04.12.12

Wittenburg

Neues Ferienzentrum vor Hamburgs Toren

Niederländische Van-der-Valk-Gruppe plant Urlaubsanlage an Skihalle in Wittenburg. Mit Einkaufsmeile und Golfplatz.

Von Melanie Wassink
Foto: Hamburger Abendblatt/Andreas Laible
Schneevergnügen in der norddeutschen Tiefebene: 330 Meter lang ist die Piste der Skihalle in Wittenburg. Künftig sind weitere Freizeitangebote geplant
Schneevergnügen in der norddeutschen Tiefebene: 330 Meter lang ist die Piste der Skihalle in Wittenburg. Künftig sind weitere Freizeitangebote geplant

Wittenburg. Bob van den Nieuwenhuijzen muss eine Menge Geduld haben. Der Niederländer ist unfreiwillig zum Krisenmanager geworden, und das im beinahe noch jugendlichen Alter von 27 Jahren. Der Spross der einflussreichen Hoteliersfamilie Van der Valk wohnt seit vier Jahren Hunderte Kilometer entfernt von seiner Heimat in Wittenburg, leitet dort als Geschäftsführer die Skihalle und hatte in den vergangenen Monaten so einige Rückschläge zu verkraften. Erst die Nachwehen der Insolvenz des bisherigen Eigentümers, dann eine Zwangspause für eine komplette Saison, weil er die Halle wegen Statikproblemen umbauen musste. Die Kunden waren und sind nach diesen Negativmeldungen irritiert: Noch immer kommen zu wenige Gäste, um die Skipiste gut 70 Kilometer östlich von Hamburg auf Dauer wirtschaftlich betreiben zu können. Schließlich häufen eine tägliche Schneeproduktion von 200 Kubikmetern, die Lifte, die Pistenpräparation und eine umfangreiche Alpenbewirtung einige Kosten auf.

Doch nun reißt der Niederländer mit der milliardenschweren Gastronomiegruppe im Rücken das Steuer herum: Er plant in Wittenburg rund um die Wintersporthalle eines der größten Tourismusprojekte der Region. Die Pläne sind äußerst ehrgeizig: Insgesamt 60 Millionen Euro will die Van-der-Valk-Gruppe investieren, in eine komplett neue Urlaubsdestination ein paar Hundert Meter entfernt von der A 24. Zwar lockt die Skihalle etliche Sportbegeisterte an - mit All-inclusive-Preisen von 49 Euro für einen Tag mit Ausrüstung und Gratisverpflegung. Und auch zahlreiche Skiteams aus aller Welt bereiten sich auf der 330 Meter langen Kunstpiste, die zu den steilsten der Welt gehört, auf die Wettkampfsaison vor.

"Doch auf Dauer ist es schwierig, hier einen solchen Freizeitpark zu betreiben", begründet Bob van den Nieuwenhuijzen die Entscheidung für die weiteren Investitionen rund um die Halle, die von dem Hamburger Klima- und Kältetechnikunternehmer Hans-Gerd Hanel gebaut worden und dann in die Pleite gerutscht war. "Wir sitzen eben nicht in einem Ballungsraum, deswegen müssen wir die Attraktivität des Standorts steigern", sagt der junge Mann mit dem welligen dunklen Haar mit Blick auf die Skihalle in Bottrop. Denn diese gehört ebenfalls seiner Familie und zieht mit 200 000 Besuchern im Jahr knapp doppelt so viele Gäste an wie die überdachte Piste in Wittenburg.

Und das ist in der Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim geplant: Das bestehende Hotel soll auf 240 Betten wachsen, daneben werden 130 zum Teil reetgedeckte Ferienhäuser für nordisches Flair sorgen. Außerdem sollen sich die Gäste nicht nur in der Skihalle vergnügen - während die Schneefans auf die Bretter steigen, sollen sich die Freiluftliebhaber auf dem Golfplatz messen. Wer genug vom Sport hat, kann im Shoppingcenter mit 90 bis 120 Geschäften stöbern, danach ist Entspannung im Schwimmbad und in der Wellnessoase angesagt. Voraussichtlich wird es vier bis fünf Jahre dauern, bis das Vorhaben verwirklicht ist.

Auch die Zahl der Mitarbeiter wird sich erheblich erhöhen. Während bisher rund 150 Beschäftigte in der Skihalle Brezeln backen, Bier ausschenken, Skier anpassen oder Anfängern die Schwungtechnik beibringen, soll die Zahl der Stellen in dem neuen Projekt auf 1000 steigen. "Wittenburg Village", wenn es denn von den Behörden durchgewinkt wird, dürfte damit zu einem der größten Beschäftigungstreiber in der Region aufsteigen. Bisher liegt die Arbeitslosenquote im Land bei gut elf Prozent, und die Probleme auf den Werften in Stralsund und Wolgast verschärfen die Lage auf dem Arbeitsmarkt zusätzlich. In der Region macht sich dennoch Unmut über die Pläne breit, denn der Einzelhandel in Schwerin fürchtet Umsatzeinbußen.

"Wir werden durch das Ferienzentrum die Dauer und die Zahl der Besuche steigern können", sagt Bob van den Nieuwenhuijzen zu den strategischen Zielen der Investition. Bisher führen beispielsweise die Hamburger nur ein- bis zweimal im Jahr in die Skihalle, künftig planten sie wohlmöglich häufigere und längere Aufenthalte. "Das Konzept soll sich selber tragen", sagt der Urenkel der Gründer Martinus und Riek Van der Valk, die 1935 mit der Eröffnung eines Ausflugslokals im holländischen Voorschoten den Grundstein legten für das Unternehmen (siehe Beistück). In der Familie liegt übrigens auch die Begeisterung für das Skifahren. Nachdem die Großmutter von Bob van den Nieuwenhuijzen entführt worden war, zog sich der Patriarch in die Schweiz zurück. "Dort haben wir uns natürlich regelmäßig auf der Piste getroffen", erinnert sich der sportliche Kaufmann.

Als Co-Investor, unter anderem für das Einkaufszentrum, hat Van der Valk bereits den niederländischen Immobilienfonds Ontwikkelfonds gewonnen. Auch dieses Unternehmen ist in der Freizeitbranche, aber auch in der Entwicklung großer Wohn- und Handelsprojekte aktiv.

Für den Tourismus im Land birgt das Zusammenspiel dieser Investoren großes Potenzial: Immerhin betreibt die Van-der-Valk-Gruppe mit dem Resort Linstow an der Mecklenburgischen Seenplatte bereits eine der größten Ferienanlagen des Nordens mit 2500 Betten. "Dort erreicht die Gruppe eine Auslastung von 75 Prozent", sagt der stellvertretende Geschäftsführer der Skihalle Wittenburg, Volker Wünsche, der auch diese Anlage mit aufgebaut hat.

Bisher zählt Mecklenburg-Vorpommern 27 Millionen Übernachtungen von Gästen im Jahr und liegt damit in der Rangfolge der Bundesländer auf Platz sechs, es gibt also noch etwas Nachholbedarf. Doch bis Bob van den Nieuwenhuijzen auch in Wittenburg täglich Hunderte von Gästen in seinem neuen Urlaubsresort begrüßen kann, wird es noch eine Weile dauern. Aber seine Geduld hat der Manager bisher ja schon unter Beweis gestellt. Und etwas Ablenkung von der Arbeit hat er auch: "Ich gehe jeden Tag nach Feierabend Ski fahren."

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