16.01.13

Seehäfen-Umschlag zieht an

Niedersachsens Wirtschaft optimistischer

Niedersächsische Wirtschaft blickt optimistischer in die Zukunft und löst damit Begehrlichkeiten bei den Gewerkschaften aus.

Foto: dpa
Hafen von Brake
Eine Generatorgondel wird im Hafen von Brake (Kreis Wesermarsch) auf ein Frachtschiff verladen (Symbolfoto)

Hannover. Der Güterumschlag der Seehäfen steigt, die Zahl der Firmen-Insolvenzen sinkt, und die Unternehmen investieren verstärkt in Weiterbildung: Niedersachsens Wirtschaft blickt wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Das ergab auch eine Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern unter knapp 1800 Unternehmen. "Die Geschäftslage der Unternehmen kann unverändert als gut bezeichnet werden, gleichzeitig wird die künftige Geschäftslage etwas besser beurteilt als noch im Herbst des letzten Jahres", betonte die IHK Hannover in einer Erklärung. "Wir erwarten deshalb, dass die niedersächsische Wirtschaft auch 2013 wächst und rechnen für Niedersachsen mit einem Wachstum von rund einem Prozent."

Die IG Metall sieht damit in den Tarifgesprächen 2013 Spielraum für ein spürbares Lohnplus in der Branche und beim Autobauer Volkswagen. "Wir gehen selbstbewusst in diese Tarifrunden", sagte der Bezirkschef für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Hartmut Meine, in Hannover. Auch er sieht die Wirtschaftslage "generell positiv und stabil". Dies gelte vor allem für den Wolfsburger Autokonzern, für den ein Haustarifvertrag verhandelt wird. "VW steht top da", betonte Meine. Vermutlich könne das Wachstumsniveau der Vorjahre nun aber nicht mehr gehalten werden. Angestrebt werde ein VW-Abschluss, der mindestens auf Flächenniveau liege sowie ein Mitarbeiter-Gewinnbonus.

Im zurückliegenden Jahr sank nach einer Studie der Wirtschaftsauskunftei Bürgel auch die Zahl der Firmeninsolvenzen. In Niedersachsen ging die Zahl um 3,6 Prozent auf 2393 Insolvenzen zurück, in Bremen um 12,2 Prozent auf 231 Fälle. Im relativen Vergleich steht Niedersachsen gut da: Während im Bundesdurchschnitt 92 je 10.000 Unternehmen in die Insolvenz gingen, waren es in Niedersachsen 89 Firmen. Bremen kam auf 102 Insolvenzen je 10.000 Betriebe.

Die größten Risiken für ihr Geschäft sehen die niedersächsischen Unternehmen nach der IHK-Umfrage vor allem in steigenden Energie- und Rohstoffkosten. Eine exportstarke Industrie, das Baugewerbe und der Konsum dürften im laufenden Jahr eine stabile Binnenkonjunktur garantieren, betont die Kammer.

Zu den Branchen mit spürbarer Geschäftsbelebung gehören neben den Banken und dem Dienstleistungssektor die Versicherungen und das Verkehrsgewerbe. Während das Bauhauptgewerbe oder der Großhandel die Lage überwiegend gut oder insgesamt befriedigend nannte, gab sich der Einzelhandel nur knapp zufrieden: "Die Umsätze erreichten im Weihnachtsgeschäft nicht die erhoffte Höhe." Er erwartet insgesamt unverändert stagnierende Umsätze. Die Industrieunternehmen haben die Erwartungen nach oben revidiert: "Der Export wird aufgrund der anhaltend expansiven Märkte in Asien und Amerika weiter zulegen."

Der Trend deckt sich mit dem Umsatzplus der niedersächsischen Seehäfen. Sie haben 2012 ihren Güterumschlag um neun Prozent auf 50,1 Millionen Tonnen gesteigert. Vor allem bei Massengütern, Fahrzeugen oder Stahlprodukten habe der Umschlag zugelegt, sagte Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) in Oldenburg. Die Häfen kämen teilweise an ihre Kapazitätsgrenzen und müssten mit Investitionen in die Infrastruktur weiter ausgebaut werden, sagte der Geschäftsführer der Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen, Andreas Bullwinkel. 2013 sei ein Wachstum von fünf Prozent möglich.

(abenbdlatt.de/dpa)
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