Geschlossene Apotheken Zweistündiger Protest gegen Sonderrabatt an Krankenkassen

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Krankenkassen beharren auf Sonderrabatt von 2,05 Euro pro Medikament, den ihnen die Apotheken auf zwei Jahre befristet eingeräumt hatten.

Schwerin. Die meisten Apotheker in Mecklenburg- Vorpommern haben am Freitag für einen Warnstreik zwei Stunden ihre Läden geschlossen. Die Beteiligung habe vielerorts bei 80 bis 100 Prozent gelegen, sagte der Geschäftsführer des Apothekerverbandes im Land, Heinz Weiß, der dpa. Mit der Geschäftsschließung wollten die Apotheker den Krankenkassen deutlich machen, dass sie das vor zwei Jahren eingeführte "Sonderopfer" zur Entlastung der Kassen nicht länger akzeptieren.

Die Apotheken haben den Kassen auf zwei Jahre befristet für jede Medikamentenpackung einen Rabatt von 2,05 Euro eingeräumt. Bis Ende 2010 waren 30 Cent weniger festgesetzt. Die Sonderregelung zugunsten der Krankenkassen läuft Ende Dezember aus. Die Krankenkassen aber wollen den erhöhten Rabatt beibehalten. Angesichts des 22-Milliarden-Plus bei den Krankenkassen verweigern die Apotheken dies.

"Wir wollen nichts anderes, als dass das Gesetz angewendet wird", sagte Weiß. Die Apotheken würden 2013 erstmals nach acht Jahren eine Anhebung der Honorare pro Medikamentenpackung um 3 Prozent beziehungsweise 25 Cent erhalten. Diese erhöhte Vergütung würden sich die Kassen gleich wieder holen wollen. Die Apotheken haben Weiß zufolge derzeit keine Luft, ihren Mitarbeitern wenigstens einen Inflationsausgleich zu zahlen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 408 Apotheken mit 2500 Beschäftigten.

Der Warnstreik sei auf die Zeit zwischen 13.00 und 15.00 gelegt worden, weil dann erfahrungsgemäß nur wenige Patienten lebenswichtige Medikamente holen, hieß es. Allerdings sei die Versorgung dringender Fälle auch in dieser Zeit gesichert gewesen.

Mecklenburg-Vorpommern ist bei den Arzneimittelausgaben bundesweit Spitzenreiter. Im Schnitt 494 Euro pro Patient zahlten die Krankenkassen im vergangenen Jahr, wie aus dem Arzneimittel-Atlas des Forschungsinstituts IGES und des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hervorgeht. Demnach lagen die Medikamentenkosten im Nordosten um fast die Hälfte höher als in Bayern, wo je Kassenpatient 342 Euro anfielen.