Norderstedt

Mit dem Bauschaum-Auto zum TÜV

Foto: Daniela Ricciardi

Der Norderstedter Prüfer Karl-Ludwig Fiegenbaum hat in seinem Berufsleben schon viel Kurioses erlebt

Norderstedt. Ein riesiger Berg Bauschaum auf vier Rädern, ein mobiles Etwas ohne Ecken und Kanten, dafür mit fließenden Linien - ein Objekt für das Kuriosenkabinett. Oder für die Kunsthalle. Aber nicht für die Straße. Warum aber steht dieses Bauschaum-Ungeheuer vor der Halle des Norderstedter TÜV am Hans-Böckler-Ring? TÜV-Prüfer Karl-Ludwig Fiegenbaum hat sich im Laufe seiner 20-jährigen Tätigkeit als Prüfer einiges ansehen müssen, was im wahrsten Sinne des Wortes nicht niet- und nagelfest und deshalb für den Straßenverkehr ungeeignet war. Aber dieses Gefährt? Einfach unglaublich. Er muss mindestens dreimal hingucken, um zu glauben, was er dort sieht.

Der colorierte, aufmodulierte Bauschaum ist ein Projekt des Künstlers Tom Bex: Es soll die Erde symbolisieren. Der Künstler hat ein "mobiles Raumschiff Erde" konzipiert, um auf den fehlenden Respekt der Menschen vor der Natur, aber auch zwischen Mensch und Mensch aufmerksam zu machen. Das ist toll, findet Karl-Ludwig Fiegenbaum, der immer schon großen Respekt vor dem künstlerischen Schaffen anderer hatte. Aber es bleibt die Frage, warum Tom Bex mit seinem kunstgewordenen Bauschaum-Fahrzeug beim TÜV vorstellig wird. Den künstlerischen Aufbau will er sich keineswegs technisch eintragen lassen. Das wäre natürlich denkbar. Aber das ist es nicht: Herr Bex wünscht schlicht eine Motoränderungsabnahme. Denn dieser Mann ist weitsichtig: Die schaumbedingte bautechnische Veränderung hatte der Künstler bereits von einer Werkstatt erledigen lassen. Durch den Schaum ändern sich der Luftwiderstandsbeiwert, die Sichtbarkeit und - ganz besonders wichtig - die Unfalleigenschaft.

Aber das Kunststoff-Vehikel ist nicht das einzige interessante Erlebnis in 20 Jahren TÜV-Zugehörigkeit. Karl-Ludwig Fiegenbaum hat schon viel Erstaunliches über sich ergehen lassen müssen. Und manches ist kaum zu glauben. Zum Beispiel dieses Erlebnis. Er fuhr mit einem Motorrad Probe, das eigentlich um die Ecke hätte getragen werden müssen. "Mir war überhaupt nicht klar, wie der Kunde noch sicher zu uns kommen konnte", erinnert sich der TÜV-Prüfer. Das Lenkkopflager funktionierte nicht mehr richtig, sodass der Lenker schnell auf einer Stellung einrastete. "Das Motorrad hätte man eigentlich nur noch um die Ecke tragen, aber keinesfalls mehr fahren dürfen." Immerhin hat Karl-Ludwig Fiegenbaum in den verschiedensten Positionen schon seit 44 Jahren mit Kraftfahrzeugen aller Art zu tun - früher als Kfz-Meister, jetzt als TÜV-Prüfer.

Neben diversen technischen Absonderlichkeiten erlebt Karl-Ludwig Fiegenbaum aber auch eine Menge Wunderliches im zwischenmenschlichen Bereich. Da gibt es zum Beispiel gelegentlich Kunden, die schlicht den Wunsch äußern, er möchte doch bitteschön nicht so genau hingucken. Und obendrauf gelegentlich mit Zugabe: "Du bekommst auch was dafür!" In allen Fällen allerdings stellt sich der TÜV-Prüfer natürlich stur. Anders geht es nicht. "Wer zum TÜV kommt, der soll auch sicher wieder von unserem Hof fahren. Alles andere wäre kriminell.

Und so gibt Karl-Ludwig Fiegenbaum seinen Kunden auch noch ein paar Tipps für den anstehenden Winter mit auf den Weg: "Die Autos sollten jetzt noch mal hinsichtlich der Beleuchtung, der Scheibenwaschanlage und dem dazu gehörenden Frostschutzmittel sowie der Bereifung kontrolliert werden. Bei den Reifen ist es wichtig, dass die Profiltiefe mindestens vier Millimeter misst, damit sie ordentlich greifen." Und sollte ein Kunde doch noch unsicher sein, dann kann er auch gerne jederzeit zum TÜV nach Norderstedt oder einer anderen Station kommen, um den Wagen für den Winter checken zu lassen.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.