Milliardenprojekt Südweststrom will Investition in Nordsee-Windpark stoppen

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Stadtwerke aus dem Südwesten wollten in der Nordsee Öko-Strom erzeugen. Jetzt verlieren die Versorger die Geduld mit dem Milliardenprojekt.

Tübingen. Der Stadtwerkeverbund Südweststrom wird seine Pläne für ein milliardenschweres Windkraft-Projekt in der Nordsee wohl aufgeben. Der Aufsichtsrat habe sich dafür ausgesprochen, den geplanten Kauf des von Pannen begleiteten Windparks "Bard Offshore 1" nicht weiterzuverfolgen, sagte eine Sprecherin am Mittwoch.

Die endgültige Entscheidung soll bei der Gesellschafterversammlung am 20. November fallen. Der Windpark, der im Moment rund 90 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum errichtet wird, soll klimafreundlichen Strom für 400.000 Haushalte liefern. Es galt jahrelang als sicher, dass Südweststrom die fertigen Anlagen kauft und dann betreibt.

Den ersten kommerziellen Nordsee-Windpark baut der Projektbetreiber Bard aus dem ostfriesischen Emden. Schon 2010 hatte der Stadtwerkeverbund mit Sitz in Tübingen einen Vertrag über den Kauf ausgehandelt. Von da an waren Südweststrom-Vertreter bei allen wichtigen Meilensteinen als Projektpartner vor Ort. Doch tatsächlich zögerte sich die Unterzeichnung des Vertrags immer weiter hinaus.

Inzwischen zeichne sich ab, dass die italienische UniCredit-Gruppe, die das Projekt vorfinanziert, den Windpark nicht vor 2014 verkaufen wolle, sagte Südweststrom-Geschäftsführerin Bettina Morlok dem "Schwäbischen Tagblatt". Außerdem seien die Kosten von anfangs 1,5 Milliarden Euro auf über 2 Milliarden Euro gestiegen - damit sei der Windpark aus Sicht der beteiligten Stadtwerke nicht mehr wirtschaftlich.

Für Südweststrom wäre es bereits das zweite Mal innerhalb weniger Monate, dass ein milliardenschweres Kraftwerksprojekt in Norddeutschland scheitert. Vor knapp drei Monaten hatte der Stadtwerkeverbund seine Pläne für ein Kohlekraftwerk in Brunsbüttel an der Elbe aufgegeben.