß festgestellt, dass die meisten Opfer weniger unter den materiellen Verlusten, sondern unter Diebstählen von einzigartigen Wertgegenständen, die zum Beispiel aus dem Familienbesitz stammen, leiden.

Aktuelle Zahlen über die Entwicklung der Einbruchskriminalität für 2012 liegen erst in den kommenden Wochen vor. Doch inzwischen scheint festzustehen, dass der konzentrierte gemeinsame Einsatz der acht Polizeidirektionen mit dem LKA und dem Landespolizeiamt zu einem Rückgang der Fälle um etwa 25 Prozent geführt hat.

Im Kampf gegen die Einbruchskriminalität setzt die Polizei auf eine Rastermethode. Sämtliche Meldungen über Einbrüche, Verdächtige und sonstige Erkenntnisse laufen seit Oktober beim Landeskriminalamt in Kiel zusammen und werden dort ausgewertet. Die Ermittler suchen nach Übereinstimmungen und kreisen damit einzelne Gruppen ein. Hinzu kommen zahlreiche Kontrollen und Überwachungsmaßnahmen. "Wir können konzentriert Technik und Spezialeinheiten einsetzen", sagt Gutt. Auch die vier Männer, die vor wenigen Tagen festgenommen wurden, waren zuvor wochenlang observiert worden. Die Ermittler unterscheiden zwischen Banden, die überregional oder sogar international tätig sind. Bislang geht die Polizei davon aus, dass die Gruppen weitgehend autonom arbeiten und nicht zentral gesteuert werden.

Das Konzept habe sehr schnell gegriffen, sagte Gutt. Er geht allerdings davon aus, dass der massive Polizeieinsatz noch Monate fortgesetzt werden muss, um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen. "Wir widmen uns dem Problem mit aller Macht", sagt Gutt. "Aber wir brauchen einen langen Atem."

Innenminister Andreas Breitner (SPD) sagte am Freitag: "Der Schlag gegen die Einbrecher zeigt, dass die Polizei ihre Schwerpunkte richtig setzt."

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