04.06.13

Hochwasser im Norden

Katastrophenalarm: Schulen in Niedersachsen geschlossen

Für die Unterbringung von 2000 Einsatzkräften aus ganz Niedersachsen bleiben ab sofort sechs Schulen im Landkreis Lüchow-Dannenberg geschlossen. Entlang der Elbe droht Niedersachsen zum Wochenende ein Rekord-Hochwasser.

Foto: dpa

Helfer von Feuerwehr und THW stapeln am Dienstag Sandsäcke in Lauenburg
Helfer von Feuerwehr und THW stapeln am Dienstag Sandsäcke in Lauenburg

Hannover/Lauenburg/Schwerin. An der Elbe in Niedersachsen bereiten sich Katastrophenstäbe auf das erwartete Rekord-Hochwasser vor. Für die Unterbringung von 2000 Einsatzkräften aus ganz Niedersachsen bleiben ab sofort sechs Schulen im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Dies teilte der Einsatzstab des Landkreises am Mittwoch mit. Mehrere hundert Schüler dürfen bis mindestens Freitag zu Hause bleiben. Betroffen sind die Grundschule und die Drawehn-Schule Clenze, das Gymnasium Lüchow, das Fritz-Reuter-Gymnasium Dannenberg, die Oberschule Dannenberg, sowie die Elbtalschule Gartow.

Wegen des erwarteten Rekordhochwassers an der Elbe herrscht im Landkreis Lüchow-Dannenberg seit Dienstagabend Katastrophenalarm. Konkret bedeute das, dass der Landkreis ab sofort für den Einsatz zuständig sei, sagte eine Sprecherin. Helfer seien dazu aufgerufen, Sandsäcke zu füllen, Evakuierungen seien aber bislang nicht geplant. Der Alarm sei aufgrund der Prognosen zu den Pegelständen ausgerufen worden, hieß es. Bislang sei die Elbe im fraglichen Gebiet aber noch nicht stark weiter angestiegen.

Für die Kleinstadt Hitzacker wird abhängig von den Pegelständen der Elbe eine mögliche Evakuierung der Stadtinsel geplant. "Innerhalb der nächsten zwei Tage werden die Pegel rapide ansteigen", sagte ein Sprecher des Einsatzstabes. Mehrere Kreisstraßen an der Elbe seien wegen der Vorbereitungen gesperrt. Feuerwehrleute und freiwillige Helfer befüllten derzeit mehrere hunderttausend Sandsäcke zur Absicherung der Deiche. An der Elbe in Niedersachsen wird zum Wochenende ein Rekord-Hochwasser erwartet.

Am Dienstagmittag wurde in Hitzacker ein Pegelstand von 4,51 Meter gemessen. Für Sonntag prognostiziert das Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg einen Wasserstand von 8,00 Meter für die Kleinstadt – etwa einen halben Meter mehr als 2002. Damals stand Hitzacker komplett unter Wasser. Bis Mittwoch der kommenden Woche könnte der Elb-Pegelstand dort sogar noch auf bis zu 8,80 Meter steigen.

"Wir müssen uns auf eine sehr, sehr ernste Lage gefasst machen", sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) am Dienstag in Hannover. "Ich rechne damit, dass wir Katastrophenalarm ausrufen müssen, auch zur Vorsorge, damit alle Leute zur rechten Zeit am rechten Platz sind." Wann die Elbe in Niedersachsen ihren Höchststand erreichen wird, kann bisher nicht genau gesagt werden. Erwartet wird dies zwischen Donnerstag und Sonntag. "Das hatten wir noch nie, dass wir das so wenig präzise sagen können", betonte Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz.

Lauenburg trifft erste Vorbereitungen für Elbhochwasser

Lauenburg an der Elbe rüstet sich schon für ein Rekordhochwasser. Für Sonntag, 8.00 Uhr, rechnet das Wasser- und Schifffahrtsamt mit einem Pegelstand von 9,79 Metern. Bereits am Sonnabendnachmittag soll die bisherige Höchstmarke von 9,22 Metern aus dem Januar 2011 überschritten werden. Die Stadtverwaltung rief die Bürger am Dienstag dazu auf, sich auf mögliche Evakuierungen einzustellen. Davon wären nach Angaben des Leiters des Bauamtes von Lauenburg, Reinhard Nieberg, vermutlich 200 bis 300 Menschen in der Unterstadt betroffen. Die Feuerwehren aus Lauenburg und Umgebung begannen, Sandsackbarrieren zu errichten.

"Ob bei 9,79 Metern Schluss ist oder das Wasser weiter steigt, wissen wir nicht. Im Moment gibt es keine Vorhersagen, die über Sonntagmittag hinausgehen", sagte Nieberg. Dieser Wert liegt nur neun Zentimeter unter dem höchsten bekannten Wasserstand am Pegel Hohnstorf auf der Lauenburg gegenüberliegenden Seite der Elbe, der am 20. März 1855 gemessen wurde. Normalerweise liegt der Wasserstand hier bei 4,80 Metern.

