Leserfrage

Müssen alle dem Umbau zustimmen?

An dieser Stelle geben Experten kostenlosen Rat

Die Frage: Die Mehrheit der Eigentümer in unserer WEG – wir wohnen allesamt in Reihenhäusern – ist älter als 60 Jahre. Gehbehinderungen sind wahrscheinlich. Wir diskutieren jetzt den Einbau einer Hebebühne, die uns den Zugang zu unseren Häusern erleichtert. Die Treppenaufgänge sind Gemeinschaftseigentum. Genügt die Zustimmung der Mehrheit oder müssen alle 16 Eigentümer zustimmen?

Die Expertin: Bei dieser Maßnahme handelt es sich um eine bauliche Veränderung gemäß § 22 Abs. 1 S. 1 WEG, die über die ordnungsgemäße Instandhaltung des gemeinschaftlichen Eigentums hinausgeht. Durch sie werden die Rechte sämtlicher Eigentümer beeinträchtigt, sodass auch alle zustimmen müssen. Soweit jedoch durch eine bauliche Veränderung die übrigen Eigentümer nicht über das unvermeidliche Maß hinaus beeinträchtigt werden, besteht gegen diese ein Anspruch auf Duldung der baulichen Maßnahme. Ob dies hier der Fall ist, muss über eine Interessenabwägung geprüft werden: Einerseits darf der barrierefreie Zugang zur Wohnung nicht vorenthalten werden, andererseits darf dieser nicht über das bei einem geordneten Zusammenleben Zumutbare hinausgehen. Soweit einzelne Eigentümer verlangen können, dass ihnen ein barrierefreier Zugang ermöglicht wird, so müssen die übrigen Wohnungseigentümer den Umbau nur dulden, nicht aber bezahlen.

Expertin: Inka Al-Kabbany,Fachanwältin für Miet- und Wohnungseigentumsrecht; www.hohebleichen21.deZusendung von Fragen an:Wohnen.leben@abendblatt.de

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