Norderstedt
07.01.13

Kreis Segeberg

Aus Henstedt-Ulzburg kommt ein Hilferuf

Bürger fordern schnelles Ende des Verfahrens gegen Bürgermeister Thormählen. Neujahrsempfänge auch in Kaltenkirchen und Bad Bramstedt.

Von Michael Schick und Hans-Eckart Jaeger
Foto: Michael Schick
Neujahrsempfang in Henstedt-Ulzburg am 6.1.2013
Ex-Bürgermeister Volker Dornquast trug sich mit seiner Ehefrau Brigitte in die Unterschriftenliste ein. "Das ist keine Justizschelte", erklärte er

Kreis Segeberg. "Natürlich respektiere ich die Unabhängigkeit unserer Justiz. Aber es ist Zeit für einen Hilferuf, denn seit Monaten kann eine komplette Gemeinde mit immerhin gut 27 000 Einwohnern nicht richtig arbeiten", sagte Volker Dornquast und trug sich gemeinsam mit seiner Frau Birgit in die Unterschriftenliste ein. Dornquast war 21 Jahre lang Verwaltungschef in Henstedt-Ulzburg und kam gestern zum Neujahrsempfang ins Rathaus, um Solidarität für die zu zeigen, die momentan die Arbeit mit viel Einsatz und Kraft erledigen: die amtierende Bürgermeisterin Elisabeth von Bressensdorf und Bürgervorsteher Carsten Schäfer. Sie vertreten Bürgermeister Torsten Thormählen, den der Hauptausschuss vom Dienst suspendiert hatte. Anfang Februar 2012 hatten die Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechung und der Bestechlichkeit sowie der gemeinschaftlichen und gewerbsmäßigen Untreue in besonders schweren Fällen gegen Thormählen begonnen.

Nach mehr als zehn Monaten sei es höchste Zeit, dass die Vertretung der Ehrenamtlichen endet. "Ein Rathaus mit 280 Mitarbeitern braucht eine hauptamtliche Führung", sagte Schäfer, der zusammen mit von Bressensdorf Unterschriften der Bürger sammelte. Die Listen sollen zusammen mit einem Brief an die Staatsanwaltschaft in Kiel geschickt werden. "Wir drängen nicht, aber wir bitten darum, das Verfahren zu beschleunigen", sagte Schäfer.

"Ich habe mehrfach bei der Staatsanwaltschaft nachgefragt, doch die hat mich immer nur vertröstet", sagte Schäfer in seiner Ansprache. Sein Vertrauen in die Arbeit der Behörde sei "stark eingetrübt". Er wolle sich nicht vorstellen, was passiert, wenn ein Abwahlverfahren eingeleitet werden muss. Dann müsse die Gemeinde weitere Monate ohne hauptamtliche Führung auskommen. Immerhin 180 der 400 Besucher, die zum Neujahrsempfang gekommen waren, trugen sich in die Unterschriftenlisten ein. Sie alle hoffen auf eine schnelle Entscheidung im Fall Thormählen.

Damit sei frühestens Anfang Februar zu rechnen, sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen seien aus Sicht der Staatsanwaltschaft abgeschlossen. Thormählens Anwälte hätten Akteneinsicht erhalten. Nun fehle noch die abschließende Bewertung der Staatsanwaltschaft.

Noch bis Mittwoch können sich die Bürger in die Listen eintragen. Sie liegen im Vorzimmer der Henstedt-Ulzburger Bürgermeisterin aus.

Sie und Bürgervorsteher Schäfer verkündeten auch gute Nachrichten: Die Schulden seien mit knapp 945 Euro pro Einwohner im Vergleich zu vielen anderen Orten niedrig. Die Arbeitslosenquote von vier Prozent liege auf einem historisch niedrigen Niveau. Die Vereine und Institutionen leisteten gute Arbeit. Das Verkehrsgutachten ist beschlossen, die Auftragslage der örtlichen Wirtschaft ist gut. Die Lage Henstedt-Ulzburgs nahe Hafen und Flughafen und direkt an der A 7 sei ein sehr positiver Standortfaktor. "Gehen wir mit Zuversicht in das Jahr 2013", rief von Bressensdorf den Gästen zu.

Gute Stimmung herrschte unter den 300 Gästen im Ratssaal von Kaltenkirchen. "Unsere Stadt hat sich als familienfreundlicher Wohn- und Geschäftsort weiter entwickelt", sagte Bürgermeister Hanno Krause. Auch in diesem Jahr soll es voran gehen. Der bereits beschlossene Haushalt ist die Grundlage für die Finanzierung sämtlicher Maßnahmen. Im Kern soll es darum gehen, Investitionen für die Zukunft und somit für Gewerbeansiedlungen, aber auch verkehrliche und soziale Infrastruktur durchzuführen. Gefeiert wurde beim 1. Neujahrsmusikfestival in Kaltenkirchen den ganzen Tag - bei Jazzmusik im Bürgerhaus sechs Stunden lang, außerdem bei Chormusik in der Michaeliskirche und bei Hip-Hop und Rock im Jugendhaus.

"Nur wer Veränderung akzeptiert, kann auch wachsen". Das war die Botschaft von Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt beim Neujahrsempfang im Kurhaus-Theater von Bad Bramstedt. Die Stadt sei eine Stadt des Ehrenamtes: "Sie halten unseren Ort am Laufen in den vielen Vereinen und Verbänden zum Wohle aller Einwohner. Bei uns gibt es menschliche Wärme, Hilfe für Schwache und in Notlagen. Darauf sind wir stolz und das soll auch so bleiben."

Dieser Dank galt auch Monika Zinn, die Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach als erste von vielen zu Ehrenden auf die Bühne rief und ihr Blumen und eine Urkunde überreichte. Die Vorsitzende der Bramstedter Tafel kümmert sich mit ihren Mitarbeitern seit vielen Jahren um notleidende Menschen in Bad Bramstedt und Umgebung. "Mein Wunsch ist es, die Lebensqualität unserer Bürger zu verbessern", sagte Annegret Mißfeldt. "Wer Sport, Kultur oder soziale Projekte unterstützt, der tut etwas für die Lebensqualität. Deshalb gilt: Jede Art von Engagement ist willkommen und zwingend notwendig. Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt."

Viel Beifall erhielten das Vokalensemble "Die 10. Muse" mit ihrem Lied "Komm du schönes Glockenspiel..." und die Sternsinger der katholischen Pfarrgemeinde Jesus Guter Hirt. Gemeindereferentin Hannelore Gregory hatte mit 18 jungen Sängern fünf Strophen des Liedes "Gottes guter Segen sei mit Euch, um euch zu schützen, um euch zu stützen, auf allen Wegen..." einstudiert

Top Bilder
Dulsberg

Zwei Kinder von Kleinwagen angefahren

Sohn sticht auf Freund der Mutter ein

Medien

Die Zeiten ändern sich – die Tagesschau kaum

Hagenbecks Tierpark

So süß sind Hamburgs neue Bärenbabys

Top Videos
Service für Harburg
Finden Sie Ihren Traumjob!
Mieten und Kaufen in Harburg und Umland
Schalten Sie kostenlos Ihre Anzeige
Suchen und Finden Sie Ihre Experten aus Harburg

Alles über Ihre Straße