Am Dienstagmorgen hatte das elektronische Wasser-Informationssystem (Elwis) der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung für die Nacht zum Montag (10. Juni) sogar einen Wert von 10,48 Metern prognostiziert. "Dieser Wert trifft nicht zu, er beruht auf einem Rechenfehler", sagte Nieberg. Doch auch der für Sonntag vorhergesagte Pegelstand von 9,79 Metern sei besorgniserregend. "Wenn wir das nicht in den Griff bekämen, stünde das Wasser 50 bis 75 Zentimeter hoch in der Elbstraße. Vermutlich schon vorher müssten wir die Strom- und Wasserversorgung abschalten", sagte er. Für den Fall der Fälle gebe es bereits Evakuierungspläne. Für Dienstagabend war eine Informationsveranstaltung für die Bürger angesetzt.

Die Feuerwehr füllte unterdessen in zwei Schichten Sandsäcke - insgesamt sollen es rund 50.000 werden. "Außerdem haben wir zehn Hochleistungspumpen beim Technischen Hilfswerk und beim Landesfeuerwehrverband geordert, die wir von Mittwoch an aufbauen werden", sagte Wehrführer Lars Heuer.

Während der Deich vor dem Lauenburger Industriegebiet nach dem Hochwasser von 2006 auf 10,40 Meter erhöht wurde, gibt es für die historische Altstadt noch immer keinen Hochwasserschutz. Land, Kommune und Bewohner konnten sich bislang nicht auf ein Konzept einigen.

Mecklenburg-Vorpommern wappnet sich für Elbeflut

Auch Mecklenburg-Vorpommern wappnet sich für eine neuerliche Elbeflut, fühlt sich dabei aber gerüstet. "Die Hochwasserereignisse haben gezeigt, dass das ertüchtigte Hochwasserschutzsystem der Elbe dem Wasser standhalten konnte", erklärte Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Montag in Schwerin.

Nach Angaben seines Ministeriums wird damit gerechnet, dass der Fluss am Unterlauf zwischen Dömitz und Boizenburg schon zum Wochenende hin merklich anschwellen wird. Beim Jahrhunderthochwasser vom Sommer 2002 war die Flutwelle der Elbe knapp zwei Wochen nach dem Starkregen im Erzgebirge in Mecklenburg-Vorpommern angekommen und drohte die Deiche zum Bersten zu bringen.

In Schwerin berieten Experten über zusätzliche Schutzmaßnahmen im äußersten Südwesten Mecklenburg-Vorpommern. Bei der Elbeflut 2002 waren dort riesige Flächen überschwemmt worden. Wochenlang hatten sich Einwohner und tausende Helfer von Bundeswehr und Hilfswerken gegen die Wassermassen gestemmt. Seither wurde der Hochwasserschutz weiter verstärkt. Zuletzt war im November 2012 ein 500 Meter langer Deichabschnitt bei Dömitz für eine halbe Million Euro saniert worden.

Laut Backhaus wurden im Zeitraum von 2002 bis 2012 im Nordosten rund 52 Millionen Euro für das Hochwasserschutzsystem an der Elbe und ihren Zuflüssen eingesetzt. Die Investitionen summierten sich seit 1991 damit auf insgesamt 96 Millionen Euro. Gut 86 Kilometer Deiche seien ertüchtigt, die Abflussmöglichkeiten bei Hochwasser verbessert worden.

"Hochwassermanagement an der Elbe ist und bleibt eine Daueraufgabe. Einen absoluten Hochwasserschutz wird es aber trotz eines leistungsfähigen Hochwasserschutzsystems, einer guten Vorbereitung auf weitere mögliche Ereignisse und großer Anstrengungen bei der Hochwasserabwehr nicht geben", machte Backhaus deutlich. "Die Natur lässt sich nicht vollständig beherrschen und elementare Naturereignisse lassen sich nur bedingt vorausberechnen."

Kollektenaufruf: Niedersachsen helfen Sachsen

Angesichts des Hochwassers in Sachsen hat die hannoversche Landeskirche ihre Gemeinden zu einer Kollekte zugunsten der Flutopfer aufgerufen. "Die Fernsehbilder führen erschreckend vor Augen, wie schnell Menschen den Naturgewalten hilflos ausgeliefert sein können", sagte Landesbischof Ralf Meister am Dienstag. Da die hannoversche Kirche seit Jahrzehnten eng mit der sächsischen Landeskirche verbunden ist, werde sie sich wie schon bei der Flutkatastrophe 2002 um finanzielle Hilfe bemühen.

(mit Material von dpa)
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