Millionen-Betrug bei Otto Bock Untreue-Prozess beginnt ohne den Hauptangeklagten

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Der ehemalige Mitarbeiter soll Otto Bock durch die Abzeichnung überhöhter Rechnungen um rund vier Millionen Euro gebracht haben.

Göttingen. Der Prozess um Millionen-Betrügereien zum Schaden der Firmengruppe Otto Bock hat ohne den Hauptangeklagten begonnen. Der Ex-Mitarbeiter des weltweit führenden Orthopädietechnik-Herstellers aus Duderstadt meldete sich am Dienstag mit ärztlichem Attest langfristig krank. Das Landgericht Göttingen trennte das Verfahren gegen den 51-Jährigen daraufhin ab.

Der ehemalige führende Mitarbeiter der Bauabteilung soll Otto Bock durch die Abzeichnung überhöhter Rechnungen von Handwerksbetrieben in 127 Fällen während der Jahre 2006 bis 2010 um rund vier Millionen Euro gebracht haben. Dafür soll er von den Handwerkern zehn Prozent der Summe in bar kassiert haben. Motiv des 51-Jährigen waren laut Anklage erhebliche Verluste bei Wertpapiergeschäften.

Vor Gericht stand am Dienstag nur der mitangeklagte Inhaber eines Fliesenleger-Fachgeschäftes aus dem Eichsfeld. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Anstiftung zur Untreue in 23 Fällen vor. Das Gericht bot dem Angeklagten nach Angaben eines Sprechers in einem nicht öffentlichen sogenannten Rechtsgespräch mit den Prozessbeteiligten eine Strafe von zwei Jahren zur Bewährung an. Voraussetzung seien ein umfassendes Geständnis und die Versicherung, den von ihm verursachten Schaden in Höhe von rund einer Million Euro auszugleichen. Die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft haben sich zu dem Vorschlag noch nicht geäußert.

Bereits 2011 hatte ein erster Handwerker wegen überhöhter Rechnungen an Otto Bock drei Jahre Haft erhalten. Sein Sohn wurde vom Landgericht Göttingen zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt.