19.06.12

Ökosystem

Naturbehörde: bedenklicher Zustand von Nord- und Ostsee

Meeresorganismen und Lebensräume durch intensive Fischerei und Schiffsverkehr immer mehr belastet. WWF will Nationalparks in Meeren.

Foto: picture-alliance / DUMONT Bildar/picture alliance
Blick auf die Insel Sylt. Fischerei und zunehmender Schiffsverkehr belasten die Nordsee immer mehr
Blick auf die Insel Sylt. Fischerei und zunehmender Schiffsverkehr belasten die Nordsee immer mehr

Stralsund. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) attestiert der Nord- und Ostsee einen sehr bedenklichen ökologischen Zustand. Hohe Nähr- und Schadstoffeinträge, die intensive Fischerei und der zunehmende Schiffsverkehr belasteten die Meeresorganismen und Lebensräume, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel am Dienstag auf einer internationalen Meeresschutztagung in Stralsund. Sie forderte einen "Paradigmenwechsel" zu einer nachhaltigen Nutzung der Meere. Die schwerwiegendsten Eingriffe in das Ökosystem Meer gehen nach Einschätzung des Bundesamts von der Fischerei aus. Quotierungen der Fangmengen reichten als Managementsystem nicht aus, um den Schutz der Fischbestände zu gewährleisten, sagte Jessel.

In den Schutzgebieten mit Riffen und Sandbänken müsse auf die Grundschleppnetzfischerei verzichtet werden, weil sie die Flora und Fauna am Meeresboden zerstöre. Zudem sollten in Schutzgebieten räumlich und zeitlich begrenzte Fangverbote gelten, damit sich die Bestände erholen können und um Meeressäuger wie Schweinswale besser zu schützen.

Rund 220 Vertreter von Behörden, staatlichen und nichtstaatlichen Naturschutzorganisationen und Forscher aus 20 Ländern beraten bis Freitag in Stralsund über den Schutz der Meere. Weltweit stehen nach Angaben des BfN erst rund ein Prozent der Meeresfläche unter Schutz. Im Rahmen des Internationalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt sollen bis 2020 zehn Prozent der Meeresfläche unter Schutz gestellt sein.

In den deutschen Hoheitsgewässern – einschließlich der küstennahen Gewässer – sind laut Bundesamt rund 45,4 Prozent der Meeresfläche (Nordsee rund 51 Prozent, Ostsee rund 43 Prozent) geschützte Gebiete. Damit sei Deutschland zwar international führend, allerdings fehlten noch rechtsverbindliche Vorschriften, um den Schutzstatus mit Leben zu füllen. Diese sollen bis 2013 erarbeitet werden. Wie der Meeresexperte Henning von Nordheim sagte, haben Fische heute keine Chance mehr, ihre Maximalgröße zu erreichen. Früher sei der Heilbutt mit einer Größe von zwei Metern in die Netze gegangen, heute seien es 60 bis 70 Zentimeter.

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Der Umweltverband WWF forderte die Einrichtung von Meeres-Nationalparks. Die jetzigen Schutzmaßnahmen seien völlig unzureichend, sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros Jochen Lamp. "Die aktuellen Naturschutzflächen im Meer verdienen ihren Namen nicht. Es sind Schutzgebiete ohne Schutzbestimmungen, die ausgebeutet werden wie vor deren Einrichtung."

Die Wissenschaftler sprachen sich dafür aus, die in Brüssel diskutierte EU-Fischereireform mit Umweltschutzzielen zu verzahnen. "Es muss das Ziel sein, gesunde Fisch-, Krebs- und Muschelbestände innerhalb sicherer biologischer Grenzen zu erhalten sowie andere Meeresorganismen und Lebensräume zu schützen", sagte Jessel. Im Nordostatlantik gelten rund 63 Prozent der Fischbestände als überfischt, rund 20 Prozent bewegten sich außerhalb biologisch sicherer Grenzen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz ist der Ausbau der Offshore-Windenergie, für die das BfN bessere schallmindernde Techniken forderte. Der Einsatz von Blasenschleiern sei Stand der Technik, reiche aber nicht aus, um den Grenzwert von 160 Dezibel in 750 Meter Entfernung von der Rammstelle zu gewährleisten, sagte Jessel. In den deutschen Gewässern seien inzwischen 126 Windparks genehmigt oder im Genehmigungsverfahren. Würden alle in der deutschen Nordsee geplanten Parks gebaut, würden diese rund 20 Prozent der Fläche beanspruchen. (dpa)

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