Siag Nordseewerke Geschäftsführer gibt die Hoffnung noch nicht auf

Foto: dapd

NordLB soll Investor-Angebot abgelehnt haben. Der ist aber weiter zu Gesprächen bereit. Zeit wird knapp, Mittel reichen bis Ende Januar.

Emden/Hannover. Investorensuche, Landesbürgschaft und Kredite für neue Aufträge oder Transfergesellschaft: Nichts hat bisher geklappt bei den Rettungsversuchen für die angeschlagenen Siag Nordseewerke im ostfriesischen Emden. Die 750 Beschäftigten des Offshore-Zulieferers schlingern seit der Insolvenzanmeldung im Oktober durch unruhiges Fahrwasser. Kurz vor der Landtagswahl am kommenden Sonntag keimte noch einmal mit dem Angebot eines Investors Hoffnung auf. Doch auch dies liegt jetzt wieder auf Eis.

"Die Gespräche haben sich nicht so einfach gestaltet, wie erhofft", sagte Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) am Dienstag in Hannover. Die Vorstellungen des Interessenten und der NordLB, die als Hauptgläubiger einer Investorenlösung zustimmen muss, klafften noch auseinander. "Das Ergebnis ist nach wie vor offen, aber wir arbeiten daran, einen gangbaren Weg zu finden." Mit der Arbeitsagentur sei Vorsorge für das Einrichten einer Transfergesellschaft und die Schaffung einer Qualifizierungs- und Beratungsgesellschaft getroffen worden.

Emdens Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) sagte: "Das ist ein Stich ins Herz für Emden. Die Nordseewerke stehen seit mehr als 100 Jahren für Tradition und Fortschritt in der Region. Wir hätten hier ein positiveres Ergebnis erwartet für die 750 Mitarbeiter, die nun vor einer ungewissen Zukunft stehen."

Deutliche Kritik kommt von der Gewerkschaft IG Metall, die tausende Arbeitsplätze in Norddeutschland durch eine verpatzte Energiewende in Gefahr sieht. Niedersachsen sei nur in einer Zuschauerrolle, anstatt aktive Wirtschaftspolitik zu betreiben, sagte IG Metall-Sprecher Wilfried Alberts in Emden.

Auch die Siag-Geschäftsleitung sieht die Zeit verrinnen, die dem Unternehmen noch bleibt, wenn das Geld nur noch bis Ende Januar reicht. "Die Fahrt hat in eine Sackgasse geführt", sagte Geschäftsführer Tomas Marutz. Der Interessent DSD Steel habe ein Angebot gemacht, das die NordLB jedoch abgelehnt habe. Nun werde die neue Lage geprüft. "So lange der Investor noch reden will, sehe ich Hoffnung".

Am Nachmittag hatte Marutz gesagt: "Der Investor ist zutiefst schockiert vom Verhalten der NordLB und des Landes, die mit unerklärlichen Veränderungswünschen überrascht hätten." Er hatte zudem kritisiert: "Die Fahrt hat jetzt aber in eine Sackgasse geführt. Die Frage ist, ob das Navi dafür nicht auch schon so eingestellt war." Am späten Nachmittag zog er diese Aussagen zurück.

Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" hatte unter Berufung auf die Landesregierung berichtet, die Gespräche mit DSD seien an zu hohe Forderungen des Unternehmens gescheitert.

Die Grünen im Landtag betonten, es reiche nicht aus, wenn wiederholt die Bereitschaft zu Gesprächen versichert werde, aber nichts passiere. Die Linken forderten die Landesregierung auf, sich mit voller Kraft in die Investorensuche einzubringen.

Ob noch eine Lösung kurzfristig zustande kommt, ist ohne neuen Gesprächstermin fraglich. Für einen Großteil der Siag-Belegschaft hätte das DSD-Angebot ohnehin eine Zitterpartie bedeutet: Von den 750 Mitarbeitern hätten nach dem Angebot nur 240 die Chance auf eine Weiterbeschäftigung.