09.01.13

Niedersachsen

Mehrzahl der Unis sind immer noch für Studiengebühren

Die SPD will die Gebühren abschaffen, wenn sie die Wahl gewinnen sollte. Die meisten Unis fürchten jedoch um die Qualität der Lehre.

Von Sigrun Stock und Marie-Luise Braun
Foto: dpa
Mehrzahl der Unis für Studiengebühren
Studenten protestieren am 28.11.2012 in Osnabrück (Niedersachsen) gegen die Studiengebühren an Hochschulen und für mehr Geld für Bildung (Symbolbild)

Hannover. Die Mehrzahl der Hochschulen in Niedersachsen ist gegen eine Abschaffung der Studiengebühren, die die SPD nach einem Sieg bei der Landtagswahl durchsetzen will. Von den elf Unis sind acht eindeutig gegen die Pläne der Sozialdemokraten. Sie wollen die Studenten weiterhin mit 500 Euro pro Semester zur Kasse zu bitten. Darunter sind die Unis in Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück und Vechta, ergab eine Umfrage. Die Hochschulen befürchten, dass sich die Studienbedingungen verschlechtern, wenn es keinen Ersatz für wegbrechende Einnahmen gibt.

Die Gefahr besteht nach Ansicht der SPD und der Grünen im Landtag nicht."Wir wollen den Hochschulen den Wegfall der Studiengebühren aus Landesmitteln ersetzen. Daher werden sich die Studienbedingungen nicht verschlechtern; aber für die Studenten wird es eine Erleichterung", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Gabriele Heinen-Kljajic. Auch Gabriele Andretta, die im Falle eines SPD-Wahlsieges Wissenschaftsministerin werden soll, hält den Protest der Universitäten unbegründet. Eine Streichung der Studiengebühren werde gegenfinanziert.

Die Hochschulen in Lüneburg und Göttingen möchten sich aus der politischen Debatte heraushalten und sich in dieser Frage gar nicht positionieren. Der Präsident der Uni Hannover, Erich Barke, geht davon aus, dass es zu einer Abschaffung der Gebühren kommen wird: "Es gibt keine Alternativen zur Abschaffung angesichts der derzeitigen Diskussion", sagte er. Seine Uni sei für eine Abschaffung vorbereitet.

Niedersachsen ist mit Bayern das letzte Bundesland, das alle Studenten generell zur Kasse bittet. Im CSU-geführten Bayern zeichnet sich aber bereits ab, dass auch dort die Gebühren keine Zukunft mehr haben.

Studenten protestieren seit Jahren für eine Abschaffung der Semesterbeiträge – sie wollen dies erneut zwei Tage vor der Landtagswahl am 18. Januar in Hannover tun. Erwartet zu der Demo werden mehrere tausend Menschen aus dem ganzen Land. "Mindestens 2500 wollen kommen", sagte Silke Hansmann von der Uni Göttingen. Vertreter der Studentenausschüsse der niedersächsischen Hochschulen betonten am Mittwoch, die 500 Euro pro Semester hielten Kinder aus Familien mit wenig Geld davon ab, ein Studium zu beginnen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte, die Studiengebühren vertrieben junge Menschen aus Niedersachsen. 250 000 junge Menschen hätten das Land seit dem Regierungswechsel zur CDU verlassen, sagte Gabriel der "Nordwest Zeitung". "Das sind 250 000 qualifizierte junge Leute – und die Erfahrung zeigt, wer weg ist, der kommt meistens nicht wieder." Gabriel bezog sich dabei auf Zahlen der Hochschulrektorenkonferenz. Niedersachsen sei das Land, in dem Schüler es am schwersten hätten, einen Aufstieg zu schaffen, sagte Gabriel unter Verweis auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Aus dem Ministerium von Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) hieß es, es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Abwanderung von Studenten und den Studiengebühren. Stattdessen gebe es mit 171 000 Studierenden in Niedersachsen einen neuen Rekordwert. Die Studiengebühren hätten allein im Jahr 2011 den Hochschulen 106 Millionen Euro eingebracht.

An der Uni Hannover etwa fließen zwei Drittel der Studienbeiträge in befristete Verträge für Mitarbeiter, die auslaufen können. Andere Leistungen müssten gestrichen werden, sagt Präsident Barke. "Da werden sich die Studierenden beschweren." Er ergänzt: "Es ist schlimm, dass für den Besuch einer Kita bezahlt werden muss. Denn da müssen alle Kinder hin. Studiengebühren zu bezahlen, finde ich nicht schlimm."

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