Norderstedt
07.11.12

Norderstedt

Chor Harmonie Oering: Es begann in Teegens Backstube

Am Sonnabend feiert der Chor Harmonie Oering sein 125-jähriges Bestehen mit einem großen Jubiläumsfest in der Oeringer Schule.

Von Heike Linde-Lembke
Foto: Gesangverein Harmonie Oering
Der Gesangverein Harmonie Oering feiert sein 125-jähriges Bestehen
Der Gesangverein Harmonie Oering feiert sein 125-jähriges Bestehen

Oering. Der Spruch "Wo man singt, da lass dich ruhig nieder" war den Oeringer Männern klar, machten sie doch genau das mit Inbrunst. Doch die 18 Sangesbrüder setzten noch eins drauf und verwandelten den Spruch des Lieddichters Johann Gottfried Seume in "Wo es warm ist, da lass dich ruhig nieder". Das war vor 125 Jahren in einer Backstube. Lehrer Speck war dabei und Lehrer Rip und natürlich er, Gastgeber Bäcker Teegen. Lehrer Speck gab den Dirigenten, Lehrer Rip war der erste Vorsitzende des Gesangvereins Harmonie Oering.

Jetzt, mittlerweile haben Oerings Frauen die einstige Männerdomäne erobert, feiert der Gesangverein in der Sporthalle der Oeringer Schule am Sonnabend, 10. November, von 18 Uhr an ein rauschendes Chorfest zum 125. Geburtstag, für das sogar das älteste Chor-Mitglied aktiv wird: Malermeister Christian Möck, 89 Jahre alt, streicht die Bühnenpodeste. Oerings Schüler basteln die Dekorationen, die Sether Gärtnerei Stoffers stellt den Blumenschmuck. Der Männerchor Bad Segeberg, der gemischte Chor Elmenhorst, die Oldesloer Singakademie, der Frauensingkreis Seth und die Musikkapelle Kisdorf sorgen fürs Programm.

Vor 125 Jahren allerdings wurde es den Herren zu eng in Teegens Backstube, und sie zogen zum Lehrer um, in die Lehrstube. Die hatte zwar kein Licht, weil die Kinder nur vormittags Unterricht erhielten. Zudem trafen sich die Sänger nur im Winter, und dann war es abends schon stockfinster. Doch auch dafür fanden sie eine Lösung. Sie kauften zwei Petroleumlampen, und die drei Kaufleute unter den Sängern spendierten das Öl.

Wenn viele Holzpantinen über Oerings Kopfsteinpflaster klapperten, wussten die Frauen: Die Männer üben. Mit dabei waren halblange Pfeifen, schließlich sollte es gemütlich zugehen. So, wie bei Kaiser Wilhelms Geburtstag. Dafür brachte "der alte Kruse", auch Butterkruse genannt, aus Hamburg frische Knackwürste mit, aus der Vereinskasse wurde ein Fass Bier bezahlt, und schon ließen die Sänger ihren Kaiser zünftig hochleben.

20 Pfennig zahlten die Chormitglieder monatlich in die Vereinskasse, und wer irgendwann übers Jahr eintrat, musste die vergangenen Monate nachzahlen. Wer allerdings zu spät oder gar nicht zum Übungsabend kam, wurde abgestraft - mit 20 Pfennig fürs Nicht-Erscheinen, mit zehn Pfennig fürs Zuspätkommen.

Noten und Texte der Lieder schrieb einer mit der Hand vom anderen ab, und wer Geburtstag hatte, lud zu sich in die gute Stube nach Hause ein. Feiern in der Gastwirtschaft? Fehlanzeige.

Wie in vielen Vereinen war es üblich, dass dem Großvater Sohn und Enkel folgten. "Schon mein Großvater Hinrich Göttsch sang in unserem Verein", sagt Hartwig Göttsch, heute Vorsitzender der Oeringer Sängerinnen und Sänger.

1914 feierten die Oeringer ein großes Gausängerfest. Das brachte 2000 Mark in die Vereinkasse, eine stolze Summe, von der sich die Sänger einen Ausflug nach Hamburg mit Hagenbeck-Besuch und Hafenrundfahrt leisteten. Doch der Tag, der 28. Juni 1914, sollte das Leben in Europa radikaler verändern als je ein Tag zuvor. Österreichs Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, wurde in Sarajewo ermordet. Auftakt zum Ersten Weltkrieg. Die Lieder verstummten.

Wie ebenfalls bei vielen Vereinen, gibt es auch beim Chor Harmonie nur wenig Informationen über die Zeit des NS-Terrors. Bei Kriegsende versteckte Johannes Teegen die Fahne im Heu, als die Männer aus dem Krieg kamen, baute sich der Verein langsam wieder auf, und am 19. Juni 1960 konnte wieder ein Gausängertag gefeiert werden.

Außergewöhnliche Umbrüche erfordern außergewöhnliche Maßnahmen, und so beriefen die Männer eine "Außergewöhnliche Generalversammlung" ein, als mutige Frauen bei ihnen mitmischen wollten. Die Frauen siegten, der Männerchor wurde am 10. Oktober 1979 zum gemischten Chor. Mit Folgen. Dank des Stimmen- und Repertoire-Zuwachses erhielten die Oeringer am 26. April 1987 die begehrte Zelterplakette. Konzerte und Feste folgten, und heute wird weder beim Bäcker noch in der Schulstube geübt, sondern im Dorfgemeinschaftshaus. Termine wie der Auftritt auf der Landesgartenschau 2011 in Norderstedt werden übers Internet gebucht. Der Chor Harmonie Oering ist im 21. Jahrhundert angekommen.

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