03.01.13

Arbeitsmarkt

Flaute lässt Arbeitslosigkeit steigen

Arbeitslosigkeit legt im Dezember im Vorjahresvergleich weiter zu. Bundesagentur erwartet nach Erfolgsjahr 2012 schwieriges 2013.

Foto: dpa
Arbeitslosenzahl steigt auf 2,840 Millionen
Flaute lässt Arbeitslosigkeit steigen

Nürnberg. Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat 2012 sein bestes Jahr seit 1991 erlebt. Im Sog des europaweiten Wirtschaftsabschwungs hat sich die Lage zum Jahresende aber verschlechtert. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Dezember stärker als für die einsetzende Winterarbeitslosigkeit üblich um 88.000 auf 2,84 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mitteilte. BA-Chef Frank-Jürgen Weise stellt sich daher "auf ein schwieriges Jahr 2013" ein, rechnet aber dennoch nur mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit auf "etwas über 2,9 Millionen". Das wären kaum mehr als 2012. Im zurückliegenden Jahr fiel die Arbeitslosenzahl auf den niedrigsten Stand seit über 20 Jahren.

Die positive Bilanz ist dem guten Start im vergangenen Jahr zu verdanken. Im Jahresdurchschnitt verzeichnete die BA knapp 2,9 Millionen Erwerbslose, fast 80.000 weniger als 2011. Im Jahresverlauf kippte das Bild aber, seit Oktober steigt die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich immer stärker an. Die Abschwächung zeigte sich auch zum Jahresende. Von Schwankungen durch die Jahreszeit bereinigt legte die Arbeitslosenzahl im Dezember um 3000 zu und stieg damit den neunten Monat in Folge.

"In diesem Anstieg zeigt sich die relativ schwache Konjunktur", sagte Weise. Volkswirte bei Banken hatten eine Zunahme um 10.000 erwartet. "Das sind unter dem Strich positive Zahlen", sagte Stefan Schlie von HSBC Trinkaus. "Trotz der konjunkturellen Delle bricht der Arbeitsmarkt nicht weg."

Arbeitslosenquote in Deutschland Dezember 2012StepMap Arbeitslosenquote in Deutschland Dezember 2012


Die Warnsignale für 2013 sind nicht zu übersehen. Das Stellenangebot ist laut BA – wenn auch auf hohem Niveau – seit einem Jahr rückläufig, und die Arbeitslosigkeit steigt beschleunigt an. Für das letzte Quartal 2012 geht die BA wie die meisten Experten von einer sinkenden Wirtschaftsleistung in Deutschland aus. Den Anstieg der Arbeitslosigkeit im zweiten Halbjahr führte Weise auf die schwächere Konjunktur, aber auch auf den "geringeren Einsatz von Arbeitsmarktpolitik" zurück. Weise verwies dabei vor allem auf die Kürzungen bei den Hilfen für Existenzgründungen von Arbeitslosen.

Für dieses Jahr rechnet die BA trotz Wirtschaftsflaute nur mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt. Die Beschäftigtenzahl bleibe womöglich sogar stabil, sagte Weise. Sein Vorstandskollege Raimund Becker sagte, bei der konjunkturellen Kurzarbeit gebe es keine Hinweise auf eine krisenhafte Entwicklung. Die vorsorgliche Anmeldung von Kurzarbeit im Dezember für etwa 45.000 Beschäftigte sei "nichts Atypisches, so dass wir momentan auch keine Warnung geben".

Für 2012 zog Weise eine positive Bilanz. Noch weniger Arbeitslose hatte es zuletzt 1991 im Wiedervereinigungsboom mit damals rund 2,6 Millionen gegeben. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland im Spitzenfeld. Mit fast 41,6 Millionen Erwerbstätigen inklusive der Pendler aus dem Ausland gab es einen Beschäftigungsrekord. Die sozialabgabenpflichtige Beschäftigung stieg laut BA deutlich und lag im Juni mit 28,92 Millionen um 539.000 über dem Vorjahr.

Einsparungen in der Arbeitsmarktpolitik trugen maßgeblich dazu bei, dass die BA das vergangene Jahr voraussichtlich mit einem Überschuss von rund 2,6 Milliarden Euro abschließt. Für dieses Jahr sieht ihr Haushalt ein Defizit von 1,1 Milliarden Euro vor, das aus der Rücklage finanziert werden soll.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach von Zeichen der Eintrübung. "Das Umfeld wird schwieriger, aber wir sind gut gewappnet", erklärte von der Leyen. Die BA habe einen "guten Puffer an Mitteln, um Arbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen und Unternehmen in Schwächephasen bei Kurzarbeit zu unterstützen." FDP-Arbeitsmarktpolitiker Johannes Vogel verwies darauf, dass die schwarz-gelbe Koalition mit der Abschaffung der Praxisgebühr und der Senkung des Beitragssatzes in der Rentenversicherung die Einkommen stabilisiert habe.

Die Opposition warf der Regierung indes vor, sie trage die Verantwortung für die Abschwächung am Arbeitsmarkt. Die steigende Arbeitslosigkeit sei auch "das Ergebnis der Kürzung der aktiven Beschäftigungspolitik", erklärte SPD-Vizefraktionschef Hubertus Heil. Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer forderte, die Weiterbildung für Arbeitslose zu intensivieren. Ihre Linken-Kollegin Sabine Zimmermann nannte einen gesetzlichen Mindestlohn überfällig.

Der komplette Arbeitsmarktbericht für Hamburg als PDF





In Hamburg veränderte sich die Zahl der Arbeitslosen hingegen kaum. Im Dezember waren in der Hansestadt 67.400 Arbeitslose gemeldet. Das waren ebenso viele wie im Monat zuvor, teilte die Agentur für Arbeit am Donnerstag mit. Die Arbeitslosenquote blieb bei 7,1 Prozent. Auch gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ergab sich keine nennenswerte Veränderung. Für das Gesamtjahr schließe der Arbeitsmarkt mit einer guten Bilanz, sagte der Chef der Arbeitsagentur, Sönke Fock. So reduzierte sich der durchschnittliche Bestand an Arbeitslosen um fast 2000 Personen auf 70.435 im vergangenen Jahr. Die Arbeitslosenquote sank von Januar bis Dezember von 7,8 Prozent auf 7,1 Prozent. Gleichzeitig gebe es so viele Beschäftigte wie noch nie.

In Mecklenburg-Vorpommern waren am Jahresende 101.300 Menschen auf der Suche nach einem Job. Das sind 6300 mehr als im November. Die Erwerbslosenquote stieg von 11,2 auf 12 Prozent.

Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat sei im Wintermonat Dezember saisonal typisch, so die Arbeitsagentur. Er fiel aber stärker aus als 2011. Die nachlassende wirtschaftliche Dynamik mache sich bemerkbar. Die Unternehmen seien zurückhaltend bei Neueinstellungen. Insgesamt zeige sich der Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern aber nach wie vor robust. Im Vergleich zum Dezember 2011 seien jetzt 3300 Menschen weniger arbeitslos.

(rtr/dpa)
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