Norderstedt
29.11.12

Pilot-Projekt

Stadt räumt auch die Radwege in Norderstedt

Pilot-Projekt beim Winterdienst: In diesem Winter werden Auto- und Radfahrer in Norderstedt erstmals gleichberechtigt behandelt.

Von Andreas Burgmayer
Foto: dpa
Schnee im Norden
Grundsätzlich sind die Grundstücksbesitzer gefordert, doch in diesem Winter wird die Stadt auf den 85 Hauptverkehrsstraßen auch die Radwege reinigen

Norderstedt. Für Martin Sandhof, den Leiter des Betriebsamtes, ist das nichts Geringeres als eine Revolution im Norderstedter Winterdienst. In diesem Winter wird das Betriebsamt nicht nur die Fahrbahnen der Haupt- und Nebenstraßen der Stadt für die Autofahrer schnee- und eisfrei halten. Zusätzlich werden auf den 85 Hauptverkehrsstraßen der Stadt auch die Radwege von der Stadt gereinigt. Sandhof: "Wir behandeln Auto- und Radfahrer gleichberechtigt." Der Winter 2012/23 gilt dafür als "Pilot-Winter". Die Erfolge, Misserfolge und Kosten der Aktion sollen dann im kommenden Jahr überprüft werden, bevor über die generelle Einführung der Praxis entschieden wird.

Grundsätzlich sind die Grundstücksbesitzer gefordert, wenn Schnee und Eis über Nacht die Geh- und Radwege überzogen haben: Die weiße Pracht muss weg. "Aber wie illusorisch ist das bitte zu glauben, dass ein Bürger, der an der Ulzburger Straße wohnt und einen drei Meter breiten Geh- und Radweg vor der Tür hat, diesen jeden Tag im Winter frei räumt?", fragt Martin Sandhof. Die Praxis hat den Leiter des Betriebsamtes gelehrt: Das macht kaum ein Mensch - auch wenn die Knöllchen dafür schnell mal Strafen von bis zu 500 Euro nach sich ziehen können. Ganz zu schweigen von den Gefahren, die auf den ungeräumten Radwegen für die Radfahrer bestehen und für die die "Räum-Muffel" dann die Verantwortung tragen. Die letzten Winter hätten gezeigt, dass trotz Öffentlichkeitsarbeit, aufwendiger Kontrolle durch die Wegewarte und Ahndung bei Verstößen gegen vernachlässigte Anliegerpflichten, gerade das zentrale Hauptradrouten-Netz im Winter nicht durchgehend verkehrssicher nutzbar gewesen sei, sagt Sandhof. "Deswegen muss jetzt der Pragmatismus siegen, und wir als Stadt übernehmen das Räumen auf den Radwegen."

Das Budget des Betriebsamtes für den Winterdienst muss dafür zunächst nicht überdehnt werden. Der Winter 2011 sei so mild gewesen, dass noch ausreichend Reserven vorhanden sind. "Wir wollen jetzt schauen, ob wir den Pilotversuch mit unseren Kapazitäten packen oder nicht."

In Norderstedt haben 23 Mitarbeiter vom Betriebsamt schon seit Wochen ihre Winterdienst-Einsatzpläne für den Bereitschaftsdienst. Seit dem 12. November sind alle in Rufbereitschaft. Am Wochenende sollen die Temperaturen stark fallen - der erste Schnee ist angekündigt, die ersten Einsätze stehen ins Haus.

Die Radwege werden mit sechs sogenannten Tremos geräumt, kleinen, wendigen Räumfahrzeugen. Im Ortsteil Glashütte hat das Betriebsamt zusätzlich eine Fremdfirma mit der Räumung beauftragt.

Auf den Straßen sind wie üblich fünf Lastwagen mit Streuvorrichtung auf den mehr als 245 Kilometern Strecke im Stadtgebiet im Einsatz. Für die etwa 80 Hauptverkehrsstraßen, die mit Priorität geräumt werden, benötigen die Lastwagen etwa sechs Stunden Zeit. Dabei verteilen sie bis zu 25 Tonnen Streusalz je Einsatztag.

Dazu kommen die vier Handkolonnen mit je drei Mitarbeitern. Die reinigen Treppen, Brücken, Ampeln und Zebrastreifen.

Für das Team des Norderstedter Betriebsamtes ist der Winter - so er denn hart ausfällt - die stressigste Zeit des Jahres. Auch wenn die Ruhezeiten und der Arbeitsschutz streng eingehalten werden. Den Einsatzbefehl bekommt der Winterdienst immer dann, wenn die beiden "Eiswächter" des Betriebsamtes Alarm schlagen. Sie kontrollieren rund um die Uhr die Lage auf den Straßen, fahren auch mal nachts um 2 Uhr auf eine Kreuzung und messen mit einem Gerät die Eisbildung.

Streusalz ist in Norderstedt kein Problem mehr. Die Stadt hatte 2011 auf dem Hof des Betriebsamtes eine neue Halle gebaut. Und dort lagern derzeit mehr als 1000 Tonnen Streusalz, und es ist Platz für noch mal so viel. "In den 28 Einsätzen im vergangenen Winter haben wir nur 600 Tonnen Salz verbraucht. Mit den 1000 Tonnen kommen wir zunächst gut aus, falls wir mehr brauchen, haben wir langfristige Verträge mit den Salz-Lieferanten", sagt Sandhof.

Der Pilotversuch mit der Räumung der Radwege dürfe jetzt allerdings nicht dazu führen, dass die Anwohner dieser Straßen sich vom Winterdienst befreit fühlen. "Die Bürger haben nach wie vor die Pflicht, die Gehweg sauber zu halten", sagt der Betriebsamtsleiter. Die Wegewarte werden das kontrollieren.

Wer wissen will, ob auf seiner Straße die Radwege von der Stadt geräumt werden, findet eine Liste aller 85 Straßen unter www.norderstedt.de/satzungen

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