Norderstedt
02.11.12

Katzenfreundinnen

Das Asyl für die Straßentiger in Norderstedt

Katzenfreundinnen Claudia Keck und Tanja Beu geben streunenden Katzenim Norden Hamurgs an der Stormarnstraße eine neue Chance.

Von Andreas Burgmayer
Foto: Andreas Burgmayer
Verein Straßentiger Norderstedt
Während vor der Scheibe das Abendessen für die Katzen vorbereitet wird, warten die Tiere hinter der Scheibe schon ungeduldig

Missy lag irgendwo zwischen Seth und Borstel am Straßenrand. Eine elende Kreatur, abgemagert und schwer verletzt. Eines der vier Beinchen fehlte. Wenn Menschen in Norderstedt oder im übrigen Kreis Segeberg so eine Katze finden, dann klingeln im besten Fall irgendwann die Telefone von Claudia Keck, 45, oder Tanja Beu, 39. Für die Katze bedeutet das nämlich, dass sie jetzt in die allerbesten Hände kommt und die Chance auf ein Überleben hat.

Die beiden Frauen sind Katzenfreundinnen, wie sie sagen. Gemeinsam haben sie 2010 den Verein Straßentiger in Norderstedt gegründet. Weil sie nicht mehr zusehen wollten, wie sich ausgesetzte verwilderte Katzen im Norden Hamburgs unkontrolliert vermehrten, wie sie teilweise jämmerlich zugrunde gingen und sich weder die Tierschutzvereine noch sonst irgendjemand um die Tiere kümmerte.

Claudia Keck brachte Missy, die Katze mit den drei Beinen, zum Tierarzt. "Sie muss erst einmal aufgepäppelt werden. Sie ist so schwach. Eine Operation würde sie in diesem Zustand gar nicht überleben", sagt sie. Die Wunde, die das abgerissene Bein hinterließ, wurde versorgt. Vielleicht sei die Katze Opfer einer Schlagfalle geworden, die illegal sind, aber trotzdem noch häufig aufgestellt werden und in denen nicht selten frei lebende Katzen landen. "Vielleicht ist Missy aber auch nur irgendwo hängen geblieben und hat sich in Panik das Bein ausgerissen", sagt Claudia Keck.

Wenn Missy es schaffen sollte, dann landet sie irgendwann an der Stormarnstraße nahe des Stadtparks. Der Mann von Tanja Beu betreibt dort einen Galvanisier-Betrieb. Während in der Betriebshalle Metall veredelt wird, sitzen in zwei ungenutzten Büroräumen die gestrandeten Katzen in Körbchen in Regalen oder auf Kratzbäumen. Tanja Beu hat die Büros zum Asyl für Straßentiger gemacht.

Ein beißender Geruch, eine Mischung aus Katzenfutter, Medizin und Desinfiziermittel, steigt Besuchern in den Räumen in die Nase. "Das rieche ich schon gar nicht mehr", sagt Claudia Keck. Sie und Tanja Beu verbringen ja auch mehrere Stunden die Woche in den Räumen des Vereins Straßentiger. Und was Gestank angeht, sind sie von den Beschlagnahmen in den Wohnungen von "Tier-Messis" noch ganz anderes gewohnt. Derzeit leben zwölf Tiere im Asyl, die aus einer verwahrlosten Wohnung im Norden Norderstedts gerettet wurden. Die Katzen sind krank und abgemagert. Claudia Keck und Tanja Beu kamen gerade noch rechtzeitig. "Diese Katzenbesitzer meinen es manchmal ja gar nicht böse. Ihnen entgleitet nur die Situation, und die Tiere leiden dann darunter", sagt Keck.

Allein in diesem Jahr haben die beiden 140 Straßenkatzen aufgenommen, kastriert und gesund gepflegt. Über 100 Katzen konnte der Verein schon an neue Halter vermitteln. Darunter sind viele Reiterhöfe in der Region, die einen guten Mauser immer gebrauchen können. Weitere 130 Katzen werden täglich an festen Futterstellen in der freien Wildbahn von Keck, Beu und freiwilligen Helfern des Vereins gefüttert. Besonders scheue oder wilde Katzen, die nicht vermittelbar sind, werden hier auch wieder ausgesetzt.

"Das wichtigste Ziel unserer Arbeit ist es, dass sich die Tiere nicht mehr unkontrolliert vermehren. Über die Kastrationen verhindern wir eine Menge Tierelend", sagt Claudia Keck. Über 20 Stunden in der Woche investieren die beiden Frauen ehrenamtlich in die Sorge um die Straßentiger, neben Job und Familie. Ohne die Spenden von vielen Unterstützern wäre ihre Arbeit nicht möglich.

Um die Kosten für den Tierarzt und für das Futter im Jahr aufzubringen, müssen Keck und Beu 30 000 Euro an Spenden einwerben - Jahr für Jahr. "Fälle, wie der von Missy schlagen natürlich zusätzlich schwer ins Kontor. Die Kosten für die Operation werden nicht günstig sein", sagt Keck. Unermüdlich klären die beiden Frauen Katzenhalter auf. Katzen dürften nicht leichtfertig angeschafft werden, sie müssen kastriert und gechipt werden. Und wer Katzenelend sieht, der sollte sich umgehend an Straßentiger oder ein Tierheim wenden. Gerade auf Höfen vermehren sich die Katzen manchmal unkontrolliert, weil die Hofbesitzer die Kosten für die Kastration nicht aufbringen wollen. "Wir bieten da sogar einen Kostenzuschuss an: Wer seinen Kater kastrieren lässt, bekommt 20 Euro, bei einer Katze sind es 30 Euro", sagt Tanja Beu.

Die Regionalausgabe Norderstedt des Hamburger Abendblatts wird ab sofort jeden Sonnabend in der Rubrik "Wer will mich haben?" eine Fundkatze des Vereins Straßentiger vermitteln. Spenden nimmt der Verein über das Konto bei der Sparkasse Südholstein, Konto-Nummer 510 05 23 84 (BLZ 230 510 30) entgegen.

www.straßentiger-nord.de

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