Norderstedt
07.11.12

Norderstedt

Kanadier wollen in Bad Bramstedt nach Gas bohren

Das Erkundungsgebiet verläuft quer durch den Kreis Segeberg. Politiker und Umweltschützer lehnen die umstrittene Fracking-Methode ab.

Von Steffen Lüdke
Foto: dpa
Demo gegen Frackingmethode
Auch in Bötersen wird die umstrittene Frackingmethode bei der Suche nach Erdgas eingesetzt

Kreis Segeberg . Verschmutztes Grundwasser, kleine Erdbeben und brennbares Wasser aus dem Wasserhahn, - das sind die Schreckgespenster, die derzeit durch den Kreis Segeberg geistern. Was durch die Erdölförderung in Teilen der USA längst Realität ist, fürchten nun auch die Menschen rund um Bad Bramstedt. Grund dafür ist die Firma PRD Energy GmbH; der kanadische Energiekonzern will im Erkundungsgebiet Bad Bramstedt nach Erdöl und Erdgas suchen und die Fördermöglichkeiten erforschen. Einen Antrag hat das Berliner Büro des Konzerns bereits gestellt; zuständig ist das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover.

Das Erkundungsgebiet Bad Bramstedt verläuft quer durch den Kreis Segeberg. Von einschließlich Barmstedt im Süden erstreckt es sich über Bad Bramstedt und schließt im Norden von Bornhöved ab. Auch der nord-westliche Rand von Kaltenkirchen und die süd-östliche Hälfte von Neumünster wären betroffen.

Der Grund für die Angst ist das sogenannte Fracking nach Schiefergas. Dabei handelt es sich um eine Methode, bei der aus tiefen Gesteinsschichten Erdgas gefördert wird. Dazu werden Tausende Liter einer "Stützmittelflüssigkeit" aus Sand, Wasser und giftigen Chemikalien in eine mehrere Hundert Meter tiefe Bohrung gepresst. Der hohe hydraulische Druck erzeugt künstliche Risse im Gestein, durch die das Gas nach oben entweichen kann.

Schäden werden vor allem für das Grundwasser befürchtet: So wird nur ein Teil der eingesetzten Flüssigkeit zurückgepumpt, die krebserregenden Chemikalien verbleiben an den Gesteinsrissen und könnten ins Grundwasser sickern. Die PRD Energy GmbH hat jedoch erst einmal nur eine Erkundung des Gebiets beantragt. Für Bohrungen, speziell auch das Fracking, müsste ein Betriebsplan erstellt und ein neuerliches Genehmigungsverfahren durchlaufen werden.

Unter den Segeberger Kreispolitikern formiert sich dennoch bereits der Widerstand gegen die Pläne der Kanadier. Auf der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses wurden die Politiker über die Sachlage informiert. Bis Mitte Dezember soll der Kreis Segeberg gegenüber dem Land Schleswig-Holstein eine Stellungnahme abgeben. Das Kieler Umweltministerium hat dann die Möglichkeit festzustellen, dass "überwiegende öffentliche Interessen der Aufsuchung im gesamten Erlaubnisfeld" die Erkundung ausschlössen.

Arne Hansen (Grüne), Vorsitzender des Umweltausschusses im Kreistag, ist über die Pläne von PRD Energy alarmiert. Er fordert: "Kein Fracking im Kreis Segeberg!" Besondere Hoffnungen setzt er dabei in seinen Parteifreund Robert Habeck. Der neue Umweltminister Schleswig-Holsteins wird bei der Entscheidung ein gehöriges Wort mitzureden haben, auch er sieht das Fracking skeptisch. Bei Amtsantritt setzte Habeck durch, dass eine entsprechende Passage in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurde.

Resolution im Kreistag gegen die Risiko-Technologie geplant

Eine zusätzliche Belastung wären schon die derzeit zur Debatte stehenden Probebohrungen für zahlreiche Landschafts- und Naturschutzgebiete sowie Flora-Fauna-Habitate, die inmitten des Erlaubnisfelds im Kreis Segeberg liegen.

Thorsten Ingo Wolf von der Kreisverwaltung spricht sich in seinem Informationsschreiben an die Politiker deshalb gegen die Erkundungen aus: "Seitens der unteren Naturschutzbehörde bestehen gegen die geplanten Erkundungen und gegen die Realisierung zur Erdgasgewinnung aufgrund der schwer kalkulierbaren ökologischen Risiken für den Naturhaushalt erhebliche Bedenken", heißt es in dem Bericht.

Arne Hansen möchte auf dieser Grundlage möglichst schnell eine Resolution beschließen, wie sie in der vergangenen Woche bereits im ebenfalls von der Thematik betroffenen Herzogtum-Lauenburg verabschiedet wurde.

In der Resolution heißt es: "Der Kreistag stellt fest, dass er den Einsatz dieser Risiko-Technologie nicht billigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um den Einsatz in, an oder abseits von Wasserschutzgebieten geht. Eine großflächige Zerstörung des Untergrundes mit heute nicht absehbaren Folgen ist nicht akzeptabel." Der Text könnte bereits in der nächsten Sitzung des Umweltausschusses am 14. November beschlossen werden. Das letzte Wort hätte jedoch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover.

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