22.11.12

P+S-Werften

Insolvenzverwalter will bis Dezember Kaufvertrag

Nach Gläubigerausschuss: P+S Werften werden wahrscheinlich an neuen Investor verkauft. Interimslösung für Werft in Stralsund gefunden.

Foto: pa/dpa/dpa-ZB
Gläubigerausschuss P+S Werften
Gläubigerausschuss der P+S-Werften trat heute erstmals nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf der Peene-Werft zusammen.

Wolgast. Der Verkauf der insolventen Peene-Werft in Wolgast an einen neuen Investor wird immer wahrscheinlicher. Bis Ende November würden mehrere Interessenten verbindliche Kaufangebote für die Werft mit derzeit 400 Beschäftigen vorlegen, sagte der Insolvenzverwalter der P+S-Werften, Berthold Brinkmann, am Donnerstag nach der Sitzung des Gläubigerausschusses in Wolgast. Er hoffe, dass auf der nächsten Sitzung des Gläubigerausschusses am 17. Dezember über den Kaufvertrag entschieden werden könne. "Das ist sehr ehrgeizig, aber das ist unser Ziel." Für die Werft in Stralsund soll als Interimslösung eine Betreibergesellschaft "Volkswerft" gegründet werden, um Arbeiten an begonnenen Schiffbauprojekten fortzusetzen.

Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die vorpommerschen P+S-Werften trat der Gläubigerausschuss heute erstmals auf der Peene-Werft in Wolgast zusammen.

Der Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann informierte den Ausschuss über den Stand der Verkaufsbemühungen und die Verhandlungen über den Weiterbau von begonnenen Schiffbauprojekten für die insolventen Werften in Wolgast und Stralsund. Während für Wolgast mit Lürssen, ADM und Tamsen inzwischen drei Kaufinteressenten bekannt sind, gestaltet sich die Lage für den Standort Stralsund weitaus schwieriger.

Die Stralsunder Werft benötigt dringend Geld, um die im Baustadium weit fortgeschrittenen Schiffe für die dänische Reederei DFDS weiterbauen zu können. Mit dem Projekt, das Arbeit für ein halbes oder dreiviertel Jahr sichern würde, bliebe die Werft attraktiv für mögliche Investoren. Bislang gab es keine Signale für einen Massekredit, den die EU als Abwicklungsbeihilfe genehmigen könnte. Auch ist bislang unklar, ob die dänische Reederei DFDS bereit ist, die Fertigstellung vorzufinanzieren. Brinkmann führt dazu derzeit Gespräche mit dem Besteller. In einem solchen Fall müssten die Zahlungen durch staatliche Bürgschaften abgesichert werden.

In Stralsund sind bis auf rund 200 Mitarbeiter aus Kernverwaltung und Konstruktion rund 1000 Schiffbauer in eine Transfergesellschaft gewechselt. Auf der auf den Behörden- und Marineschiffbau spezialisierten Peene-Werft waren zum 1. November rund 110 Mitarbeiter in die Auffanggesellschaft gewechselt.

Die Gläubiger haben eine Frist bis zum 14. Dezember 2012, um ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anzumelden. Die Werften sehen sich mit möglichen Forderungen von mehr als einer halben Milliarde Euro konfrontiert.

P+S – Das Auf und Ab der Werften

Chronologie der P+S-Werften

1948 wurden die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast gegründet.

1992 übernimmt die Bremer Hegemann-Gruppe die einstige Marinewerft in Wolgast. Jahrelang hat die Peene-Werft volle Auftragsbücher.

Juli 2007: Die Hegemann-Gruppe übernimmt die Volkswerft Stralsund. Sie will in die Produktion besonders großer Containerschiffe einsteigen.

Februar 2009: Infolge der Wirtschaftskrise werden in beiden Werften die Aufträge knapp. Reedereien stornieren Schiffsneubauten.

März 2009: Hegemann kündigt die Umstellung auf den Spezialschiffbau an.

Juni 2009: Finanz- und Wirtschaftsministerium geben grünes Licht für eine Bürgschaft über 9 Millionen Euro.

Juni 2010: Die beiden Werften stellen sich unter dem Namen P+S- Werften neu auf. Die Hegemann-Gruppe hält einen Anteil von 7 Prozent, die HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft ist mit 93 Prozent beteiligt.

August 2010: Die Belegschaften erklären sich zu kostenloser Mehrarbeit bereit, um die weitere Sanierung der Werften zu sichern.

August 2011: Die P+S-Werften erhalten einen weiteren Millionenauftrag über den Bau von zwei Offshore-Installationsschiffen.

März 2012: Land, Bund und Banken einigen sich auf Unterstützung bei der Finanzierung von Schiffbauaufträgen. Grund sind die teureren Spezialschiffe.

Mai 2012: Ein Finanzloch von 200 Millionen Euro gefährdet den Fortbestand. Das Land ist grundsätzlich zu erneuter Hilfe bereit, braucht aber die Zustimmung der EU und sieht auch Bund, Banken, das Unternehmen und die Belegschaft mit in der Verantwortung.

Juni 2012: Es stellt sich heraus, dass fast 300 Millionen Euro Umstrukturierungsbeihilfe nötig sind. Die Mitarbeiter erklären sich bereit, sich an der Rettung mit 68 Millionen Euro zu beteiligen. Schwerin sagt ein Darlehen von bis zu 152,4 Millionen Euro zu.

Juli 2012: Die EU-Kommission genehmigt die staatliche Garantie für die P+S Werften unter Vorbehalt.

August 2012: Der frühere Airbus-Manager und Sietas-Werftsanierer Rüdiger Fuchs wechselt als Unternehmenschef an die Spitze der P+S-Werften. Er deckt größere Probleme als bisher bekannt auf, darunter Lieferverzögerungen für Scandlines-Fähren und zwei Spezialfrachter.

20. August: Das Land stoppt die Hilfen.

1. November: Gut zwei Monate nach dem Insolvenzantrag für die P+S-Werften eröffnet das Amtsgericht Stralsund das Insolvenzverfahren. Die Gläubiger haben Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe, auch das Land.

 Quelle: dpa

dpa/mv
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