Zivilprozess

Schmerzensgeld für Lea-Marie von Kreis Güstrow gefordert

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Jahrelang waren ihr ätzender Kalkreiniger und Essigessenz eingeflößt worden. Nun soll der Landkreis Güstrow Schmerzensgeld zahlen.

Rostock. Die heute neunjährige Lea-Marie aus Teterow, die jahrelang von ihrer Mutter schwer misshandelt worden war, soll ein Schmerzensgeld erhalten. Der Vormund des Kindes verklagte den Landkreis Güstrow auf die Zahlung von 30 000 Euro. Nach Angaben des Landgerichts Rostock von Freitag vertritt der Vormund die Ansicht, dass das Martyrium des Mädchens durch einen Hausbesuch der zuständigen Jugendamts-Mitarbeiterin deutlich hätte gemildert werden können. Am nächsten Donnerstag (17.3) befasst sich das Gericht in einem Zivilprozess mit der Klage. Dem im November 2001 geborenen Mädchen hatte die Mutter von Mai 2002 bis Juni 2006 immer wieder ätzende Flüssigkeiten eingeflößt. Im Jahr 2003 übergoss sie das Kind zudem mit kochendem Wasser, um eine Versicherungsprämie zu kassieren. Lea-Marie musste sich danach schmerzhaften Eingriffen und einer Hauttransplantation unterziehen. Die Überforderung der laut Gericht "intellektuell minderbegabten Mutter" wäre schon bei einem einfachen Besuch offenbar geworden, argumentiert der Vormund. Die Mutter hätte durchaus Hilfe des Jugendamts angenommen. Der Landkreis hafte somit für das fahrlässige Fehlverhalten der Mitarbeiterin aus Amtshaftungsgründen.

Dies sieht laut Landgericht der Landkreis Güstrow anders. Er habe beantragt, die Klage abzuweisen. Es bestünde eine Haftung einer Kinderärztin, die über die diversen Klinikaufenthalte der Klägerin informiert gewesen sei. Auch sei das Fehlverhalten der Jugendamts- Mitarbeiterin nicht für die späteren Misshandlungen ursächlich gewesen. Das Gericht nahm die Klage aber an.

Die Mutter war Anfang 2007 vom Landgericht Rostock zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Lea-Marie trug bleibende Schäden davon und muss sich noch über Jahre unter Vollnarkose regelmäßig die Speiseröhre dehnen lassen.

Schon während der Verhandlung gegen die Mutter waren Vorwürfe gegen eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Güstrow geäußert worden. Sie soll im Mai 2003 die telefonische Anzeige einer Ärztin aus der Kinderklinik in Demmin nicht weitergeleitet haben. Das Amtsgericht Güstrow sprach sie deswegen im März 2009 wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen schuldig und verwarnte sie. (dpa/abendblatt.de)

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