Norderstedt
15.10.12

Kaltenkirchen

Neues Konzept für die Verkehrsgestaltung

Wegen der Radfahrer, die trotz Verbots immer wieder die Fußwege nutzen, muss Kaltenkirchen umdenken. "Shared Space" könnte helfen.

Von Christopher Herbst
Foto: Christopher Herbst
Für Radler ist das Kopfsteinpflaster nicht ganz ungefährlich, zumal sie sich die Holstenstraße mit Autos teilen müssen. Außerdem dürfen Radfahrer die Straße auch entgegen der Einbahnstraße durchqueren
Für Radler ist das Kopfsteinpflaster nicht ganz ungefährlich, zumal sie sich die Holstenstraße mit Autos teilen müssen. Außerdem dürfen Radfahrer die Straße auch entgegen der Einbahnstraße durchqueren

Kaltenkirchen. Die FDP Kaltenkirchen hat die schon seit Jahren bestehende Debatte über das beste Konzept für die Verkehrsgestaltung im Stadtzentrum wieder neu angestoßen. Eberhard Bohn, Fraktionsvorsitzender und Kopf des Ortsverbandes, wird während der nächsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses (23. Oktober, 18 Uhr, Rathaus) bei seinen Kollegen für einen grundlegend anderen Ansatz werben.

"Wir hatten das Thema schon vor drei Jahren im Ausschuss bearbeitet. Damals haben wir uns gesagt, dass wir keine Flickschusterei betreiben, sondern es richtig machen wollen. Jetzt ist es aufgrund der neuen Fahrradweg-Regelung wieder auf die Tagesordnung gekommen, weil die Radfahrer nicht mehr auf den Fußwegen fahren dürfen", sagt Bohn.

Zur Erinnerung: Die Verkehrsaufsicht des Kreises Segeberg hatte bereits im November 2011 als Konsequenz eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts sowie eines daraufhin erfolgten Widerspruchs des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht für fünf Straßen im Kaltenkirchener Zentrum angeordnet. Betroffen waren Holstenstraße, Schmalfelder Straße, Am Markt, Königstraße und Schützenstraße. Zudem dürfen Radfahrer die Holstenstraße auch entgegen der Einbahnstraße durchqueren.

Viele Radler sind trotz des Verbots weiterhin auf dem Fußweg unterwegs

Nur: Es ist für Radfahrer keineswegs angenehm, auf Kopfsteinpflaster zu fahren. Insbesondere, wenn sie sich die Holstenstraße mit Autos teilen müssen. Und so ist es wenig verwunderlich, dass viele Radler trotz Verbot weiterhin auf dem Fußweg unterwegs sind - auch, um unschönen Konfrontationen mit genervten Pkw-Haltern zu entgehen. "Wie können wir das nun vernünftig regeln?", fragt Eberhard Bohn.

Die Liberalen wollen ein Modell aus Barmstedt übernehmen

Es soll eine modernere Lösung geben. Die Liberalen haben sich ein Verkehrsmodell als Vorbild genommen, das unter anderem in Barmstedt (Kreis Pinneberg), aber über Deutschlands Grenzen hinaus insbesondere in den Niederlanden längst Standard ist. Dort wurde in den 90er-Jahren das Konzept "Shared Space" entwickelt. Dieses sieht vor, dass Verkehrsteilnehmer eine Straße gleichberechtigt nutzen. Auf Verkehrszeichen - diese gibt es an der Holstenstraße aktuell genügend -, Ampeln und Fahrbahnmarkierungen wird verzichtet.

Auf Kaltenkirchens Innenstadt übertragen hätte die Realisierung dieser Vorstellung einige Folgen. So würde eine Fläche mit Verbundsteinen das Kopfsteinpflaster ersetzen, sodass sich Autofahrer, Radler und Passanten auf einer Ebene befinden. In Konsequenz würden sich alle maximal mit 10 km/h fortbewegen. "Es würde ein lebendiger Ortsmittelpunkt geschaffen zwischen Bahnhof und Friedenseiche mit dem Grünen Markt und seinen Randgebieten", so Eberhard Bohn. Diese Variante wurde bereits 2009 in einen Rahmenplan "Innenstadt und gesamtstädtisches Verkehrskonzept" integriert, geriet aber in Vergessenheit und wurde durch besagtes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts überholt.

"Eine Straße für alle erhöht die Verkehrssicherheit erheblich"

Der Wunsch der FDP ist es, die momentan noch als Abkürzung genutzte Holstenstraße in eine Art Flaniermeile zu verwandeln - mit Straßencafés, Bepflanzung, weniger Abgasen, weniger Motorenlärm. Die Brems- oder Tempohemmschwellen - umgangssprachlich "Hubbel" - wären dann überflüssig. "Eine Straße für alle erhöht die Verkehrssicherheit erheblich und trägt dazu bei, dass die Innenstadt positiv belebt wird", betont Bohn.

Der Kaltenkirchener FDP-Politiker geht allerdings davon aus, dass der Ausschuss zwar inhaltlich, aber nicht hinsichtlich der Finanzierung einer Meinung sein wird. "Ich vermute, dass die anderen Parteien es ähnlich sehen, es ihnen aber zu teuer ist."

Konkrete Kosten sind schwer zu beziffern. Eine Summe von 1,5 Millionen Euro dürfte aber nötig sein. Bisher sind die Pläne sowieso nur Theorie. Genauso gut könnte der Status quo weiter Bestand haben.

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