"Karibik-Verfahren" Mutmaßliche Kokainschmuggler geständig

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Einer der Angeklagten gab in Flensburg Einblicke in das umfangreiche Drogengeschäft mit Yachten zwischen Südamerika und Europa.

Flensburg. Drei mutmaßliche Drogenhändler haben im "Karibik-Verfahren" um tonnenweisen Kokainschmuggel vor dem Landgericht Flensburg am Dienstag weitreichende Geständnisse abgelegt. Einer der Angeklagten war zuvor mit der Kammer zu einer Verständigung gelangt, wonach er eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn bis maximal elf Jahren erhält, wenn er ein glaubhaftes Geständnis ablegt.

Die drei Männer, die von der Insel Föhr, aus den Niederlanden und Südafrika stammen, sollen das Kokain von Südamerika nach Europa gebracht haben. Laut Anklage haben sie seit 2008 mit weiteren Beteiligten auf Schiffen regelmäßig Rauschgift eingeschmuggelt. Beim vierten Drogentransport war Schluss: Im Juli 2011 wurde eine Yacht auf der Karibikinsel Sint Maarten mit mehr als einer Tonne Kokain an Bord von der französischen Küstenwache aufgebracht.

Der niederländische Angeklagte, der die höchste Strafe zu erwarten hat, gab umfassende Einblicke in das Drogengeschäft zwischen den Kontinenten. Er habe sich in der Karibik ab 2006 eine Charterfirma mit Booten aufgebaut und einen Lebensmittelimporteur kennengelernt, der ihn fragte, ob er an Drogentransporten interessiert sei. Eine Million Euro sollte der Niederländer dafür bekommen, "und das fand ich einfach ganz viel Geld".

Zwischen 500 und 1000 Kilogramm Kokain sollen mit Yachten über den Atlantik nach Europa gebracht worden sein. Der südafrikanische Angeklagte soll nur Teilstrecken der Fahrten übernommen haben. Von seiner illegalen Fracht habe er nichts gewusst, bestätigte der Niederländer und stellte sich als Unterstützer des finanziell schlecht gestellten Südafrikaners da: Er habe es für den Jüngeren als "gute Chance, ein bisschen Geld zu verdienen", gesehen.

Angst hat der Niederländer bei seinen Geschäften nicht gehabt. Von den venezolanischen Auftraggebern sei er immer korrekt behandelt worden. "Die waren sehr zufrieden mit meiner Arbeit." Die Kommunikation sei über immer neue Telefonnummern und Mails gelaufen. Der Südafrikaner sagte, er sei bei Treffen oder Planungen nie dabei gewesen. Er habe unter dem Eindruck gestanden, "dass Kokain etwas für die Reichen und Schönen war". Inzwischen wisse er es besser: "Ich bereue von ganzem Herzen, was ich getan habe."