29.11.12

Kiel/Odense

Forschungsprojekt: So sehen Dänen aus

Forschungsprojekt an Universitäten in Kiel und Odense will herausfinden, welches Bild die Nachbarn im Norden voneinander haben.

Von Ludger Fertmann
Foto: ddp images
Wickie und die starken Männer / Chiisana Viking Wickie
Kleiner Mann, große Wirkung: Wickie hat das Bild der Dänen in Deutschland maßgeblich beeinflusst

Kiel/Odense. Von wegen Morden im Norden: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat gestern in Kiel einen Vertrag mit dem Bund Deutscher Nordschleswiger unterzeichnet, der der deutschen Minderheit im benachbarten Dänemark bis zum Jahr 2016 jährliche Zahlungen von 1,9 Millionen Euro garantiert. Umgekehrt trägt auch die dänische Regierung mit Steuergeld für ihre Minderheit in Deutschland zum Frieden im Grenzgebiet bei. Begleitet wird diese Maßnahme von einer Studie an den Universitäten in Kiel und Odense, die herausfinden wollen, was die Deutschen über die Dänen und die Dänen über die Deutschen denken - inklusive der seit Jahrzehnten gepflegten Vorurteile.

Prof. Jörg Kilian, Germanist der Uni Kiel und Projektleiter auf deutscher Seite, spricht natürlich nur ungern von Vorurteilen und Klischees. Sondern lieber von Stereotypen. Doch auch er kennt natürlich die üblichen Sprüche "über Bockwurstdeutsche und Pölserdänen". Wie seine Kollegin Prof. Erla Hallsteinsdottir von der süddänischen Uni Odense möchte er genauer wissen, wie sich die Bilder in den Köpfen verändert haben - nicht nur unter dem Eindruck der beliebten Filme um den kleinen Zeichentrickwikinger Wickie, sondern vor allem auch durch Faktoren wie die deutsche Einheit oder die Wiedereinführung dänischer Grenzkontrollen.

Kilian hält es für "völlig normal", dass es Sprüche und Einstellungen gibt, die auch heute noch von Generation zu Generation weitergegeben werden: "Wir Menschen brauchen Orientierung, um uns Fremden gegenüber positionieren zu können." Das habe auch immer mit der eigenen, leichten Aufwertung und ein bisschen mit der Abwertung des Anderen zu tun: "Entscheidend ist, dass das nicht böse gemeint ist und oft einen ironischen Unterton hat."

Bitterbös ironisch ist es nach dem Zweiten Weltkrieg losgegangen. Als im deutschen Grenzgebiet die Vokabel von den "Speckdänen" erfunden wurde. Gemeint waren Einwohner, die 1945 auf einmal dänische Wurzeln oder eine dänische Gesinnung bei sich entdeckten - vor allem deshalb, weil die dänische Minderheit in den Hungerzeiten regelmäßig Unterstützung aus den skandinavischen Nachbarländern erhielt: den sprichwörtlichen Speck eben. In den 50er-Jahren dann wurden mit der Bonn-Kopenhagener Erklärung die Minderheitenrechte auf beiden Seiten der Grenze völkerrechtlich geregelt. Den Süd-Schleswigschen Wählerverband SSW befreite man von der Fünf-Prozent-Hürde bei Landtagswahlen.

Die Zahl der Speckdänen respektive der Stimmen für den SSW aber schrumpfte mit dem wachsenden Wohlstand in Deutschland, und erst zum Ende der 80er-Jahre gewann die Partei neue Wähler. Höhepunkt der Veränderung war die Bildung einer Koalition aus SPD, Grünen und SSW nach der Landtagswahl im Mai 2012. Seitdem ist die dänische Minderheit mit Anke Spoorendonk als Justizministerin erstmals an einem deutschen Kabinettstisch vertreten.

Kehrseite der Medaille: Jetzt klagen Mitglieder der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union vor dem Landesverfassungsgericht gegen die Dänen-Ampel. Die Begründung: Der SSW habe sich von der Minderheiten- zu einer Regionalpartei entwickelt, womit die Befreiung von der Fünf-Prozent-Hürde nicht mehr gerechtfertigt sei. Spötter in Kiel erzählen seit Jahren von den "Goldenen Wasserhähnen" in den Schulen der dänischen Minderheit, die dank der Förderung von gleich zwei Regierungen privilegiert seien. Andererseits sind die Schulen der Minderheit vermutlich genau deshalb auch bei deutschen Eltern so beliebt.

Mit der großen Politik und Verfassungsfragen hat das auf drei Jahre angelegte deutsch-dänische Forschungsvorhaben allerdings höchstens indirekt zu tun. Professor Kilian und seine Kollegen wollen "gesichertes Wissen" über Stereotype als Grundlage für neue Marketingstrategien von Firmen nutzen, die derzeit noch Probleme haben, im jeweils anderen Land ihre Ware zu verkaufen. Es gibt eben deutliche Mentalitätsunterschiede. Das gilt auch für die Arbeitgeber im Grenzgebiet - Ergebnisse der Studie könnten ihnen Hinweise für einen besseren Umgang miteinander am Arbeitsplatz geben: "Wir wollen wissen, wie die Deutschen und Dänen ticken im wechselseitigen Verhältnis."

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