Norderstedt
27.10.12

Norderstedt

Klartext von der Schwäbischen Alb

Trigema-Chef Wolfgang Grupp sprach beim 12. Abend der Norderstedter Wirtschaft in der "TriBühne" vor mehr als 300 Gästen.

Von Andreas Burgmayer
Foto: Andreas Burgmayer
300 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft lauschten dem Hauptredner an den festlich gedeckten Tischen
300 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft lauschten dem Hauptredner an den festlich gedeckten Tischen

Norderstedt . Wer sich in der Norderstedter Unternehmerschaft vernetzen möchte, der hat jedes Jahr im Herbst einen festen Termin: den Abend der Norderstedter Wirtschaft in der "TriBühne". Zur 12. Auflage des erfolgreichen Gesellschaftsereignisses konnte Norderstedt Marketing am Donnerstag mehr als 300 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft begrüßen.

Nachdem in den vergangenen Jahren Referenten wie Ex-Fußballschiedsrichter Markus Merk, der Publizist und Philosoph Richard David Precht oder der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Manfred Lahnstein im großen Saal der "TriBühne" sprachen, hatte sich Norderstedt Marketing in diesem Jahr den Diplom-Kaufmann Wolfgang Grupp aus Burladingen auf der Schwäbischen Alb eingeladen, den unermüdlichen Kämpfer für die soziale und verantwortungsvolle Unternehmenskultur in Deutschland.

Doch zunächst hatte der Präses der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, Christoph Andreas Leicht, das Wort. Und er nutzte den Anlass, um die Bedeutung der Wirtschaftsregion Norderstedt zu betonen. "Norderstedt und die Kommunen im Zusammenschluss Nordgate sind das wirtschaftliche Herz Schleswig-Holsteins. Hier stellen sich viele Weichen für die Zukunftsfähigkeit des ganzen Landes", sagte Leicht.

Der Abend der Norderstedter Wirtschaft sei als Netzwerk Teil der hohen Qualität des Standortes. Wolfgang Grupp als Hauptredner sei eine gute Wahl. Denn Grupp lebe par excellence vor, was in der deutschen Wirtschaft dringend notwendig sei. "Nicht blockieren und lamentieren, sondern agieren als Unternehmer. Den Mut zum Risiko haben. Dabei das Interesse der Firma und ihrer Mitarbeiter immer oben an stehen lassen. Das ist gute hanseatische Kaufmannstradition - auch wenn Herr Grupp aus Schwaben kommt", sagt Leicht. Die größte Katastrophe in der Wirtschaft und Politik sei es hingegen, "dass jeder mitreden und mitbestimmen, aber nicht dafür haften will."

Wasser auf die Mühlen des schlanken und wie aus dem Ei gepellten Wolfgang Grupp. Mit seiner Textilfirma Trigema ist er der größte Hersteller von Sport- und Freizeittextilien in Deutschland. "Was kein Wunder ist: Wenn man der Letzte im Land ist, ist man immer der Größte", sagt Grupp. Der schwäbische Kaufmann hat es in Burladingen geschafft, seit 42 Jahren "ohne einen Tag Kurzarbeit" zu produzieren. 1200 Mitarbeiter beschäftigt Grupp, er erwirtschaftet mit ihnen einen Umsatz von 82 Millionen Euro im Jahr, wovon 52 Prozent allein für die Gehälter draufgingen, wie Grupp sagt. "Unternehmer die sagen, mit Gehaltsquoten über zehn Prozent könne man am Markt nicht mehr bestehen, können gerne mal nach Burladingen kommen und schauen, wie man mit 52 Prozent vier Jahrzehnte ganz gut zurechtkommt."

Grupp propagiert ein Geschäftsmodell, das weltgewandten Managern in Design-Büros mutmaßlich furchtbar unsexy erscheinen mag. Grupp haftet mit seinem Vermögen für seine unternehmerischen Entscheidungen. Er ist auch mal zufrieden mit dem, was er hat. Er hasst nichts mehr, als gierige, größenwahnsinnige Unternehmer, die ruinöse Entscheidungen treffen, die Firma in die Insolvenz treiben und dann "dem Steuerzahler den ganzen Bettel vor die Füße werfen". Über den Niedergang von Traditionsfirmen wie Schiesser, "die immer 30 Prozent mehr für ihre Unterhose bekommen haben als ich für meine Unterhose", kann Grupp sich schwarz ärgern.

Grupp predigt, dass Wachstum nicht Ausweitung von Kapazität sei, dass Qualität vor Quantität gehe und nicht Stückzahlen, sondern "Innovationen made in Germany" gefragt seien. "Der Chinese oder der Russe kauft uns nichts ab, was wir in Indien oder Bangladesch produzieren lassen. Das hat er selber." Der deutsche Arbeitsplatz sei nicht zu teuer, sondern der Ort, an dem Know-how und Innovation entstehe. Wer Arbeitsplätze ins Ausland auslagert, lässt sich diesen Vorteil nehmen, sagt Grupp.

Viel Beifall erhält Grupp für seine klaren Worte. Zarte Buh-Rufe erntet der schwäbische Kaufmann, als er sein Bild von Frau und Familie in ebenso klaren Klischees skizziert. Familie und Beruf sind unvereinbar für Grupp. Seine Frau habe ihr Medizinstudium abbrechen und sich in den Betrieb eingliedern müssen. "Ich will, dass meine Frau gemeinsam mit mir am Abend müde ist." Die Kinder gehören zur Mutter, denn "das Hirschkalb springt mit der Hirschkuh und nicht mit dem Hirsch durch den Wald".

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