21.02.13

Schleswig-Holstein

Ein Schauspieler an der Kirchenspitze

Gerhard Ulrich war am Theater, bevor er Theologe wurde. Heute will der 61-Jährige Landesbischof der Nordkirche werden.

Von Edgar S. Hasse
Foto: pa/dpa
Bischof Ulrich offiziell ins Amt eingeführt
Von der Schauspielschule auf die Kanzel: Gerhard Ulrich im Schleswiger Dom

Kiel. Gern erzählt Bischof Gerhard Ulrich von jenem religiösen Erlebnis im Hamburger Ernst Deutsch Theater, das sein Leben grundlegend verändern sollte. Der damals 23-jährige Schauspielstudent spielte in dem Stück "Abaelard und Heloisa" mit. Da zitierte eine Kollegin den 139. Psalm, in dem es heißt: "Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir ..." Diese Worte trafen tief in die Seele des jungen Mannes aus Rahlstedt. Statt weiter Theaterwissenschaften zu studieren, begann er 1974 Theologie zu büffeln. Er wurde später Pastor, Direktor des Predigerseminars, Bischof - und will nun noch eine Karrierestufe weiter klettern.

Gerhard Ulrich kandidiert an diesem Donnerstag für das höchste geistliche Amt der Nordkirche, der territorial zweitgrößten in Deutschland.

Der 61-Jährige will Landesbischof für die 2,2 Millionen Protestanten zwischen der Westküste und der polnischen Grenze werden. Er ist der einzige Kandidat und braucht für die Wahl im Lübecker Dom eine Zweidrittelmehrheit. "Ich glaube", sagt der Geistliche, "dass ich in der Lage bin, die notwendige Integrationskraft zu zeigen." Beobachter halten seine Wahl durch die Synode für sicher. Ulrich weiß, worauf er sich einlässt. Auf lange Sitzungen bis in die Nacht. Auf wenig Zeit für seine Familie. Und vor allem: auf viele Fahrten im Dienstwagen. Heute Kiel, morgen Greifswald, danach Hamburg. Allein im vergangenen Jahr hat ihn sein Fahrer im 7er BWM rund 700 Stunden durch den Norden chauffiert.

Der mobile Vorsitzende der Gemeinsamen Kirchenleitung repräsentiert wie kein anderer jenen Fusionsprozess, der die evangelischen Christen aus Vorpommern, Mecklenburg und Nordelbien Pfingsten 2012 unter ein Dach gebracht hat. Gerhard Ulrich war schon Ende der 1990er-Jahre dabei, als das Projekt in den Gremien erstmals diskutiert wurde. Und als es Widerstände gab, warb er vor allem im Nordosten um Vertrauen. Der damalige Propst und spätere Schleswiger Bischof überzeugte mit seiner ehrlichen, offenen, freundlichen Art.

Dass er weder abgehoben noch weltfremd daherkommt, hat viel mit seiner Biografie zu tun. Als Sohn eines Polizisten hat er nie die Bodenhaftung verloren. Und bis heute ist dem Schauspielstudenten von einst die Liebe zum "Publikum" geblieben. Nur sitzen die Zuschauer nicht mehr in den Theatersesseln, sondern auf den Kirchenbänken. Bischof Gerhard Ulrich predigt leidenschaftlich gern. Mit sonorer Stimme und dem Gestus eines selbst Suchenden wirbt er für den Glauben. "Die Wahrheit", sagt er "wächst nicht aus der Hierarchie, sondern aus dem Diskurs - mit der Heiligen Schrift und mit den Menschen."

So versteht Ulrich auch das neue Amt des Landesbischofs. Es vereint zwar Gestaltungsmacht und mediale Aufmerksamkeit. "Aber bei all dem muss bedacht werden, dass es sich um 'Macht' handelt, die von der Gemeinde geliehen ist", betont er. Sicherlich habe der Landesbischof Macht. Daran sei nichts Verwerfliches. "Es ist nur die Frage, wie er diese ausübt." Teamfähig wolle er sein und Ost und West weiter zusammenführen. "Wir werden dann weiterkommen, wenn wir die bestehenden Unterschiede einander zumuten."

Ganz praktisch wird sich bischöfliche Macht darin erweisen, dass Aufgaben an die Sprengelbischöfe delegiert werden. Außerdem entscheidet ein Landesbischof in Fragen der kirchlichen Lehre. Dass Gerhard Ulrich bereits Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) und damit Oberhaupt von zehn Millionen Lutheranern ist, dürfte sein theologisches Gewicht zusätzlich stärken.

Mit seiner Frau, sagt der Kirchenmann, habe er ausführlich über die Kandidatur gesprochen. Bis sie ihren Segen gab. Schließlich wird sich das Familienleben mit den vier Söhnen und einem Enkelkind künftig auch in Schwerin abspielen. Denn dort befindet sich der neue Amtssitz. "Man braucht Mobilität, um in einer Landeskirche unterwegs zu sein, die von Helgoland bis nach Usedom reicht", sagt er. "Und man braucht geistliche Mobilität, um die Menschen mitzunehmen und für das Evangelium zu begeistern." Bis 2019 will der Bischof das leisten. Danach geht's geht in den Ruhestand.

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